Oerlinghausen (kd). Sie sind klein, rund und wirken eher unscheinbar, besitzen jedoch einen lang anhaltenden und durchdringenden Ton. Einen Satz dieser Bronzescheiben – sie werden Crotales oder antike Zimbeln genannt – hat das Ensemble "Bi-Cussion" jetzt dank einer Spende erhalten.
Den Ankauf hat die Familie-Osthushenrich-Stiftung in Gütersloh möglich gemacht. Sie fördert Projekte für Kinder und Jugendliche. Bereits vor zwei Jahren hat die Stiftung eine Marimba für "Bi-Cussion" finanziell unterstützt. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht und daher gern 1.500 Euro gespendet", sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Dr. Burghard Lehmann. Die noch fehlenden 500 Euro stellte der Musikverein Oerlinghausen zur Verfügung. "Je mehr Instrumente auf der Bühne stehen, desto klangreicher", stellte Alfons Haselhorst, Vorsitzender des Musikvereins, fest. Im Namen von "Bi-Cussion" bedankte sich der Leiter des Ensembles, Jörg Prignitz, bei beiden Spendern. "Dann brauchen wir die Crotales jetzt nicht mehr vom Bielefelder Theater auszuleihen", sagte er.
Anschließend trafen die kleinen Crotales in einem Konzert in der katholischen Kirche St. Michael auf das größte Instrument: Vor 120 Zuhörer traten sieben Ensembles von "Bi-Cussion" sowie Ulrike und Alfons Haselhorst an der Orgel auf. Neben der vorhandenen, großen Orgel setzte Alfons Haselhorst für die geistlichen, meditativen Musikstücke des Komponisten Léon Boellmann ein digitales Instrument ein. Dank der Lautsprecher war ein Unterschied zwischen beiden Instrumenten kaum wahrnehmbar. Das Ehepaar Haselhorst hat seit 25 Jahren Erfahrungen mit dem vierhändigen Spiel. In diesem Konzert gelang es Alfons Haselhorst jedoch, mit nur neun Fingern zurecht zu kommen. Er hatte sich verletzt und ein Mittelfinger war dick verbunden.
Einen reizvollen Kontrast zu den ruhigen, verhaltenen Orgelwerken stellten die 19 jugendlichen "Bi-Cussion"-Mitglieder mit ihren Schlaginstrumenten dar. In der Komposition "Wake" zum Beispiel steigert sich die Trommel im Laufe des Stück immer mehr und wird ebenso lautstärker wie schneller. Aber auch zu zarten Tönen sind die jungen Percussionisten fähig. In "Trance" wird am Marimbaphon ein Geigenbogen eingesetzt, der hohe, glockenspielartige Klänge erzeugt. Das Stück "Trio-Mar" wiederum kommt elegant-fließend daher und lässt an einen perlenden Gebirgsbach denken.
Bei "Stubernic" bearbeiten die drei Instrumentalisten die Marimba von allen Seiten, was wie ein kleines Orchester klingt. Für das gute Zusammenspiel spendeten die Zuhörer besonders reichlich Applaus. Insgesamt bewegten sich die Jugendlichen bereits auf einem hohen Niveau, wie auch beim Stück "Blue Motion" deutlich wurde: Hier führt nicht nur jede Hand jeweils zwei Schlägel, auch die Füße werden benötigt, um die Becken zu betätigen. Insofern diente das Konzert in der Kirche auch zur Vorbereitung auf die anstehenden Wettbewerbe "Jugend musiziert". Hier nehmen die "Bi-Cussion"-Ensembles bereits seit Jahren – auch auf Landes- und Bundesebene erfolgreich teil.