LUTHE (tau). Mit einem kühnen Sprung vom Turm ins rund 16 Grad kühle Wasser ist die Saison im NaturErlebnisBad eröffnet worden. Der neue Ortsbürgermeister Rolf Hoch, unterstützt von seinem Vorgänger Erich Harms und Bademeister Wolfgang Hühnerbein befanden die Wasserqualität für gut.
Auch einige Kinder wagten sich kurz ins Becken. Zur traditionellen Eröffnung sind wieder viele Gäste und Unterstützer gekommen. In diesem Jahr feiert die Betreibergenossenschaft ihren 10. Geburtstag. Das nahm der Vorstand zum Anlass, eine Podiumsdiskussion zum Thema bürgerschaftliches Engagement zu veranstalten.
Die Fragestellung lautete: "Können Genossenschaften öffentliche Infrastrukturprojekte erfolgreich umsetzen?" Die geladenen Gäste waren sich einig darin, dass es punktuell geht. Dr. Andreas Eisen vom Genossenschaftsverband aus Berlin ging aber noch weiter. Aus seiner Sicht sei es sogar vorstellbar, größere Bauvorhaben wie Straßen oder öffentliche Gebäude über die Organisationsform realisieren zu lassen. Ein gewagter Vorschlag, der irgendwie zur Zeit passt, die durch die Handfessel Schuldenbremse und das notorische Jammern über klamme öffentliche Kassen geprägt ist. Letztlich war die Gründung der Luther Genossenschaft vor zehn Jahren aber aus einer Protestbewegung heraus entstanden. Ziel war damals ja nicht, ein NaturErlebnisBad als eigenen Wirtschaftsbetrieb zu schaffen, sondern das bestehende Freibad zu erhalten.
Die Kritik an der Entscheidung, einen Teil der Daseinsvorsorge – nichts anderes ist der Betrieb eines öffentlichen Bades – für entbehrlich zu halten, führte die Bürger zusammen. Erst durch einen langen Diskussionsprozess und viel bürgerliches Engagement entwickelte sich dann das Konzept eines Bades, dass von einer Genossenschaft getragen werden sollte. Es gelang und das NaturErlebnisBad wurde allen Ukenrufen zum Trotz zu einem Erfolgsmodell.
Gerade Politik und Verwaltungsspitze waren am Anfang aber skeptisch. Jetzt, wo es laufe, möchte jeder mit und sich möglichst an die Spitze des Zuges setzen, lautete eine Reaktion aus dem Publikum. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass das Genossenschaftsmodell, engagierte Bürger vorausgesetzt, funktionieren kann. Klar bleibt aber auch, dass die Genossenschaft nicht die öffentliche Daseinsvorsorge und die sich daraus ergebende Verantwortung, Infrastruktur bereitzustellen oder zu erhalten, ersetzen kann.Foto: tau
