Bad Salzuflen/Dortmund. Das Pilotprojekt "Pflegebegleitung in Unternehmen" ist beendet. Bei der Abschlussveranstaltung in Dortmund haben Rita Müller (Bad Salzuflen) und Jutta Winand (Vlotho), beide vom Förderverein Zeitspende, ihr Zertifikat erhalten. Sie sind jetzt Pflegebegleiter-Initiatorinnen. Mit 12 weiteren Kursteilnehmern aus insgesamt sieben Standorten in NRW haben sie 180 Stunden Weiterbildung absolviert. Qualifizierungsschwerpunkt war "Pflege und Beruf vereinbaren – kann Engagement helfen?"
Dass Engagement helfen kann, davon haben die frisch "gekürten" Projekt-Initiatoren ebenso berichtet, wie Projektleiterin Professor Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz, Koordinator Sebastian Wenzel und Dr. Renate Schramek, wissenschaftliche Begleitung, alle vom Forschungsinstitut Geragogik, Witten, sowie geladene Gäste.
Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz nannte "Pflegebegleitung Unternehmen" ein Abenteuer-Projekt, durch das das bundesweite Netzwerk Pflegebegleitung aufgestockt würde. Sie nannte die Zahl von 23 Unternehmen, die in NRW an den Start gegangen sind. Gut zu motivieren seien zum Beispiel Verwaltungen, kirchliche Einrichtungen oder Sparkassen gewesen. Industrie- und Handwerksbetriebe hätten sich zurückgehalten. Als einer der Hauptgründe sei genannt worden, dass sie sich die Freistellungen der Mitarbeiter nicht leisten können. Ihr Fazit: "Es war ein großes Engagement von vielen, von Pflegebegleitern ebenso wie von Unterstützern. Die Aufbruchstimmung ist deutlich zu spüren."
Zu den Unterstützern gehört auch Georg Oberkötter vom NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Er sagte, dass es mutig sei, so ein Projekt zu initiieren. Dass es aber notwendig ist, das würde die Zahl von etwa 1.000.000 Angehörigen in NRW, die sich um Angehörige kümmern, belegen. Hinzu käme die Tatsache, dass mehr als zehn Prozent davon pflegen und zusätzlich berufstätig sind. "Verzicht auf Freistellung in Betrieben ist unökonomisch und damit Quatsch," war seine Meinung.
Prof. Dr. Eckart Hammer von der EFH Ludwigsburg erläuterte in seinem Fachvortrag: "14.000 Euro kostet ein Mitarbeiter, der auch Pflegeaufgaben übernommen hat, wenn er keine entlastende Unterstützung bekommt. Pflegende sind derzeit zu 62 Prozent Frauen und 38 Prozent Männer, Männer allerdings hauptsächlich bei der Partnerinnenpflege. Das Verhältnis würde bis 2030 ausgeglichen sein, war seine Voraussage. Insgesamt würde die Bereitschaft zur Pflege zu- und nicht, wie manchmal gemeldet wird, abnehmen. Prof. Dr. Hammer stellte klar: "Pflege ist auch Männersache."
Der Förderverein Zeitspende unterstützt auch weiterhin Unternehmen und Einrichtungen, die sich für die Vereinbarung von Pflege und Beruf stark machen wollen. Ansprechpartner sind Ele Diekmann, Telefon (05733) 6104 und Rita Müller, Telefon (05222) 2397243.
