Bad Pyrmont (afk). Dieter Hildebrandt – der Titan des deutschen Kabaretts - war mit seinen Programmen auch immer wieder ein gern gesehener Künstler auf der Bühne in Bad Pyrmont. So ist es nur schlüssig, wenn der Schauspieler Walter Sittler am Freitag, 15. Mai, um 19.30 Uhr im Konzerthaus aus Dieter Hildebrandts Buch "Letzte Zugabe" liest.
Seit Mitte 2013 beschäftigte sich Dieter Hildebrandt mit seinem letzten Programm. Dazu kam es leider nicht mehr, weil der Großmeister des deutschen Kabaretts am 20. November 2013 starb. Trotzdem gibt es sie, die "Letzte Zugabe". Walter Sittler, den Hildebrandt nicht nur als vielseitigen und facettenreichen Schauspieler, sondern auch für sein politisches und soziales Engagement schätzte, verleiht diesen letzten Gedankenblitzen Hildebrandts so viel Authentizität, dass der Meister da oben seine helle Freude daran hätte. Die "Letzte Zugabe" ist nicht nur ein Blick auf das Leben des wichtigsten Kabarettisten deutscher Zunge, sie ist nicht nur ein Zugriff auf die Geschichte der Bundesrepublik aus der Feder des Meisters. Sie ist auch der Nachweis, dass Dieter Hildebrandt sich bis zuletzt mit der politischen Gegenwart auseinandergesetzt hat. Aber Hildebrandt berichtet auch von den Menschen, die ihn geprägt, die mit ihm gestritten, gearbeitet und gelebt haben. Dies tut er in einem unbekannt zärtlichen Ton, der dieses Buch zu einem eben sehr persönlichen Werk macht und im Leser das Verständnis für den Künstler Hildebrandt vertieft. Es hat wohl zwei Dieter Hildebrandts gegeben. Hier der öffentliche Mensch, der homo politicus, der über Jahrzehnte das Kabarett und die Kritik an systemrelevanten Personen mit analytischer Schärfe und scharfer Zunge vorgetragen hat. Dort der verständnisvolle Freund und Bekräftiger in den schweren Zeiten, im Gewässer der Ja-Sager, ein Zentralgestirn am Himmel der neuen Aufklärer. Es waren eben auch diese Freunde, die das Buch nach dem November 2013 zu Ende gebracht haben: Rolf Cyriax als Lektor, Roger Willemsen als letzter Bühnenpartner und der Karikaturist Dieter Hanitzsch.