1. Glückwünsche kommen über Kurzwelle

    Amateurfunker erinnern an den Beginn des Funkzeitalters vor einhundert Jahren

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    STEINHUDE (mk). Amateurfunk baut Brücken, verbindet Völker verschiedener Nationalitäten und lässt Freundschaften über politische Ideologien hinweg entstehen. Vom Steinhuder Meer aus ist seit Jahren eine deutsch-amerikanische Freundschaft in den Ort Tuckerton/New Jersey entstanden. Diese Orte sind jedoch nicht nur neuerdings über Funk miteinander verbunden, sondern standen bereits vor über 100 Jahren in Kontakt.

    Im Toten Moor am Steinhuder Meer wurde im Jahr 1913 der so genannte Funkenturm nahe der Ortschaft Eilvese fertig gestellt. Mit einer Höhe von 258 Metern war dieser damals das höchste Bauwerk Deutschlands. Der Standort in einem Moorgebiet war dabei nicht zufällig gewählt, denn ein feuchter Untergrund ist ideal, um eine gute Abstrahlung von Funkwellen im Langwellenbereich zu erreichen. Im Oktober 1913 gelang dann vom Funkenturm aus eine Verbindung zum Schwestersender in Tuckerton/New Jersey. Der damaligen deutschen Regierung war diese Verbindung von so wichtiger Bedeutung, dass sie bei der Einweihungsfeier persönlich vor Ort erschien. Kaiser Wilhelm II tausche dabei mit dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson ein Grußtelegramm aus.

    Der Funkenturm hat mit seinen Funkpionieren damit den Grundstein gelegt für die erste Funkverbindung, die jemals zwischen Deutschland sowie dem gesamten europäischen Kontinent und Amerika stattgefunden hat.

    Als sich das Datum der Senderfertigstellung jährte, war den Funkamateuren vom Ortsverband Steinhuder Meer bewusst, dass sie dieses mit einer besonderen Funkaktivität ehren wollen. In diesem Zusammenhang kam die Frage auf, wie in den USA mit der Geschichte des dortigen Senders umgegangen wird. Bei einer Recherche im Internet, entdeckten die Funker, dass am ehemaligen Senderstandort in Tuckerton ein Museum errichtet worden ist. Sogleich wurde Kontakt aufgenommen, auch in New Jersey kümmern sich Funkamateure um den Erhalt der Sendergeschichte. Die Fertigstellung des dortigen Funkenturmes war bereits im Jahr 1912. Die Funker aus Steinhude gratulierten, sehr zur Freude der amerikanischen Freunde, natürlich per Funkwelle. Und pünktlich zum Jubiläum des Steinhuder Turmes, wurde erneut eine Funkverbindung hergestellt. Hierfür hatten die Amateurfunker von der Bundesnetzagentur ein befristetes Amateurfunkrufzeichen, dass das historische Rufzeichen OUI des Funkenturm beinhaltete, es lautete DL100OUI (DL für Deutschland, 100 für einhundert Jahre, OUI das alte Funkrufzeichen vom Funkenturm). Damit gelang es dann, Kontakt mit W2WSC/100 aufzunehmen, das ist das Rufzeichen in Amerika, das ebenfalls das historische Rufzeichen WSC des alten Senders in Tuckerton beinhaltet. Per Kurzwelle wurden die gleichen Telegrammtexte, die vor einhundert Jahren Kaiser Wilhelm II und der amerikanische Präsident Woodrow ausgetauscht hatten, übermittelt.

    Mit dieser Verbindung hörte jedoch der Kontakt nicht auf, im Gegenteil. Sämtliche Informationen - Zeitungsartikel, Berichte, Fotos, eine Broschüre über den Sender Riese im Moor - wurden nach Tuckerton geschickt. Gleichzeitig erhielten die Funker aus Tuckerton viele Unterlagen. In Deutschland sind leider sämtliche Unterlagen über den Bau und Konstruktion des Funkenturm durch die Wirren beider Weltkriege verschollen. Es bleibt auf den ersten Blick ein Rätsel wie die damaligen Funkpioniere in der Lage gewesen sind, so einen gewaltigen Sendemast im Moorgebiet zu erreichten, ganz zu schweigen von der notwendigen Sendeanlage, die von einem eigenem Kraftwerk versorgt wurde. Mit den Unterlagen aus Tuckerton entsteht nun die Möglichkeit Rückschlüsse auf den Funkenturm am Steinhuder Meer zu ziehen.

    Kurz vor der Jahreshauptversammlung des Funkvereines, der Deutsche Amateur Radio Club e. V. - Ortsverband Steinhuder Meer, erhielten die Mitglieder völlig überraschend von den amerikanischen Funkfreunden Urkunden zugeschickt. Mit diesen von einem Anwalt zertifizierten Urkunden werden die Personen gewürdigt, die sich für die Funkverbindung beider Länder eingesetzt haben. Mit einer weiteren Sonderurkunde werden dann die Personen geehrt, die sich besonders für die deutsch- amerikanische Freundschaft verdient gemacht haben. Der Kontakt nach Tuckerton soll auch in Zukunft bestehen und wenn möglich noch ausgebaut werden. Hierfür wurde bei der Bundesnetzagentur ein so genanntes Klub-Amateurfunkrufzeichen beantragt, das über fünf Jahre befristet ist, es lautet DA0OUI. Foto: privat

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