LOCCUM (jan). Die ‚Duale kommunale Ausbildungsoffensive’ der Loccumer Oberschule (OBS) geht in die zweite Runde – und zieht immer weitere Kreise.
Rolf Parno ist Koch aus Leidenschaft. "Man sollte schon sein Hobby zum Beruf machen", empfiehlt er den sechs Schülern, die vor ihm sitzen. Ansonsten erzählt er ihnen davon, was das Berufsbild von Köchen und Hotelfachangestellten ausmacht. Anschaulich ist das, was er berichtet, denn schließlich hat er jahrzehntelang das Restaurant ‚Zum dicken Heinrich’ im Landkreis Schaumburg geleitet. Er weiß also, auf was es ankommt und spart auf die Fragen der Schüler auch nicht mit ehrlichen Antworten: dass sie sich darauf einstellen müssten, auch Weihnachten und Ostern zu arbeiten und dass es manchmal sehr turbulent zugeht, wenn 200 Essen auf einmal zubereitet werden müssen. Auf der anderen Seite erzählt er von der Kreativität, die im Restaurant-Betrieb notwendig ist – wie etwa bei dem Sushi, das er einmal für ein japanisches Autohaus auf einer Motorhaube serviert hat. Und davon, wie sehr er seinen Beruf liebt.
Parno ist einer von 20 Botschaftern für Ausbildungsberufe beziehungsweise Betriebe, die sich an einem Vormittag den Fragen der Schüler aus den achten und neunten Klassen stellen. Chefs sind es in allen Räumen, die erzählen von Ausbildungen im Handwerk, in medizinischen und kaufmännischen Bereichen und in der Industrie. Das reicht von der Zahnarztpraxis über den Dachdecker bis zur Stadtverwaltung. 108 Schüler bekommen so die Chance, einen ersten konkreteren Einblick in jeweils vier Berufe zu erhalten – denn so ist der Parcours geplant, den die Oberschule als ‚Duale kommunale Ausbildungsoffensive’ konzipiert hat und der nun in das zweite Jahr geht.
Dem ersten Tag mit den Ausbildern folgt bereits am 8. Mai ein zweiter Tag in der Schule, bei dem alle Betriebe dann ihre eigenen Auszubildenden zu Gesprächen nach Loccum schicken – der Blick eines Chefs mag eben doch noch ganz anders sein, als der desjenigen, der solch eine Ausbildung just absolviert. Danach, sagt Andreas Bormann, sollte es so sein, dass sich jeder Schüler einen Beruf beziehungsweise Betrieb ausgesucht hat, den er in die engere Wahl ziehen möchte. Dort können sich die Schüler dann um einen Schnuppertag bewerben – also quasi einen Gegenbesuch im Betrieb selbst machen. Entspricht das immer noch ihren Vorstellungen – und entsprechen die Jugendlichen auch den Vorstellungen der Ausbilder – so sollte der Idealfall sein, dass nach den Sommerferien das Schulpraktikum im Wunsch-Betrieb kommt und womöglich im Jahr darauf ein Ausbildungsvertrag unterschrieben wird. Bormann, der Lehrer an der OBS ist und die Ausbildungsoffensive koordiniert, hat aus den Erfahrungen des ersten Jahres zwar noch keine Statistiken. Die Tatsache, dass kein Betrieb ihm in diesem Jahr signalisiert habe, nicht mehr mitmachen zu wollen und sich im Gegenteil sogar Betriebe gemeldet hätten, die gerne dabei sein wollten, ist für ihn aber schon ein sicheres Zeichen, dass das Konzept aufgeht – oder zumindest ein guter Baustein ist, um Auszubildende und Ausbilder passgenauer zusammenzubringen.Foto: jan
