Detmold (ck). Transparenz ist die Voraussetzung für Einkommensgerechtigkeit bei Frauen und Männern. Die Realität sieht jedoch anders aus. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, das trifft fast nie zu. An einem Stand auf dem Detmolder Marktplatz machten die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Lippe und die DGB-Frauen auf dieses Problem aufmerksam. Frauen erhielten danach viel weniger Rente und etliche rutschen in die Altersarmut.
Der Equal Pay Day ist in den USA entstanden. Die amerikanischen Business und Professional Women schufen 1988 mit der "Red Purse Compaign" ein Sinnbild für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. In Deutschland machen die Frauen mit einem roten Jutesack auf die roten Zahlen in ihren Portemonnaies aufmerksam. Auf dem Marktplatz holten sich viele Frauen den Jutesack ab und hängten ihn demonstrativ um. Sehr beeindruckend und erschreckend empfanden einige Besucherinnen das karge Mahl, bestehend aus einem Knäckebrot, einer Möhre und einem Apfel. "Weil Frauen im Alter mehr verdienen als Knäckebrot und Dosensuppe, müssen wir jetzt aktiv werden und auf geschlechtsspezifische Lohnunterschiede aufmerksam machen", erklärt Katrin Winter, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lage. "41 Prozent der westdeutschen Frauen, die heute 45 und 50 Jahre alt sind, erwartet eine Rente von weniger als 680 Euro – also eine Rente unterhalb der Grundsicherung", ergänzte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Detmold, Regina Homeyer. Viele Frauen übernehmen die Hauptlast der Familienarbeit und stecken beruflich, bei oft hervorragender Qualifikation, zurück. Laut Homeyer hat die Babyboomer-Generation versucht mit Teilzeit und Mini-Jobs Familie und Beruf zu vereinbaren und sind größtenteils darin hängen geblieben und haben keine Festanstellung mehr gefunden. Außerdem gibt es kaum Frauen in Führungspositionen. Für eigenständiges Leben und Altersabsicherung braucht es Lohngleichheit. Daher steht der Equal Pay Day diesmal unter dem Motto: "Transparenz – Spiel mit offenen Karten – Was verdienen Frauen und Männer?" Nur durch klare Transparenz der Gehaltsstrukturen kann aufgedeckt werden, ob Frauen und Männer bei vergleichbaren Positionen gleich verdienen. Denn wenn sie nicht wissen was die Männer verdienen, können sie keine souveränen Gehaltsverhandlungen führen. "Gleiche Bezahlung, dazu gehört aber auch die Wertschätzung der einzelnen Berufe. Frauenberufe sind schlechter bewertet, obwohl sie sehr gut ausgebildet sind", erklärt Edeltraut Nülle von den DGB-Frauen, die weiter erklärt, dass sie Zeichen setzen wollen mit Warnstreiks der Erzieherinnen in Lippe. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat ein Entgeltgleichheitsgesetz angekündigt. Die gleiche Entlohnung von Frauen und Männern soll noch dieses Jahr kommen.
