Ein breites Bündnis aus politischen Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Medien hatte zur Demo aufgerufen. Vom Kronenplatz aus marschierte die Menge zur Kundgebung auf dem Markplatz, einige hielten Plakate hoch mit der Aufschrift "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie"). Diese Form der Solidaritätsbekundung hatte sich kurz nach dem Anschlag in Paris in sozialen Netzwerken im Internet etabliert.
Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit, die Freiheit der Kunst – das alles seien keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssten tagtäglich gelebt und verteidigt werden, so der Tenor aller Redner. Zudem gelte es, Populisten entgegenzutreten, die die grausamen Taten als Bestätigung von Ressentiments, etwa gegenüber Flüchtlingen oder gegenüber dem Islam, missbrauchen wollen.
Die Anschläge dürften nicht der Anlass sein, "dass wir Muslime unter Generalverdacht gestellt werden", mahnte Nihat Köse vom islamischen Kommunikationszentrum in Detmold. "Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft", so Köse weiter, die Terroristen zielten auf die Spaltung derselben. Den radikalen Islamisten und Terroristen rief er zu: "Ihr seid eine Schande für den Islam und den Propheten!"
Karikaturen wie die in "Charlie Hebdo" hätten eine lange Tradition in Europa, für Muslime sei das oft nur schwer zu verstehen. Aber, so Köse: "Liebe Brüder, hier geht es nicht darum, uns zu beleidigen. Wir müssen lernen, mit so etwas klar zu kommen."
"Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden", zitierte Bürgermeister Rainer Heller Rosa Luxemburg. Er machte deutlich, dass jeder einzelne in der Verantwortung für unsere demokratischen Werte stehe. "Was ist das für ein Vorzug, in einer Gesellschaft zu leben, in der wir frei unsere Meinung sagen und unseren Glauben leben dürfen", fasste Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, zusammen, worum es dabei geht. Das erfordere tägliches Handeln und sich Einmischen, so Barbara Klaus, von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. "Unsere freie Gesellschaft sollten wir weiter zu einer Willkommensgesellschaft ausbauen", rief die stellvertretende Landrätin Kerstin Vieregge auf.
Es war ein starkes Zeichen, das die Menschen in Detmold gesetzt haben. Rainer Brinkmann (SPD), beendete die Kundgebung mit den Worten: "Sollten Intoleranz und Hass weiter zunehmen, werden wir uns hier wieder sehen!" Demonstration und Kundgebung verliefen nach Aussage der Polizei friedlich.
