1. Lob von allen Seiten für lokale Proteste

    Einigkeit bei den Parteien: Vollverkabelung für "Suedlink"-Trasse gefordert / Bevölkerung soll Informationen geben

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    LANDKREIS (al). Nur Stunden nach dem Informationsabend zu den "Suedlink"-Plänen des Netzbetreibers Tennet mit einer möglichen Freileitung über Teile des Schaumburger Lands haben sich die hiesigen Parlamentarier von CDU und SPD sowie der Grünen-Kreisverband zu Wort gemeldet. Zwischen ihnen besteht Einigkeit: Sie fordern die völlige Verkabelung der geplanten Stromstrecke von Nord nach Süd. Zugleich gab es viel Lob für die lokalen Proteste, für die Veranstaltung im Lauenauer Sägewerk und für die eindeutige Haltung des Landkreises.

    Sichtlich erstaunt zeigte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann über die große Publikumskulisse: "Dieses Thema hat wirklich einen Nerv getroffen", urteilte er über die 600 Anwesenden. Beermann bewegen vor allem die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen sowie die Frage, warum überhaupt das dicht besiedelte Schaumburg für eine Freileitung infrage komme. Nach eigenen Angaben befindet sich Beermann in Kontakt mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur. Der Abgeordnete sieht in der Behörde einen "kritischen Partner an unserer Seite". Deshalb forderte er die Bevölkerung auf, am weiteren Entscheidungsverfahren mitzuwirken. Dazu müsse niemand Experte sein: Viele interessante und wichtige Informationen aus dem Schaumburger Land seien in keinem Dokument verzeichnet. Abschließend betont Beermann, dass im Bundestag insbesondere zum Thema Erdverkabelung intensiv "nachgearbeitet" werde mit dem Ziel einer "Öffnungsklausel" für diese Alternative.

    Der Schaumburger SPD-Landtagsabgeordnete Karsten Becker sieht keine "überzeugende Begründung" für eine weitere Stromtrasse durch Schaumburg und verlangt eine Prüfung aller möglichen großräumigen Trassenkorridore durch Deutschland und nicht nur die im Tennet-Vorschlag. Er unterstütze die lokalen Proteste in den betroffenen Regionen und lobte zugleich das "engagierte Eintreten von Landrat Jörg Farr gemeinsam mit den Landräten 17 weiterer betroffener Landkreise". Ausdrücklich zu begrüßen sei die im jüngst vorgelegten Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums vorgesehene Möglichkeit, Erdverkabelungen auch aus Gründen des Naturschutzes zuzulassen. Eine Annäherung an Wohngebiete kann so vermieden werden, da eine Querung von Naturschutzgebieten dadurch möglich wird.

    Der Vorstand des Schaumburger Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen würde eine "Suedlink"-Trasse durch Schaumburg im Rahmen der Energiewende unterstützen – "aber nur als durchgehende Erdverkabelung und nur mit breiter Bürgerbeteiligung", betonen die Vorsitzenden Bela Lange und Wilhelm Klusmeier. Es sei für sie nicht erkennbar, weshalb über eine Verschandelung von Natur und Landschaft mit kirchturmhohen Gittermasten nur nachgedacht und dies auch noch in ein Gesetz gegossen worden sei.

    Das Kostenargument halten die Grünen für nicht ausreichend, da es Fachfirmen gebe, die Erdverkabelung und Freitrasse in etwa gleich teuer sehen. Schließlich seien auch unterirdische Strom-, Wasser- und sogar Gasleitungen in Deutschland üblich. Für die Proteste der Bevölkerung zeigen Lange und Klusmeier Verständnis: Es gebe schließlich keine Mess- und Erfahrungswerte für den Einfluss auf Mensch und Tier im Bereich einer solchen Stromautobahn. Auch stelle die Mastenbauweise ein hohes Sicherheitsrisiko durch Orkane, Umwelteinflüsse oder gar terroristische Angriffe dar. Foto: al

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