WUNSTORF (r/gi). "Wir begrüßen die Initiative für ein Bürgerbegehren in der Folge des Ratsbeschlusses, ab 2016 das Steinhuder Gymnasium in eine Außenstelle des Hölty-Gymnasiums umzuwandeln. Wir sind sicher, dass dabei schon im Vorlauf deutlich werden wird, dass der Erhalt des Gymnasiums lediglich ein Interesse einer kleinen Gruppe, nicht aber des Gemeinwohls darstellt. Wir haben die Gründung des Gymnasiums seinerzeit begrüßt, weil wir gehofft haben, dass damit ein weiterer Grundstein für ein Schulzentrum mit einer IGS ganz bewusst in Steinhude gelegt würde. Heute können und wollen wir nicht der öffentlichen Finanzierung einer kleinen und tatsächlich feinen Schule für "Gutbürgerliche" zustimmen. Als eine wuchtige Bürgerbewegung gegen den massiven konservativen Widerstand eine IGS durchsetzte, waren und wurden die Steinhuder Schulen als möglicher Standort als Erste gefragt.
Insbesondere die gymnasiale Seite lehnte rundweg ab. Diese Ablehnung spiegelt den gleichen Eigensinn, der sich auch heute versucht, durchzusetzen. Nur hier gibt es eine Verbindung zwischen Schulschließung und IGS-Gründung! Nun werden circa zehn bis 14 Millionen Euro in der sanierungsbedürftigen ehemaligen Scharnhorstschule verbaut, zusätzlich mehrere Millionen Euro zu ihrer Vergrößerung für die IGS. Ebenso weit mehr als zehn Millionen Euro wären notwendig für die Sanierung des Steinhuder Schulzentrums. Dieses nicht vorhandene Geld zusätzlich zu investieren ist ebenso unmöglich wie unsinnig. Und ein "Gottesgeschenk" wird es hier nicht geben. Nebenbei: Für die halbe Milliarde Ausbaukosten des Fliegerhorstes hätte man gut und gerne 30 Schulen sanieren, unmittelbar und mittelbar mehr Arbeitsplätze sichern können und ein Freibad hätte es noch obendrauf gegeben.
Wir bedauern die perspektivischen Schließungen der Schulen ausdrücklich. Doch wir haben keine Schuld für den demografischen Wandel. Die Ursache liegt ausgerechnet im immensen Wohlstand dieser Gesellschaft. Dass dieser inzwischen unanständig ungerecht verteilt wird, liegt auch nicht in unserer Schuld. Doch leider bleiben wir in der Verantwortung für die Folgen.
Aus der Not machen wir eine Tugend. Für "gute Schule für Alle" und v. a. "Gemeinsames Lernen für Alle", wie wir es wollen, müssen und wollen wir die Mittel konzentrieren. Daher stecken wir viel Kraft und Geld in den Ausbau der IGS. Daher haben wir sogar der evangelischen Trägerschaft zugestimmt; wir wollten eine Oberstufe und eine verbindliche Ganztagsschule und bekommen sie. Daher schaffen wir die Voraussetzungen, dass Real- und Hauptschule nicht weiter marginalisiert werden.
Vielleicht erfüllt das Schulzentrum in der Barne die Voraussetzungen für eine weitere, dieses Mal öffentlich getragene IGS; es sollte uns recht sein. Daher lassen wir das oft selbstgerechte Hölty-Gymnasium nicht im Stich und wünschen ihm frischen Wind. Eine öffentliche alimentierte "kuschelige" Inselschule hat sicher für dann wenige Auserwählte ihren Charme, trägt unter den heutigen Bedingungen aber kaum zum Allgemeinwohl bei."