Kreis Lippe (nok). Lange waren sie ein wertvolles, wenn nicht gar das einzige zuverlässige Warnsystem für die Bevölkerung. Im Zeitalter der elektronischen Medien verloren die Sirenen auch in ländlich strukturierten Gebieten mehr und mehr ihre Bedeutung. Als auch die Freiwilligen Feuerwehren mit Funkmeldeempfängern ausgestattet waren, bauten viele Städte und Gemeinden die "heulenden Teller" ab. Mit dem Kreis Lippe kehrt nun einer der ersten Landkreise zum Sirenen-Warnsystem zurück. "Bei einer ernsthaften Gefahrenlage ist der durchdringende Heulton einer Sirene immer noch die wirkungsvollste Warnmögklichkeit", sagt Landrat Friedel Heuwinkel. Ausgeschaltete Radiogeräte oder der dezente Piepton eines Smartphones (Katastrophenwarsystem) werden eine mögliche Gefahrenlage beispielweise zu nächtlicher Stunde kaum in die Wohnungen der Menschen transportieren. Deshalb ist das in Lippe, teilweise noch vorhandene Warnsystem nach einem Erlass der Landesregierung modernisiert oder wieder aufgerüstet worden. So werden in Zukunft Großschadensereignissen oder bei Katastrophenlagen (Sturm, Hochwasser und anderem) wieder die Sirenen heulen. Insgesamt sorgen 142 stationäre (davon etwa 30 komplett neue Anlagen) und drei mobile Sirenenanlagen für eine flächendeckende Alarmierungsmöglichkeit. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Modernisierung als auch die Neuanschaffung von Anlagen in Lippe mit insgesamt rund 270.000 Euro gefördert. Mit der Rückkehr des Warnsystems wird es ab dem 4. Februar auch wieder einen im vierteljährlichen Rhythmus durchgeführten Probealarm geben.
Wenn also am Mittwoch, 4. Februar um 10 Uhr im gesamte Kreisgebiet die Sirenen heulen werden, dürfte das insbesondere bei vielen älteren Mitbürgern für beklemmende Gefühle sorgen. Der auf- und abschwellende Heulton war in der Kriegszeit die Warnung vor Luftangriffen. Vor diesen möchte niemand mehr warnen, allerdings gibt es in der heutigen Zeit andere Gefahrenlagen. Es könnte eine Warnung vor einer starken Rauchenttwicklung, vor Hochwasser oder Sturm sein. "Ein mögliches Szenario könnte beispielsweise aber auch ein flächendeckender Stromausfall sein, wo von einem Moment zum nächsten alle gängigen Kommunikationsmittel unbrauchbar werden. Hier greift die flächendeckende Warnung der Bevölkerung durch die Sirenen, die zentral aus der Feuerwehrleitstelle angesteuert werden können und zum Teil sogar aufgrund einer Batteriepufferung bei Stromausfall funktionieren", erläutert Meinolf Haase, Leiter des Bevölkerungsschutzes beim Kreis Lippe.
Funktionieren kann das Sirenenwarnsystem allerdings nur, wenn die Bevölkerung über die verschiedenen Warntöne und Bedeutungen informiert und durch regelmäßige Probealarme sensibilisiert wird. Zu diesem Zweck hat der Kreis deshalb jetzt eine ausgedehnte Informationskampagne gestartet. So gilt es zwischen drei unterschiedlichen Sirenentönen zu unterscheiden: Der Warnung (eine Minute auf- und abschwellender Heulton), der Entwarnung (eine Minute Dauerheulton) sowie dem Einsatzton für Feuerwehreinsatzkräfte (1 Minute Heulton zweimal unterbrochen). Beim Warnton erhalten die Bürger weitere Informationen zur drohenden oder bestehenden Gefahr über das Lokalradio, das Katwarnsystem (näheres dazu unter www.lippeschutz.de" im Internet), über Lautsprecherdurchsagen oder über das Bürgertelefon (Rufnummer 05231 621000). Wie sich die Lipper bei Sirenenalarm verhalten sollen, darüber informiert ab sofort ein Informationsflyer, auf dem die wichtigsten Regeln und Maßnahmen anschaulich beschrieben werden. Alle Lipper finden die Mini-Broschüre in den nächsten Tagen in ihrem Briefkasten. "Es ist ungemein wichtig, dass alle Bürgerinnen und Bürger im Notfall wissen, was die jeweilige Alarmierung bedeutet und wie sie sich verhalten sollen. Nur so kann es uns im Ernstfall gelingen, optimal auf das jeweilige Bedrohungsszenario zu reagieren", sagt Landrat Friedel Heuwinkel.
Vor diesem Hintergrund wird es immer am ersten Mittwoch im zweiten Monat des Quartals, jeweils um 10 Uhr, Probealarmierungen geben. Die Termine sind: 4. Februar, 6. Mai, 5. August und 4. November. Die Sirenenübungen werden vorher rechtzeitig angekündigt. Weitere Informationen zu den Warnungen im Gefahrenfall gibt es ebenfalls im Internet unter "www.lippeschutz.de/warnungen".