1. Relikt aus der Wirtschaftswunderzeit

    Der 50 Jahre alte Käfer und sein stolzer Besitzer Sven-Eric Bierhenke

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    Lemgo (rto). Ein VW-Käfer feiert in diesen Tagen seinen 50-jährigen Geburtstag. Der Oldtimer aus Wolfburg ist eins von nur noch 19 Fahrzeugen in Lippe mit einem LE-Kennzeichen. "Das Auto ist, wie die damalige Werbung es beschrieb: Es läuft und läuft und läuft…", strahlt der Oldtimerfreund und Immobilienmakler aus Lemgo, Sven-Eric Bierhenke. Seine Leidenschaft zum den alten Autos kommt nicht von ungefähr. Als Clubmaster des AC Lemgo kümmert sich Sven-Eric Bierhenke um die jährliche Oldtimer-Rallye der Motorsport Clubs und hat mit Freunden zusammen das Event "Legenden in Lippe”, ein Oldtimertreffen aller Marken in Lemgo, aufgebaut. Er kennt die ostwestfälischen Rennfahrerlegenden aus den guten Zeiten des Motorsports mit den beliebten Bergrennen persönlich. Doch mit seinem VW fährt er kein Rennen. Der "schlüpferfarbene”– die original Farbbezeichnung heisst "Pananma-Beige”– VW, war nie ein Rennwagen. Als preiswerter Familienwagen wurde er von seinem Erstbesitzer am 21. Juni 1965 im Autohaus Paul Stegelmann in Lemgo erworben. Die Auftragbestätigung und Rechnung vom 17. Mai desselben Jahres, über damals 5.230 D-Mark und 5 D-Mark für den Kfz-Brief, liegen dem heutigen Besitzer noch im Original vor. Mehr als 48 Jahre haben die Erstbesitzer das Fahrzeug gepflegt und gefahren. Durch ganz Europa sind sie damit gekommen, haben Rom und Paris besucht. Die erste Fahrt ging, Erzählungen zufolge, gleich nach Berlin. Dahin ging auch die erste Fahrt von Sven-Eric Bierhenke mit seinem Neuerwerb vor zwei Jahren. Beim Fototermin vor dem Brandenburger Tor hatte er gleich zwei nette Gespräche, erzählt der Autoliebhaber. Ein Mann habe sofort das LE-Kennzeichen erkannt und ein weiterer, ein Berliner Taxifahrer, hielt an und erzählte ihm, dass er zwar seit 30 Jahren in Berlin lebe, aber aus Lage komme. "So ist das immer, Menschen sprechen mich über das Auto an und erzählen ihre Geschichten. Das Fahrzeug ist ein echter Sympathieträger", weiß der Oldtimerbesitzer zu berichten. 280.000 Kilometer hat der Käfer jetzt auf der Uhr stehen. Aber er muss nun nicht mehr jeden Tag mit seinem 1.200 Kubikzentimeter Motor und seinen 40 PS Leistung auf die Straße. Wie seine Vorbesitzerin, eine jetzt alte Dame, hat er sich seinen Ruhestand verdient und wird nur noch zu besonderen Anlässen oder bei gutem Wetter aus der Garage geholt. Das Modell des Volkswagens aus den Sechzigern war vermutlich ein Exportmodell für die Benelux-Länder und schon mit ein wenig Luxus ausgestattet. Neben den Stoßstangenhörnern hat er ein Schiebedach, eine Tankuhr und wie der stolze Besitzer sagt, einen ”Angstgriff” für den Beifahrer. Der Tacho zeigt immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometer, die dieses Modell in seinen besten Zeiten aber nur mit Mühe erreichte. Der Vorbesitzerin ist Sven-Eric Bierhenke nicht nur zu Dank verpflichtet. Sie hatte viele Nachfragen, als ihr Käfer zum Verkauf stand. Sven-Eric Bierhenke hat ihr in die Hand versprochen, das Auto bis zu seinem eigenen Lebensende treuhändisch weiter zu pflegen. Und das geht bald los, denn bei genauerem Hinsehen sieht das fachmännische Auge, dass es nicht mehr weit ist bis zur Restauration. "Doch dann wird nur das Nötigste gemacht", sagt der Zweibesitzer des Oldtimers. Denn, er ist einer derjenigen in der Szene, den nicht hochglanzpolierte Autos erfreuen, sondern eben Fahrzeuge im Originalzustand mit der entsprechenden Patina.

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