Detmold (la). Sie sind jung, sie sind begabt und sie lieben die Musik – für das Detmolder Kammerorchester (DKO) Anlass genug, seinen talentierten Ensemblemitgliedern unter dem Titel "Junge Solisten” einmal pro Spielzeit ein eigenes Podium zu bieten. So präsentieren sich beim 5. Abonnementkonzert am Dienstag, 26. Mai, ab 19.30 Uhr gleich sechs außergewöhnliche Nachwuchskünstler als Solisten im Konzerthaus der Musikhochschule. Kathrin Leithner (Flöte), Masako Kozuki (Oboe), Frederic Ibanyez i Vidal (Violine), Francois-Jean Yzambart (Violoncello) sowie Benedikt Seel (Fagott) und Marinos Tranoudakis (Pauke) sind alle langjährige Mitglieder des DKO und junge Absolventen der Hochschule für Musik. Begleitet werden sie von ihren Kollegen des DKO unter Stabführung von Alfredo Perl. Neben der Kammersinfonie Nr. 2 des in letzter Zeit wiederentdeckten polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyław Weinberg, stehen drei Solokonzerte auf dem Programm. Vivaldis virtuoses Feuerwerk für Flöte und Orchester RV 443, die Sinfonia Concertante für Violine, Oboe, Violoncello und Fagott von Joseph Haydn und eine musikalische Rarität: das Konzert für insgesamt 8 Solopauken von Johann Carl Christian Fischer.
Bevor die gemeinsame intensive Probenphase mit ihren Kollegen des DKO beginnt, standen die sechs Künstler für ein Gespräch bereit und verrieten einiges über das bevorstehende Konzertprogramm und ihren Auftritt als Solisten. ? Ist es ein gravierender Unterschied bei diesem Konzert, nicht wie sonst üblich Teil des DKO-Klangkörpers zu sein, sondern als Solist vor dem DKO zu stehen? Kathrin Leithner: Als Bläser im Orchester kann man sich ja sowieso, zumindest wenn man die 1. Stimme spielt, nicht besonders gut verstecken (lacht) ... und in einem Kammerorchester noch weniger als in einem großen Sinfonieorchester. Natürlich kommt man als Solist mit einer etwas anderen Attitüde auf die Bühne. Aber ich freue mich viel mehr darauf, mit dem DKO gemeinsam schön zu musizieren! Frederic Ibanyez i Vidal: Als Solist steht jeder Ton, den man spielt, im Fokus der Aufmerksamkeit des Publikums. Das ist etwas, was man im Tutti oder sogar als Konzertmeister nicht so häufig erlebt. Marinos Tranoudakis: Ich meine, dass es letztlich darum geht, egal auf welcher Position man spielt, das Beste musikalisch aus sich herauszuholen. ? Neben dem Solo-Auftritt werden Sie für andere Werke des Konzertprogramms wieder Teil des DKO-Orchesterklangs werden. Das heißt, Sie wechseln von Solo auf Tutti – bedeutet dieser Wechsel eine Umstellung? Benedikt: Auf jeden Fall! Als Teil des Orchesters muss man ja nach anderen, integrierbaren Klangfarben, Dynamiken usw. suchen, während man als Solist eher versucht, sich abzuheben. Kathrin: Bei mir wird es eher der Wechsel von der Piccolo zur großen Flöte, der eine Umstellung verlangt. Aber das kommt ja auch im normalen Orchesterrepertoire immer wieder vor. Ansonsten glaube ich, ist der Wechsel bei Streichern weitaus extremer ... Francois-Jean: Ja, als Streichertuttist ist die wichtigste Sache, wie man als Gruppe klingt. Ich bin dann Teil eines Gesamtklanges. Frederic: Damit die Gruppe musikalisch funktioniert, muss man einen Teil seiner Freiheit opfern. Beim Solospiel sind allerdings die Nerven so eine andere Angelegenheit ... (lacht) Marinos: Der Rest des Programms ist für mich an der Pauke ziemlich anspruchsvoll: Bei Haydn habe ich besonders auf die Stilistik zu achten, bei Weinberg hingegen auf die unterschiedliche