Istrup (la/lig). Auf ein besonderes Ereignis schaut in diesem Jahr der Spielmannszug Istrup zurück, denn er begeht sein 90-jähriges Bestehen.
Im Frühjahr 1925 fanden sich mit August Schmidtmeier, Hermann Schnittger (in seiner aktiven Dienstzeit Spielmann in einem Militärspielmannszug), Heinrich Suska und August Tegt die ersten vier Spielleute zusammen und musizierten zusammen. Auf zwei Flöten und zwei Trommeln wurde einmal wöchentlich, jeweils mittwochs im Steinbruch am Hurn geübt, damit die Nachbarn nicht gestört wurden. Später fanden die Übungsstunden im Saal der örtlichen Gaststätte "Lindenkrug" statt. Den ersten öffentlichen Auftritt des Quartetts fand anlässlich eines Festes des Turnvereins Istrup im Mai 1926 statt. Bis 1929 spielte diese kleine Gruppe in unveränderter Besetzung jeweils bei Veranstaltungen auf. 1930 sprang erstmals Heinrich Käuper als Tambour-Major beim Rundmarsch des Turnfestes ein. Nachdem es ab 1930 etwas ruhiger in der kleinen Gruppe wurde, belebte der Zuwachs durch Ernst, Heinrich und Paul Käuper ab 1932 das Geschehen, so dass wieder regelmäßig geübt wurde. Im Jahr 1933 wurde in Istrup die Betriebskapelle der Firma Dux und Hauff gegründet, die den Spielmannszug bei entsprechenden Anlässen verstärkte. So blieb es bis 1939. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges unterbrach die weitere Arbeit und Entwicklung des kleinen Vereins. Bereits ab 1946 hatten sich die Spielleute wieder zusammengefunden, um ab 1947 wieder mit der mit der regelmäßigen Arbeit zu beginnen. Von den sieben Mann zu Beginn des Krieges waren noch vier Personen übrig geblieben. Von der ehemaligen Betriebskapelle Dux und Hauff bekam der kleine Verein Zuwachs von Istruper Musikern. So nahmen die damaligen Spielleute wieder an örtlichen Veranstaltungen teil. Nachdem der Lehrer Hippe nach Istrup gekommen war, trat er dem Verein bei und es wurde seitdem in der Schule geübt. Mittlerweile zählte der Spielmannszug neun Mitglieder. Im Jahr 1950 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert. Den ersten außerörtlichen Auftritt hatten die Spielleute beim Schützenfest in Großenmarpe im Jahr 1952. Der Weg dorthin und auch wieder zurück wurde zu Fuß zurückgelegt. Ein Jahr später gastierte der Spielmannszug gemeinsam mit den Großenmärper Schützen beim Blomberger Schützenfest. Nun ist der Verein durch junge Leute auf 15 Spielleute angewachsen. Auch beim Heimatfest in Istrup im Jahr 1954 war der Verein dabei. Leider war das Wetter miserabel und bei strömendem Regen wurde sogar bei einer Trommel das Fell durchschlagen. In diesem Jahr wurden die ersten fördernden Mitglieder in den Verein aufgenommen, deren Zahl bis auf 40 herangewachsen ist. Die Mannschaft verstärkte sich weiter und die Aktivitäten nahmen zu. Im Jahr 1959 wurde in Blomberg erstmals an einem Wettstreit mit anderen Spielmannszügen teilgenommen, bei dem ein vierter Platz von insgesamt acht teilnehmenden Vereinen erreicht werden konnte. Ab 1960 richtete der Spielmannszug regelmäßig den Istruper Karneval aus, der zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Istrup wurde. Zudem richtete der Spielmannszug Istrup im Jahr 1960 den Wettstreit der Spielmannszüge des Kreises Detmold aus. Der erste Übungsleiter wurde im Jahr 1961 mit Bernhard Schumicki verpflichtet, der durch seine Arbeit als Leiter des Detmolder Kinderspielmannszuges bekannt war. Im Jahr 1963 wurde als Ausgleich für die viele Arbeit der erste Vereinsausflug mit Damen veranstaltet. Mit zwei Bussen startete der Spielmannszug zu einer Fahrt durch den Reinhardswald zur Sababurg. In den Jahren 1964 bis 1968 betreute Adolf Schröder aus Blomberg als Übungsleiter den Spielmannszug Istrup. In den Jahren ab 1968 wurde der Verein bis zu 20mal jährlich zu verschiedenen Veranstaltungen verpflichtet, was schon ein enormes Arbeitspensum bedeutete, welches die 18 Spielleute zu leisten hatten. Zur Vervollständigung des Klangkörpers wurde 1971 die erste Lyra angeschafft, was damals eine sehr kostspielige Investition für den Verein war. Seit 1972 übernahmen Joseph Dolven und Willi Brokmann vom Spielmannszug Detmold die Übungsleitung. Bis sich der Spielmannszug einheitliche Uniformen anschaffen konnte, wurde eine dunkle Jacke und – je nach Jahreszeit und Wetterlage – ein weiße oder schwarze Hose getragen. Die Schwalbennester wurden daheim aufgenäht und einfach wieder abgetrennt, wenn die Jacke zu privaten Zwecken getragen wurde. Die erste einheitliche Uniform bestand aus abgelegten Sonntagsröcken und Mützen der Freiwilligen Feuerwehr. Die spätere graue Uniform wurde vom Vereinsmitglied und Schneidermeister Wilhelm Hütte maßgefertigt. Wichtig für den Fortbestand des Vereins war, genügend Nachwuchs in den Verein zu bekommen, so wurde im September 1973 der Kinderspielmannszug Istrup gegründet. Eine erfreulich große Anzahl Jungen und Mädchen aus Istrup und Blomberg folgten dem Gründungsaufruf und wurden von den aktiven Spielleuten Liesel Geise, Manfred Scheide und Karl-Heinz Barner jeweils samstags nachmittags in der Istruper Mehrzweckhalle betreut. Bereits nach einem halben Jahr zeigte die Arbeit erste Erfolge, so dass beim Osterfeuer 1974 der Kinderspielmannszug zum ersten Mal öffentlich auftreten konnte. Später nahm auch der Kinderspielmannszug an den Wettstreiten der lippischen Spielmannszüge mit großem Erfolg teil. Im Jahr 1975 feierte der Spielmannszug Istrup in der Mehrzweckhalle sein 50-jähriges Vereinsjubiläum. Im Laufe der Jahre gingen die mittlerweile Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Spielmannszug über, für das Weiterbestehen des Kinderspielmannszuges fehlte es dann aber an genügend Nachwuchs. Im Jahr 2000 beging der Spielmannszug sein 75-jähriges Jubiläum. Viele befreundete Musikvereine beteiligten sich am Sternmarsch und einem anschließenden Konzert. Auch das 80- jährige Jubiläum wurde im Rahmen eines Freundschaftstreffens gebührend gefeiert. In all den Jahren ist der Spielmannszug Istrup zu einem festen Bestandteil vieler Schützenfeste in der Region geworden, aber auch über die lippischen Grenzen hinaus sind die Spielleute aktiv.
