Horn-Bad Meinberg (cp). Vor so viel Publikum beraten sich die Horn-Bad Meinberger Lokalpolitiker selten: Das Thema Grundschulstandort Belle hat für einen vollen Rathaussaal gesorgt. Eine Entscheidung fällte der Schulausschuss allerdings noch nicht.
"Politik und Verwaltung haben sich stets für die Grundschule Belle eingesetzt. Wir sind bereit, den Standort zu erhalten", stellte Vorsitzender Ralf Leßmann gleich zu Beginn der Sitzung klar. Die Diskussion habe nichts mit finanziellen Aspekten zu tun. "Der demografische Wandel holt uns hier ein. Es geht um die Schülerzahlen."
Wie berichtet, sind in Belle für das kommende Schuljahr nur elf Erstklässler angemeldet worden. Problematisch wird das, wenn diese Schüler in die dritte Klasse kommen: Dann könnte die vorgeschriebene Klassengröße nur durch jahrgangsübergreifenden Unterricht in den Klassen 3 und 4 erreicht werden. Die Klassen 1 und 2 werden in Belle bereits gemeinsam unterrichtet.
Für einige Irritationen hatte im Vorfeld ein Fehler in der Sitzungsvorlage gesorgt: Demzufolge hätte Belle bereits zum kommenden Schuljahr den jahrgangsübergreifenden Unterricht in den Klassen 3 und 4 einrichten müssen. Aufgrund der geringen Vorbereitungszeit hatte das Lehrerkollegium auf diesen Vorschlag ablehnend reagiert. Tatsächlich müsste dasneue Unterrichtsmodell aber erst im Sommer 2016 starten, wie Rainer Brenke von der Bezirksregierung Detmold aufklärte.
"Dadurch hat sich auch für uns die Situation geändert. Wir sprechen nun von einem viel längeren Zeitrahmen", sagte Schulleiterin Karolin Ellermann. Erfahrungswerte zum jahrgangsübergreifenden Unterricht in 3 und 4 gibt es bislang allerings kaum, nur sehr wenige Grundschulen praktizieren dieses Unterrichtsmodell. Zudem bleibe ein Gedanke, so Ellermann: "Wie lange bleibt uns durch die neue Konzeption?" Sie will nun noch einmal Gespräche mit Eltern und Kollegen führen.
Auch die Eltern erhielten in einer Sitzungspause das Wort. "Wir sind uns der Problematik des demografischen Wandels bewusst", sagte Christine Stuckemeier. Sie hob die gute pädagogische Arbeit und die familiäre Atmosphäre als Stärken des Grundschulstandortes hervor. Viele Eltern seien zudem auf die Nachmittagsbetreuung angewiesen.
Alle Beteiligten sahen noch Beratungsbedarf. Etwa zwei Monate bleiben den Horn-Bad Meinbergern, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dann muss eine Entscheidung zur künftigen Konzeption fallen.
Schulrat Wilfried Starke (Kreis Lippe) bat, bei allen Überlegungen die zukünftige Entwicklung im Auge zu behalten: Werden 2015 noch 137 Kinder in Horn-Bad Meinberg eingeschult, seien es 2020 voraussichtlich nur noch 103 – ein Rückgang von nahezu 25 Prozent.