1. Kennenlernen heißt verstehen lernen

    Lüttfeld-Berufskolleg findet ungewöhnlichen Zugang zum Flüchtlingsthema

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    Lemgo (nr). Liebe geht bekanntlich durch den Magen – und das kann im schönsten Fall zur Völkerverständigung beitragen. Begegnungen der kulinarischen Art haben im Lüttfeld-Berufskolleg das vieldiskutierte Thema "Flüchtlinge und Migranten" behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzt. "Face to face – Let‘s live together" war das Motto der Aktion bei der für eine Woche die unterschiedlichsten Kulturen durch ihre ganz eigenen, landestypischen Speisen und viele Informationen erfahren werden konnten. Ob Kulinarisches aus Ägypten, dem Kosovo, der Türkei oder Angola – die Vielfalt der Speisen, die von Schülerinnen und Schülern des Berufsgrundschuljahres für Ernährung und Hauswirtschaft zubereitet wurden, entsprach dem kulturellen Reichtum, der auch im Lüttfeld-Berufskolleg zum Schulalltag gehört. "Für uns ist die Flüchtlingsthematik nicht anonym", erklärte Lehrerin und Koordinatorin des Projektes, Katrin Stratmann. "Neben den vielen Jahren Erfahrung mit Migranten, hat uns die Einrichtung einer internationalen Förderklasse zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres das Leben und den Hintergrund junger Menschen mit Flüchtlingshintergrund näher gebracht." 15 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren sind in dieser Förderklasse und lernen vorwiegend erst einmal Deutsch, wie Schulleiter Manfred Kreisel erklärte. "Die Schüler sind mitunter sehr kreativ, wenn es darum geht, sich mitzuteilen. Es macht ungeheuren Spaß, dort zu unterrichten." Den Beteiligten des Projektes – und das waren Lehrer, wie Schüler gleichermaßen – war es nicht nur wichtig, mehr Verständnis für einander zu erreichen, sondern mit der Aktion gleichwohl helfen zu können. So kam durch den Verkauf der Speisen und aufgrund von zusätzlichen Spenden die Summe von 1.000 Euro zusammen. "Gerade weil wir wissen, wie kompliziert das Leben ist, wenn man die Sprache nicht spricht, haben wir uns entschlossen, den Erlös an die Flüchtlingsunterkunft in Dörentrup für die Finanzierung der Sprachförderung zu spenden, zumal einer unserer Schüler dort lebt", so Manfred Kreisel. In Dörentrup leben zur Zeit 51 Flüchtlinge aus rund 18 verschiedenen Ländern und auch im Berufskolleg treffen 18 Nationen aufeinander. Schülersprecherin Merican Güngör hat ihre Wurzeln in der kurdischen Volksgruppe und als Tochter von Kriegsflüchtlingen, die inzwischen in Deutschland ihre Heimat gefunden hat, sieht sie großen Handlungsbedarf. "Europa und somit auch Deutschland haben die Aufgabe Flüchtlingen zu helfen. Ob Deutschland ihre zweite Heimat wird, wird die Zukunft zeigen." Die Aktion, unterstützt durch das Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien NRW, fand großen Anklang. Schulleiter Manfred Kreisel zeigte sich beeindruckt von der Eigendynamik, die das Projekt erfahren hat. So seien unerwartet viele Dialoge entstanden und sicherlich auch mehr Verständnis füreinander. "Wir dürfen nicht vergessen, dass Flüchtlinge aus Krieg, Terror und Elend kommen – in der Hoffnung auf ein angstfreies Leben – oder manchmal überhaupt auf ein Leben. Wir dürfen unsere Türen nicht verschließen."

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