Stimmung der Pauken und die Dynamik. Hier habe ich die Partitur wie ein Filmscript zu behandeln und eine reichhaltige Farbpalette zu erzielen. ? In der Regel sind Solo-Konzerte mit Orchesterbegleitung für einen oder maximal zwei Solisten vorgesehen. Haydns Concertante sieht gleich vier Solisten vor: Oboe, Fagott, Violine und Violoncello. Francois-Jean: Es ist schon eine besondere Situation: Wir sind Solisten und Kammermusiker zugleich! Masako: Ich sehe das Konzert als solistisches Quartett-Ensemble. Es gibt hier keinen autarken Solokünstler, sondern ein kammermusikalisches Solo-Ensemble. Dabei ist die Mischung aus Streichern und Holzbläsern für mich eine ganz eigene Erfahrung. Benedikt: Dabei funktioniert das solistische Ensemble nicht, wenn jeder sein Ding durchziehen will. Der Dialog zwischen den Solisten ist zwingend notwendig! Für mich ist es eine Premiere dieses Werk zu musizieren, auf die ich mich sehr freue. Gerade weil Haydn insbesondere im Vergleich zu Mozart und Beethoven meiner Meinung nach oft ein wenig vernachlässigt wird und das zu Unrecht! Frederic: Haydns Concertante ist grundsätzlich ein besonderes Stück. Strukturell ist sie so konzipiert, dass jeder Solist verschiedenste Rollen einnimmt: es gibt Passagen, in denen jeder allein die führende Melodie übernimmt, manchmal muss man das Solo eines anderen Solisten begleiten, dann wieder gibt es Stellen, da sind die vier Solo-Stimmen absolut gleichwertig oder bei wieder anderen spielen die Solisten die Tutti-Stimme mit. Alle klassischen Besetzungsvarianten werden hier präsentiert: Solo, kammermusikalisches Ensemble, Solo mit Orchesterbegleitung und klassisches symphonisches Orchester. ? Vivaldis Flötenkonzert hingegen ist ein typisches Solokonzert, für nur einen Solisten, in diesem Fall an der Piccoloflöte … Kathrin: Ich mag es sehr, auf der Piccoloflöte zu spielen – für viele Flötisten bedeutet es ja eher eine Qual. Für mich ist es ein wunderschönes Stück! Technisch ist es ein hoch virtuoses Werk. Man braucht schnelle Finger, eine deutliche Artikulation, langen Atem. Musikalisch kann man viel zeigen: künstlerische Freiheit in der Wahl der Verzierungen, Farbwechsel vor allem im langsamen Satz, diese spritzige Leichtigkeit des italienischen Barock, pure Freude, einige melancholische Eintrübungen! ? Ein sehr selten gespieltes und ausgefallenes Solokonzert für gleich acht Solo-Pauken eröffnet den Reigen der Solokonzerte an diesem Konzertabend … Marinos: Diese extravaganten und bizarren Experimente waren für Komponisten des Rokoko üblich. Dabei ist Fischers Konzert mehr als nur eine musikalische Skurrilität: es ist hoch anspruchsvoll, für den Paukisten ebenso wie für das Publikum. Die tatsächliche Schwierigkeit liegt dabei in der Stilistik, weniger in der Vielzahl der Instrumente. Heutzutage gibt es sogar Konzerte für mehr als acht Pauken. Ich erinnere mich, wie mein Vater mich im Alter von 11 Jahren zu einem Konzert mitnahm. Es war die Athener Uraufführung von Werner Thärichens Paukenkonzert. Ich war derartig begeistert, den Solisten direkt neben dem Dirigenten mit all jenen großen Instrumenten auf dem vordersten Rand der Bühne zu sehen, dass ich das auch für mich wollte. So ist dieses Konzert mit dem DKO in vielerlei Hinsicht die Erfüllung meiner Träume und ich werde es genießen! Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf bei der Tourist-Information am Markt in Detmold sowie online unter "www.detmolder-kammerorchester.de" oder an der Abendkasse.
