1. Der Moment der Verwandlung

    Holzskulpturen und Arbeiten auf Papier von Klaus Hack

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    Lemgo-Brake (nr). Sie wirken imposant und scheinen sich in den Galerieräumen auf eine ganz eigene Weise zu inszenieren, nur um im nächsten Augenblick dem Betrachter beinahe isoliert und zurückgezogen zu begegnen. Die weißen Holzskulpturen von Klaus Hack erscheinen teils wie grob umrissene Figuren, die in die Abstraktion abdriften, oder wirken filigran und aufs Genaueste durchdacht. Was sich dann wie ein Zwiegespräch zwischen Skulptur und Betrachter entwickelt, mag in dem Moment der Erkenntnis enden, genau dem Moment der Verwandlung von Figürlichkeit zu Abstraktion beizuwohnen; dem Augenblick, der sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung von Holzskulpturen und Arbeiten auf Papier von Klaus Hack spannt, die noch bis zum 17. Mai in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus zu sehen ist.

    So unterschiedlich die Skulpturen von Holzbildhauer Klaus Hack ihrem Anschein nach sein mögen, ihnen allen liegt die Verwandlung von figürlich zu abstrakt zugrunde; dem einen Moment in dem der Künstler Figur und Plastik verschmelzen lässt. Es scheint, als hätte Klaus Hack inmitten des Schaffensprozesses die Entwicklung angehalten und damit den Moment eingefangen, der den Übergang von Abbild zu Zerrbild zeigt. Scheinen die Skulpturen in diesem Augenblick in sich zu ruhen, können sie dennoch überzeugen, voller Leben zu sein. Sie wirken wie ein dynamisches Zusammenspiel zweier ganz unterschiedlicher Daseinsformen.

    "Ich möchte den plastischen Gedanken in die Figur aufnehmen", erklärt Klaus Hack, lässt den Betrachtern seiner Werke aber den Freiraum zu entscheiden wie viel an Figürlichkeit oder Abstraktion sie für sich selber annehmen möchten.

    "Man kann sich selbst einmal ganz gut von den seltsamen Geschöpfen distanzieren, besonders die merkwürdigen Mischwesen als menschenfremd auf Abstand halten", beschreibt die Kunsthistorikerin Antja Schultz in ihrer Einführung in die Ausstellung und fährt fort: "Bis man merkt, wie menschlich sie sind und einen berühren."

    Ob weiblich anmutende Gestalten mit Trompetenohren, Stühle, die gleichzeitig zu Korsetten werden, in die Höhe strebende Babeltürme oder Klappaltäre die, wie auch die klar gerahmten Arbeiten auf Papier, an den Galeriewänden die Aufmerksamkeit auf sich ziehen – die Werkstücke von Klaus Hack schreien förmlich nach einer Begegnung mit dem Betrachter. Ob dieser eher die kleinen humorvollen Details bemerkt, oder sich in der Tragik des Lebens, die die Arbeiten von Klaus Hack ausmachen, verliert, bleibt in der eigenen Empfindsamkeit verborgen. Den Moment der Verwandlung, den die Skulpturen erfahren, wenn seltsam geformte Extremitäten aus Körpern wachsen oder bizarr anmutende Bewegungen in der Starre zurück bleiben, wird sich in den Empfindungen der Betrachter spiegeln.

    "Assoziationen zum Leben und zum Sein rufen die Arbeiten in jedem Betrachter hervor", ist Antja Schultz überzeugt. "Sie haben etwas Unbedingtes, so als gehören sie genau in ihre Haut und das macht sie so lebendig und tröstlich."

    Knapp mehr als 30 Skulpturen und Arbeiten auf Papier von Klaus Hack erfüllen die Galerieräume des Eichenmüllerhauses mit ihrem seltsamen, bizarr anmutenden Leben. Übergroße Münder mögen Assoziationen zu Edvard Munchs "Der Schrei" wecken, die sich neigenden Babeltürme das zum Scheitern verurteilte Streben nach Größe bewerten, letztendlich gibt Klaus Hack aber keine Wertung vor, lässt vielmehr ein anderes Leben hindurch klingen.

    Der Werkstoff Holz ist für den Künstler das perfekte Material, das er durch vielfältigste Techniken zu neuem Leben erweckt. Dabei entstehen seine Arbeiten aus einem Stück Holz, was die filigran gearbeiteten Werke nur noch reizvoller erscheinen lässt. "Naturholz ist zu laut", sagt Hack. "Der weiße Anstrich ist sensibler, lässt die Figuren noch plastischer erscheinen."

    Jens Hoffmann vom Kunstverein Lemgo und Antje Schultz haben die Arbeiten von Klaus Hack in den sechs Galerieräumen des Erdgeschosses so konzipiert, dass die Besucher die Kunstwerke aus allen erdenklichen Richtungen erfahren können. So reihen sie sich nicht wie Perlen auf einer Schnur, sondern wirken immer wieder als beinahe magischer Moment der Begegnung. "Es ist wie ein innerer Blick aus der Gegenwart, der den Besucher die Verwandlung erleben lässt", sagt Jens Hoffmann.

    Die Ausstellung ist bis zum 17. Mai, donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus, Braker Mitte 39 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an