Oerlinghausen-Helpup (kd). Leonie aus der Klasse 2c war doch etwas aufgeregt. Eine Woche lang hatte sie jeden Tag zwei Stunden im groflen Zirkuszelt neben der Grundschule Helpup geübt. Bei der Galavorstellung zeigte sie vor den Eltern, Grofleltern und Geschwistern, was sie auf dem Drahtseil gelernt hatte. "Der halbe Spagat hat geklappt", berichtete Leonie begeistert.
Alle vier Jahre bietet die Grundschule Helpup eine Zirkusprojektwoche an. Alle 286 Schülerinnen und Schüler erhielten als Clowns oder als Artisten eine Rolle, die im Schulalltag sonst nicht vorkommt. Dabei ging es nicht nur darum, zum Teil recht schwierige Übungen einzustudieren, sondern auch Disziplin zu üben. "Man muss ja warten, bis man an der Reihe ist", sagte Schulleiterin Ulrike Petersen. Bei den abschlieflenden vier Vorstellungen konnte sich das begeisterte Publikum dann überzeugen, dass die Kinder auch diese Aufgabe beherrschten. Angeleitet wurden die Grundschüler von vier Mitgliedern der Familie Casselly aus Bielefeld. Ihr Zirkusunternehmen wird bereits in der achten Generation geführt. Seit 20 Jahren hat sich die Familie darauf spezialisiert, mit Schulen zusammenzuarbeiten. "In Helpup gastieren wir jetzt schon zum vierten Mal", berichtete Anthony Casselly. Bevor die praktischen Übungen beginnen, werden zunächst die verschiedenen Aufgaben verteilt. "Wir konnten auswählen, was wir machen wollten", erzählte Leonie aus der Klasse 2c. "Wenn sich zu viele für ein Kunststück interessierten, wurde ausgelost." Sie hatte Glück und konnte ihren Wunschtraum verwirklichen, einmal als Zirkusprinzessin auf dem Seil zu balancieren. Und dann gab es noch andere ungewohnte Dinge. "Am Anfang mussten wir uns erst mal verbeugen und einen Knicks machen", berichtete Leonie. Ein wenig komisch sei ihr das schon vorgekommen. Andere Mitschüler führten eine Hunde- und eine Taubendressur vor oder bewiesen ihr Talent als vorwitzige Clowns. Geschminkt und mit bunten Hosen bekleidet, hatten sie natürlich nur Unsinn im Kopf. Doch schnell wurde den Schülern bewusst, dass die Späße, die Dialoge und das Herumtoben in der Manege nur dann gelingen, wenn man sich genau an die Vorgaben hält. Selbst schwierige Übungen wir vorwärts und rückwärts gehen auf dem Seil, grazile Bewegungen am Trapez und am Luftring hatten einige der Grundschüler innerhalb der Projektwoche gelernt. Dabei sind die Kinder heute generell weit weniger sportlich als früher, hat Anthony Casselly festgestellt. "Früher konnte jedes Kind ein Rad schlagen oder wenigstens einen Purzelbaum. Vor allem in den Städten sehen wir dies heute kaum noch", sagte er. In Helpup habe er andere Erfahrungen gemacht. "Hier sind viele Kinder im Sportverein aktiv oder haben sogar Ballettunterricht, das erkennt man sofort." Schulleiterin Ulrike Petersen und die neue Konrektorin Kirsten Klarhorst waren mit dem Ergebnissen der Projektwoche sehr zufrieden. Der Familie Casselly bescheingten sie eine sehr kindgerechte Arbeit geleistet zu haben. "Es war ein tolles Team, und alles hat super geklappt", sagten die beiden Lehrerinnen. Ermöglicht wurde die Projektwoche durch eine groflzügige Spende des Fördervereins der Schule und durch die Unterstützung mehrerer Firmen. "Wir hoffen, dass wir in vier Jahren wieder die Möglichkeit haben werden", sagte Ulrike Petersen und warb bei den Eltern dafür, Mitglied im Förderverein zu werden.
