1. Wenn das Smartphone süchtig macht

    Elternforum der Bezirksregierung zur kindlichen Handynutzung

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    Kreis Lippe. Ständig online, ständig zu erreichen – schon mehr als jeder zweite Zehnjährige nutzt ein Smartphone. Oft ruft dauerndes "Daddeln" Ärger mit Eltern oder Lehrern auf den Plan. Beim 5. Elternforum von Bezirksregierung und Unfallkasse NRW in Detmold gab es Tipps zur kindlichen Handynutzung. Mehr als 200 Teilnehmer haben sich darüber und über weitere "Konfliktpotenziale in Schulen" informiert.

    Handy und mobiles Internet lassen kaum Kinder und Jugendliche unberührt. 20 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen nutzen zumindest gelegentlich Smartphones. Bei Zwölf- bis Dreizehnjährigen springt der Anteil auf 85 Prozent. "Smartphones sind Statussymbole." So schildert es Johannes Wentzel, Referent für die EU-Initiative "Klicksafe" von der Landesanstalt für Medien NRW. Wer kein Smartphone besitze, könne nicht mitreden, gehöre nicht dazu. Das Problem: "Diese Technik ist inzwischen fester Teil der kindlichen Lebenswelt. Kinder müssen die Technikkompetenz jedoch erst entwickeln", sagte Wentzel. Viele Eltern hätten das erkannt. Doch versuchten sie, ihre Kinder vor unpassendem Inhalt zu schützen oder die Handynutzung einzudämmen, komme es zum Krach.

    Wichtig deshalb aus Wentzels Sicht: "Vor allem Kinder brauchen feste Regeln." Hier kann die Internetseite "www.mediennutzungsvertrag.de" helfen. Ein medienfreies Abendbrot zum Beispiel lasse Raum für tatsächliche Gespräche. Auch im Bett habe das Smartphone nichts zu suchen. Und der Surf-Inhalt ließe sich zum Teil über die Technik steuern. Angebote, wie "www.internet-abc.de", "www.klicksafe.de" oder "www.fragfinn.de" bieten Eltern Tipps, wie sie Smartphones sicher einstellen können, wie Wentzel erklärt. Und letztendlich helfe es auch bei diesem Thema, miteinander zu reden. "Im Idealfall erkunden Kinder und Eltern die neuen Medien gemeinsam", schildert der Medienpädagoge.

    Diese Strategie gelte auch für Schulen. "Wobei die Regulierung in Grundschulen vielleicht noch wichtiger ist als in weiterbildenden Schulen", sagt Wentzel. Jugendliche könnten stattdessen lernen, mit dem Netzgeschehen bewusst und kritisch umzugehen. Neben Verboten seien Gespräche zu Urheber- und Persönlichkeitsrechten oder zu Sozialen Netzwerken wichtig. Wentzel: "In jedem Fall sollte es eine Art Medientraining geben. Zuhause und auch in der Schule."

    Dass Schule in besonderer Weise ein Schutzraum sein sollte, hatte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann zuvor bei der Eröffnung des Elternforums betont. "Schule ist einer der wichtigsten Orte des gesellschaftlichen Zusammenlebens, an dem Gewalt, Mobbing und Cybermobbing keinen Platz haben dürfen", sagte sie. Konflikte zu vermeiden dürfe jedoch nicht allein den Einrichtungen überantwortet sein. "Schulische Gewaltprävention braucht starke Partner, um Gewalt in welcher Art auch immer offensiv entgegenzutreten", so Löhrmann. Projekte wie "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage", "Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie", das "buddY"-Projekt oder das Projekt "sozial-genial" trügen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts und der Verhinderung von Ausgrenzung bei.

    Welche Lösungsansätze gibt es in OWL, um Konfliktpotenziale zu entschärfen und Konflikte überhaupt nicht erst entstehen zu lassen? Das sollte das Elternforum der Bezirksregierung zeigen, wie Michael Uhlich, Schulabteilungsleiter der Bezirksregierung erklärte.

    Zwölf Workshops hatten die Veranstalter zu diesem Zweck zusammen getragen. Die Themen waren breit gefächert: von Mobbing und Suchtprävention über Salafismus und Rassismus in Schulen bis zur Bildung von Eltern und Stärkung von Kindern.

    Alle Ebenen in den Blick nahm dabei Ralf Rooseboom von der Unfallkasse NRW. Er zielte in seinem Beitrag auf das einzelne Kind, die Klasse und auch die gesamte Schule, um einen guten Lernerfolg zu begünstigen. "22 Prozent der Sieben- bis 17-Jährigen zeigen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten, wie Ängste (8 Prozent), Störungen des Sozialverhaltens (10 Prozent) und Depressionen (5 Prozent)", sagte Rooseboom. Die Atmosphäre und Kultur einer Schule und diese Probleme seien häufig eng verknüpft. Je besser das Klima und je bewusster mit Themen wie Verlust, Angst oder Ausgrenzung umgegangen werde, desto leichter ließe sich den Betroffenen helfen.

    Andererseits wirke eine zeitweilig labile psychische Gesundheit jedes Einzelnen auf das Gesamtsystem zurück, so Rooseboom. So empfänden Lehrkräfte unmotiviertes, unkonzentriertes oder undiszipliniertes Verhalten von Schülern oft als große Belastung. "Psychische Gesundheit muss ganzheitlich und im Kontext verstanden werden", betonte Rooseboom. Das beziehe auch die Eltern mit ein – nicht nur bei Grundschulkindern.

    Das Programm "MindMatters" der Unfallkasse ziele darauf ab, die psychosoziale Gesundheit der schulischen Akteure zu fördern und auf dem Weg zu guten gesunden Schulen zu unterstützen. Dazu gehörten sowohl Unterrichtseinheiten als auch Anregungen für die Schulentwicklung – Maßnahmen, bei denen auch Eltern mitwirken könnten. Rooseboom: "Auf diesem Weg lassen sich die Schulqualität, die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und außerunterrichtliches Personal und das Wohlbefinden der Schüler deutlich verbessern." Das sei nicht zuletzt auch ein Beitrag für mehr Respekt und Toleranz.

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