1. Feuriges Spektakel mit langer Geschichte

    Osterräderlauf von Lügde hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren

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    Lügde (afk). Alljährlich wiederkehrend jeweils am ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond (Ostersonntag), so ist es überliefert, rollen in Lügde bei Bad Pyrmont, sechs mannshohe Eichenräder, mit brennendem Roggenstroh gestopft, den Hang des Osterberges talwärts. Dieses Ereignis aus heidnisch-germanischer Zeit ist von den Christen adaptiert und zieht heute am Abend des Ostersonntags viele tausend Zuschauer nicht nur aus der Umgebung sondern sogar bundesweit an. Es ist das einzige Ereignis in Deutschland, bei dem Feuerräder frei über eine 400 Meter lange Strecke talwärts laufen. Dem Volksglauben zufolge sollen reibungslose Läufe des "feurigen Sextetts" eine gute Ernte verheißen.

    Dieser Brauch des Feuerräderlaufes dürfte seine Ursprünge bereits vor über 2000 Jahren haben. Unklar ist, welcher Sinn darin gesehen wurde: Es kann ein alter Sonnenkult sein und das Feuerrad ein Sinnbild für die Sonnenscheibe – ein häufig in unterschiedlichsten Formen wiederkehrendes am Jahreszeitenwechsel vom dunklen, kalten Winter zum wärmenden, Fruchtbarkeit verheißenden Frühjahr angewandtes Ritual. Dieses Brauchtum wird bis heute von den Dechen gepflegt, deren Aktivgruppe auch am Ostersonntag den Räderlauf begleitet.

    Die 1,70 Meter hohen Eichenräder bestehen aus vier Lagen miteinander verschraubter Eichensegmente, die in Handarbeit von lokalen Zimmerern zugeschnitten und bearbeitet werden. Das Eichenholz wurde zuvor über viele Jahre getrocknet. Die Stabilität des Eichenrades mit einem Rohgewicht von zirka 280 Kilogramm wird durch zwei gekreuzte Balken gewährleistet, die die Radspeichen bilden. Im Schnittpunkt dieser Speichen wird am Nachmittag des Ostersonntag eine etwa fünf Meter lange Hainbuchenstange geschoben und mit Holzkeilen befestigt. Damit wird ein Umkippen des Rades, das beim Abrollen vom Osterberg ein Gesamtgewicht von etwa 400 Kilogramm hat und in der Spitze bis zu 80 km/h schnell werden kann, bei seinem abendlichen Lauf ins Tal verhindert.

    Die Stadt Lügde trägt seit 2013 offiziell den Beinamen "Stadt der Osterräder". Ausgediente Osterräder sind heute in zahlreichen Museen (unterem in Berlin und Kassel) zu sehen. In- und ausländische Medien berichten regelmäßig in Wort, Bild und Ton über dieses österliche Spektakel in Lügde.

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