1. Typisch englisch: "Best of British"

    Klassik zu Pfingsten mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Frank Beermann

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    Bad Salzuflen (la). Dass die britische Nation ein "Land ohne Musik" sei, ist gelegentlich sogar von englischen Gelehrten zu hören. Allerdings ist das eine typisch englische Untertreibung, denn allein die gewaltige Chortradition hat die Komponisten von der Insel zu bewegenden und zugleich meisterhaften Werken inspiriert. Dies setzt sich bis in die Gegenwart fort. Kaum zu leugnen aber ist, dass die Musikgeschichte des Königreichs Lücken aufweist, in denen weniger Bedeutendes geschrieben wurde. Die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) spürt bei ihrem Festival "Klassik zu Pfingsten" dem "Best of British" nach. "Very british" heißt dann natürlich nicht nur Linksverkehr und rote Telefonzellen, Doppeldeckerbusse und Teatime, sondern vor allem, sich der Freude an der Musik hinzugeben.

    Bereits zum 14. Mal veranstaltet die NWD ihr eigenes Festival "Klassik zu Pfingsten" von Freitag bis Montag, 22. bis 25. Mai, in der Konzerthalle im Kurpark: Zwei Kammer- und zwei Orchesterkonzerte sowie eine öffentliche Generalprobe mit Werken vorwiegend englischer Komponisten stehen auf dem Programm, das mit eher unbekannten als auch unsterblichen und populären Stücken ausgefüllt ist. Frank Beermann, der Mitbegründer der "Klassik zu Pfingsten"-Reihe steht bei den Orchesterkonzerten am Pult, renommierte Solisten wirken zudem mit. Dazu gibt es ein "Gesamt-" und ein "Kleines Abo" mit erheblichen Preisnachlässen, es können aber auch Einzelkonzerte besucht werden. "Der Tod und das Mädchen" Mit zwei großen Werken für Streichquartett von Edward Elgar und Franz Schubert geht es am Freitag um 19.30 Uhr los, wobei das erste Kammerkonzert vom "Nairi-Quartett" gestaltet wird. Das Streichquartett e-Moll (opus 85) zeigt den Komponisten Elgar von einer vergleichsweise ungewohnten Seite. Zurückhaltend, nachdenklich, bisweilen melancholisch: es stellt den Rückzug eines vom Ersten Weltkrieg genervten Künstlers in die Privatheit dar, ausgedrückt mit den Mitteln der Kammermusik. Und Franz Schuberts Streichquartett Nummer 14 in d-Moll (D 810), das durch den Beinamen "Der Tod und das Mädchen" Berühmtheit erlangte, zählt nicht nur wegen dieses programmatischen Bezugs zu den die Musikwelt von Beginn an faszinierenden Werken. Das "Nairi-Quartett": Schon die Namen der jungen Streicher offenbaren russische und armenische Wurzeln: Narine Nanayan, Natalia Zhdanova, Goar Mkhitarian und Anastasia Feruleva. Das Ensemble wurde 2009 am Mussorgsky-Konservatorium in Jekaterinburg/Ural gegründet. Schon bald machte das Quartett durch mitreißende Aufführungen auf sich aufmerksam und nutzt regelmäßig Gelegenheiten mit namhaften Dozenten in ganz Europa zu studieren. Konzerteinladungen führten das Streichquartett bereits durch ganz Russland, nach Frankreich, Deutschland und in die Niederlande. Die Generalprobe Auch diesmal bietet die NWD den Musikfreunden, die sich ganz besonders für die Arbeit des Orchesters interessieren, die Gelegenheit, an einer öffentlichen Generalprobe teilzunehmen, die am Pfingstsamstag um 10 Uhr stattfindet. Geleitet werden die Orchesterkonzerte in diesem Jahr wieder von Frank Beermann, der zudem auch bei der Liedmatinée am Flügel mitwirkt. Beermann war Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz und Chefdirigent der Robert-Schumann-Philharmonie und feierte große Erfolge im Opern- und Konzertrepertoire. Sein ständig waches Interesse an unbekannten und neuen Werken hat zu spannenden Veröffentlichungen geführt. Heraus aus dem Jammertal… Benjamin Britten, William Walton, Frederick Delius und Edward Elgar sind die Komponisten, deren Werke beim ersten Orchesterkonzert der NWD unter der Leitung von Frank Beermann am Pfingstsamstag um 19.30 Uhr gespielt werden. Die solistischen Aufgaben übernimmt Hartmut Rohde (Viola). Gespielt wird zunächst "Four Sea-Interludes" aus "Peter Grimes" von Benjamin Britten. Seiner Oper "Peter Grimes" kommt eine herausragende Bedeutung im englischen Musikleben zu, wurde damit doch eine 250-jährige Durststrecke der englischen Oper überwunden. Brittens Musik ist auch für ein Publikum verständlich, das nicht zu den geübten Hörern moderner Musik gehört. Seine Kompositionen verfügen über melodischen Reiz, rhythmische Finesse und einen überragenden Klangsinn. Mit seinem Viola-Konzert für die ansonsten stiefmütterlich behandelte Bratsche machte der eher den gemäßigten modernen Komponisten angehörende William Walton Furore, dem damit ein fulminanter Start zu seiner Komponistenkarriere gelang. Sein Konzert war von Anfang an ein Erfolg und wurde enthusiastisch aufgenommen. "The Walk to the Paradise Garden” von Frederick Delius schließt sich an. Es handelt sich um ein Orchesterstück, das als Überleitung zwischen fünfter und sechster Szene der Oper "A Village Romeo and Juliet" ("Romeo und Julia auf dem Dorfe") steht. Es ist das wohl stärkste Stück des einer Bielefelder Kaufmannsfamilie entstammenden Delius. Dieses Opernzwischenspiel – ursprünglich zum Schaffen einer längeren Umbaupause geschrieben – ist eines seiner eindrucksvollsten und bewegendsten Werke. Und bei den abschließend erklingenden "Enigma"-Variationen von Edward Elgar kann von einem richtungweisenden Werk gesprochen werden. Sein Schöpfer wurde mit ihm schlagartig berühmt und erreichte als erster englischer Komponist seit langer Zeit Bekanntheit weit über die Landesgrenzen hinaus. . Für die solistischen Aufgaben beim Bratschenkonzert von William Walton konnte Hartmut Rohde gewonnen werden, der 1993 als Professor für Viola an die Universität der Künste Berlin berufen wurde. Hartmut Rohde ist Gründungsmitglied des "Mozart Piano Quartet", das zu den führenden Klavier-Kammermusikensembles gehört. Auszeichnungen in Wettbewerben waren die Basis für seine intensive internationale Konzerttätigkeit in Europa, USA, Kanada, Australien oder Asien. Hartmut Rohde spielt ein Instrument von Michael Ledfuss (2002) sowie eine Giuseppe Fiorini (1899). Eine informative Vorschau auf die Konzerte am Pfingstsonntag und Pfingstmontag erfolgt in der nächsten Ausgabe von Lippe aktuell, am Samstag, 23. Mai.

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