Nach genau 32 Jahren war der Hausmeister 2012 ausgeschieden. Er galt als beliebt bei den Kindern, auch wenn diese seine Autorität stets achteten. Umgekehrt hegte Bruns eine enorme Kinderliebe: Nächtelang kochte er in der Osterzeit Eier, damit jeder Schüler sich ein buntgefärbtes Exemplar aus dem großen Nest in der Pausenhalle nehmen konnte. Lange vor der politisch verordneten Schulobst-Aktion gewann er ein hiesiges Unternehmen, ihm Äpfel zur Verteilung zur Verfügung zu stellen. In seiner Freizeit galt sein ganzer Einsatz einem kirchlich geführten Heim für Kinder im polnischen Orzegow. Er bepackte seinen Kleinbus mit Kleidung und Spielwaren, später auch mit zahllosen anderen Hilfsgütern. Was das Waisenhaus nicht benötigte, wurde über die dortigen Schwestern in verarmte Familien verteilt. Ursprünglich seien es nur ein, zwei Fahrten pro Jahr gewesen, erinnert sich Mechthild Bruns: "Doch dann wurden es immer mehr." Zuletzt waren sie im November dort: "Es war meinem Mann ganz wichtig, dass die Spenden noch vor Weihnachten dorthin gebracht wurden."
Jetzt sitzt die Witwe allein da mit einigen Gegenständen und Textilien, die damals trotz Pkw-Anhänger aus Platzgründen zurückbleiben mussten. Noch fühlt sie sich nicht in der Lage, allein weiterzumachen. "Ich muss erst einmal eine Pause einlegen", bittet sie die regelmäßigen und gelegentlichen Spender, ihr vorerst nichts mehr zu liefern: "Wenn es wieder losgehen kann, melde ich mich." Sie will es gern, auch weil "trotz einiger Verkaufspaläste" in der von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Gegend immer noch große Armut herrsche. Wichtig wäre ihr auch eine tatkräftige Unterstützung. Allein wolle sie sich nicht so gern auf den weiten Weg machen. Zwischen Orzegow und Lauenau liegen 800 Kilometer. Foto: al
