1. Ein Stück Lemgoer Gedächtnis

    "Frauen für Lemgo" finanzieren Restaurierung der "Kaufmannsmatrikel"

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    Lemgo (nr). Es ist ein kleines, aber durchaus wichtiges Buch – ein Verzeichnis des ehemaligen Lemgoer Kaufmannsamtes, das nach seiner Restaurierung wieder in Lemgo ist. Dort sind die Eintragungen aller Lemgoer Kaufleute in die Kaufmannsgilde von 1383 bis 1838 zu finden. Ermöglicht hat die Restaurierung eine großzügige Spende der "Frauen für Lemgo". Für personenbezogene Forschungen über Handel und Hanse in Lemgo bedeutet diese "Kaufmannsmatrikel" ein fundiertes Stück Lemgoer Gedächtnis. Seit der Auflösung des Kaufmannsamtes zu Beginn der Industrialisierung und mit dem Aufkommen des Liberalismus, hatten die Verzeichnisse der Kaufleute im Kaufmannsamt am Marktplatz gelegen. Danach gingen sie in gebundener Form an das Stadtarchiv über. Gerade für die Rekonstruktion der Hanse in Spätmittelalter und früher Neuzeit hat diese Auflistung der Händler eine große Bedeutung – ein Grund mehr, das stark beschädigte und nicht mehr benutzbare Buch – auch im Hinblick auf den Hansetag in Lemgo – restaurieren zu lassen. Der stark beschädigte Pergamenteinband und die 340 Seiten sind nun durch Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster wiederhergestellt worden. Um 1300 war es für die Kaufleute obligatorisch, sich in ihre Gilde eintragen zu lassen, um Handel treiben zu dürfen. Auch die männlichen Nachkommen wurden in das Verzeichnis, die "Kaufmannsmatrikel, eingetragen, um später leichter und günstiger in der Kaufmannsgilde aufgenommen zu werden. "So hat dieses Buch für die Rekonstruktion von Familienbeziehungen eine große Bedeutung", weiß Stadtarchivar Marcel Oeben. "Diese Aufzeichnungen reichen um 123 Jahre weiter zurück, als die des Bürgerbuchs, in dem seit 1506 alle Bürger eingetragen wurden, die das Bürgerrecht in Lemgo erworben hatten." Die knapp 500 Euro für die Restaurierung spendeten die "Frauen für Lemgo", die sich ebenso über das Restaurierungsergebnis freuen, wie Stadtarchivar Marcel Oeben. Bis zu den nächsten Forschungsarbeiten verschwindet das wertvolle Dokument allerdings wieder im Magazin, um bei optimalen Bedingungen im bestmöglichen Zustand erhalten zu bleiben.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an