Kreis. Lemgoer, Lagenser, Detmolder und weitere Lipper, darunter viele Jugendliche, reisten per Bus und Bahn am vergangenen Samstag zur fünften "Wir haben es satt!"-Demonstration nach Berlin. Ein Bündnis aus mehr als 80 Bauern-, Verbraucher-, Eine-Welt- sowie Tier- und Umweltschutzorganisationen hatte dazu aufgerufen.
Der lippische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ("Bund") hatte eine Bahnfahrt und einen Bus organisiert und konnte sich über rund 80 Teilnehmer freuen, die in der Hauptstadt auf die Straße gehen wollten. Sie gehörten zu zehntausenden Demonstranten, die anlässlich der Grünen Woche in Berlin für ein Umdenken in der Landwirtschaft demonstrierten. Während die Veranstalter von 50.000 Prostestierenden ausgehen, spricht die Polizei von etwa 20.000 Menschen.
Schon längst geht es bei der Demonstration nicht nur um Tierschutz. Das Risiko, dass durch das geplante und umstrittene Freihandelsabkommen TTIP mit den USA die Umweltstandards in Europa wieder abgesenkt werden und gentechnisch veränderte Produkte freien Zugang zum Markt erhalten war ein weiteres Thema. Auch die große Sorge, dass sich durch den jährlichen Einsatz von rund 1.700 Tonnen Antibiotika in der Massentierhaltung immer mehr multiresistente Keime verbreiten motivierte die Teilnehmer aus Lippe mit nach Berlin zu fahren. Das Wochenmagazin "Die Zeit" hatte jüngst berichtet, dass in den Krankenhäusern inzwischen jährlich geschätzte 7.500 bis 15.000 Menschen sterben, weil sie sich mit Keimen infizieren und Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken.
Willi Hennebrüder von der "Bund"-Ortsgruppe Lemgo hofft zwar, dass der Protest von der Politik wahrgenommen wird, befürchtet aber zugleich, dass die Lobbyarbeit der industriellen Landwirtschaft stärker ist.
Nicht zuletzt käme es, laut Hennebrüder, aber auf die Verbraucher an: Interessieren sie sich dafür, woher ihr Fleisch kommt oder wollen sie in erster Linie billiges Fleisch?
Willi Hennebrüder von der "Bund"-Ortsgruppe Lemgo verkündete bereits, dass der "Bund" Lippe auch im kommenden Jahr wieder Fahrten zur "Wir haben es satt!"-Demonstration organisieren werde und hofft auf noch mehr Teilnehmer aus Lippe.
