1. Selbstloser Einsatz für Mitmenschen in Not

    Landrat, Polizei und DRK zeichnen Notfallhelfer für vorbildliche Zivilcourage aus

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    Kreis Lippe/Detmold (nok). Mut, Entschlossenheit, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit – all diese Tugenden und Charaktereigenschaften haben Nicolaos Hatjakis, Thorsten Jakobsmeier, Joel Fabian Manca Olga und Sascha Martin Waskowski und Julia Weimann gemeinsam. Als Menschen in Not waren haben sie hingeschaut. Das machen noch viele andere auch. Während es die meisten allerdings dabei belassen, haben sie couragiert zugepackt und geholfen. Dass sie sich dabei selbst teilweise in große Gefahr begaben, haben sie ausgeblendet. Jetzt wurden die fünf Lipper, zwei Rietberger und ein Paderborner für ihren beherzten Einsatz und ihr vorbildliches Verhalten von Landrat Friedel Heuwinkel, der Polizei und vom DRK-Kreisverband geehrt.

    "Lipper lassen keinen allein", unter diesem Motto zeichnet die Kreisverwaltung und die Polizei in regelmäßigen Zeitabständen Retter, Ersthelfer und aktive Zeugen aus, die durch ihre Zivilcourage anderen Menschen in der Not geholfen haben. "Für Ihr couragiertes Eingreifen gilt Ihnen allen unser höchste Respekt. Sie haben Mitmenschen vor größerem Schaden bewahrt und sind dabei teilweise ein hohes persönliches Risiko eingegangen. Da können sich viele Andere eine dicke Scheibe von abschneiden", meinte Kriminaloberrat Bernd Flake (Leiter der Direktion Kriminalität) . Landrat Friedel Heuwinkel erinnerte im Kreishaus an die selbstlosen Einsätze der "Notfallhelfer" und überreichte ihnen ebenso wie der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Herbert Dahle ein kleines Präsent.

    "Es geht mir – und da spreche ich auch für alle anderen hier eingeladenen Helfer – nicht um Dank, Ehre oder Lob, sondern einfach nur Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Wenn ich in einer Notlage wäre, möchte ich auch, dass mir jemand hilft und nicht einfach wegschaut", sagte Sascha Martin Waskowski. Dennoch freute man sich gemeinsam über die anerkennenden Worte.

    Der 32-jährige Blomberger hatte im Februar 2014 zusammen mit seiner damals hochschwangeren Frau Olga Waskowski und zwei weiteren Passanten (Elisabeth Wietbüscher und Matthias Buschsieweke aus Rietberg, Beide konnten an der Ehrung im Kreishaus aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen, Anm. d. Red.) zwei brutale, maskierte Räuber in die Flucht geschlagen, die auf offener Straße in der Nelkenstadt eine Person niedergeschlagen, mit Reizgas besprüht und massiv bedroht hatten. Einen der beiden Täter konnte Sascha Martin Waskowski sogar stellen und der herbei gerufenen Polizei übergeben.

    Ein sehr vorbildliches Verhalten bewies im Mai des vergangenen Jahres die damals erst 16-jährige Schülerin Julia Weimann in Lügde. Sie saß auf dem Heimweg von der Schule in einem Bus, der noch in unmittelbarer Nähe der Haltestelle einen 11-jährigen Jungen erfasste.

    Während andere Schulkameraden, Lehrkräfte und der Busfahrer fassungslos und geschockt auf den schwer verletzten Jungen starrten, ergriff die inzwischen nach Detmold verzogene Schülerin die Initiative. Sie leistete erste Hilfe, redete dem bei vollem Bewusstsein befindlichen Unfallopfer zu, versuchte zu verhindern, dass er bis zum Eintreffen der Rettungskräfte auf sein schwer verletztes Bein blicken konnte oder in Ohnmacht fiel.

    Joel Fabian Manca (21 Jahre) lieferte im August 2014 in der Detmolder Innenstadt eine "filmreife" Verfolgungsjagd mit einem Räuber, der kurz zuvor einer älteren Dame die Handtasche entrissen und sie dabei umgestoßen hatte. Er verfolgte den Täter vom Tatort an der Krummen Straße über den Bruchberg bis zur Ameide.

    Dort versteckte sich der Täter zwischenzeitig hinter Mülltonnen eines Gastronomiebetriebes. Als sein Verfolger ihn dort aufspürte, sprang der Handtaschendieb in den Wallgraben und durchkreuzte diesen zu Fuß in Richtung Grabbestraße. Joel Fabian Manca ließ nicht nach, wählte für die weitere Verfolgung allerdings den trockenen Weg über die Bruchstraßen-Brücke. Seinem kriminalistischen Spürsinn folgend, nahm der 21-jährige die Fährte auf der anderen Uferseite wieder auf, indem er den nassen Fußabdrücken auf dem trockenen Pflaster folgte, über eine zwei Meter hohe Mauer (vor der er eine Wasserpfütze entdeckte) kletterte und den Täter kurz darauf in der Nähe der Stadtwache stellen konnten. Dort nahm die Polizei den Räuber kurz darauf fest.

    Nicolaos Hatjakis rettete im Dezember 2014 eine gehbehinderte junge Frau und deren Mutter aus ihrer brennenden Wohnung. Der 35-jährige Bad Salzufler war mit seinem Fahrrad unterwegs, als er in der Dämmerung die Hilferufe zweier am offenen Fenster befindlichen Frauen hörte, die ihre brennende Wohnung nicht mehr durch die Tür verlassen konnten.

    Zusammen mit einem weiteren Passanten versuchte er die im Rollstuhl sitzende junge Frau durch das Fenster ins Freie zu heben, scheiterte aber zunächst daran, weil der Stuhl nicht durch die Fensteröffnung passte. Da sich die Situation durch die starke Rauchentwicklung zuspitzte, forderte er die Mutter mit Nachdruck auf, die Tochter aus dem Stuhl zu befreien, um sie dann aus dem Fenster zu heben. Mit letzter Kraft gelang es Nicolaos, beide Frauen aus der stark verqualmten und brennenden Wohnung zu befreien.

    Thorsten Jakobsmeyer (44) entdeckte von seinem Arbeitsplatz in einem Detmolder Bürogebäude im März dieses Jahres eine junge Frau, die sich in Suizidabsichten aus dem Fenster im dritten Stock stürzen wollte.

    Ohne über eine mögliche Reaktion der Frau nachzudenken, lief Paderborner zum Ort des Geschehens und zerrte die völlig apathisch wirkende Dame vom Fenster, redete ihr zu und übergab sie wenig später den Rettungskräften.

    Alle sechs ausgezeichneten haben große Zivilcourage bewiesen. Eines haben die Lebensretter und Notfallhelfer leider aber auch gemeinsam: bis auf eine Ausnahme haben sie von Opfern bis heute keinen Dank erhalten. Trotzdem würden alle sechs Geehrte in ähnlicher oder anderer Situation sofort wieder helfen.

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