1. Viele Einflüsse haben Lemgo geprägt

    Sonderführung des Museumsvereins zu Stadtgeschichte und Bedeutung der Hanse

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    Lemgo (nr). Allein das Wort "Hanse" lässt vor dem geistigen Auge schwer mit Waren beladene Karren oder Schiffe auftauchen. Dass die Hanse allerdings weit mehr war, als nur Handel und für das Wachstum und Wohl der Alten Hansestadt Lemgo bedeutend war, hat am Sonntag die Vorsitzende des Museumsvereins, Christiane Thiel, sehr bildlich dargestellt.

    Mag das genaue Datum der Stadtgründung Lemgos noch im Dunkeln liegen, so belegt ein Dokument jedoch die Verleihung der Stadtrechte für Lemgo im Jahr 1240 und die hatten für die Menschen eine besondere Bedeutung. "Bürger der Stadt zu sein, gab ihnen das Recht auf Selbstverwaltung, unabhängige Gerichtsbarkeit, Markt- und Zollrecht, die Herstellung eigener Münzen und nicht zuletzt eine soziale Absicherung durch die Zugehörigkeit zu einer Gilde oder Zunft", weiß Christiane Thiel zu berichten. Die Sicherheit einer Stadt und die Möglichkeiten, die sich in Lemgo zur Nähe der Handelsrouten boten, wirkten auf viele Menschen wie ein Magnet. Lemgo wuchs zusehends und musste bald durch die Neustadt erweitert werden. Innerhalb der Stadtgrenzen gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen Kaufleuten und Handwerkern, aber die Kooperation mit anderen Städten lies den Handel erblühen. Kurz vor 1300 kam Lemgo dann in den Hansebund und war seinerzeit eine der wichtigsten Handelsstädte in der Region. Der Hansebund trug sich bis in die Zeit nach dem 30-jährigem Krieg. Dann waren Handelswege zerstört, Ressourcen nicht mehr vorhanden und die Bevölkerungsdichte um 20 bis 25 Prozent gesunken. 1617 wurde der Hansebund schließlich aufgelöst. Ganze 330 Jahre dauerte es, bis Zwolle in den Niederlanden sich im Zuge eines Stadtjubiläums wieder auf die Hanse besann. 3 Jahre später wurde Lemgo im Jahr 1983 wieder Mitglied dieser neuzeitlichen Hanse. Im Rahmen des Westfälischen Hansebundes, dem Lemgo angehört, wird die Stadt dieses Jahr zum Strohsemmelfest auch Gastgeber der Westfälischen Hansetage sein. Dass Lemgo sich auch weiterhin mit dem Titel "Alte Hansestadt Lemgo" schmücken darf, erläutert Christiane Thiel so: "Fürst Leopold IV war ein Bau in Detmold verwehrt worden, den er in Lemgo umsetzen durfte. Als Dank kam er auf die Idee – eigentlich als lippische Lösung, denn für die Bürger immerhin ganz umsonst – der Stadt die Gnade zu erweisen, ihr den Titel "Alte Hansestadt" zu verleihen; einen Titel, der nicht anfechtbar ist." Doch nicht allein der Handel machte und macht die Hanse aus, klärt die Vorsitzende des Museumsvereins ihre Gruppe auf und verweist auf die ganz unterschiedlichen Baustile. Immer wieder waren die Eindrücke der Kaufleute, die sie von ihren Reisen mitbrachten, Grund, um das Stadtbild zu verändern. Große Veränderungen gab es auch in der Kunst und – für Lemgo gerade durch die beiden Kirchen St. Nicolai und St. Marien zu erfahren – in der Musik. Letztere kannte Jahrhunderte lang die getragenen gregorianischen Gesänge der Kirche, bis durch Handelsbeziehungen mehrstimmige Gesänge und Orgelmusik in die Region getragen wurden. "Die Hanse ermöglichte immer wieder den Einfluss neuer Eindrücke, die heimische Händler, aber auch fremde Kaufleute in die Stadt brachten", so Christiane Thiel. "Die Zugehörigkeit zur Hanse hat nicht nur den Handel aufblühen lassen, sondern Architektur, Kunst und Musik verändert, beflügelt und verbreitet." Wer diese Informationen noch vertiefen möchte, kommt nicht umhin "Lemgo in der Zeit der Hanse" von Historiker Roland Linde zu erstehen. Das Buch ist letztes Wochenende passend zum Stadtjubiläum in den Handel gekommen.

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