RODENBERG (pd). Wie können wir den Flüchtlingen, die in dieser Region ankommen, sinnvoll bei der Eingliederung helfen? Diese Frage beschäftigte die Teilnehmer einer großen Runde im "Backhaus Aktiv". Das "Bündnis für Demokratie" (BüRo) hatte zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Präventionsrat Nenndorf/Rodenberg, der Stadt Rodenberg und dem Interkulturellen Frauenkreis (IFK) dieses Treffen initiiert. In der Runde saßen auch andere interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Nach letzten Zahlen der AWO leben derzeit 21 Asylbewerber in Rodenberg. Vier von ihnen kommen aus Palästina, 17 aus Albanien. Neben einem Alleinstehenden handelt es sich bei den anderen Personen um Familien mit Kindern im Alter zwischen einem und 13 Jahren. Keiner von ihnen beherrscht die deutsche Sprache. Nach Auskunft einer AWO-Mitarbeiterin sind die erwachsenen Flüchtlinge sich durchaus bewusst, wie wichtig Deutschkenntnisse sind und fragen daher auch nach Möglichkeiten, Sprachunterricht zu bekommen. Ein Problem sei, dass unter den Asylbewerbern einige vermutlich Analphabeten sind. Wie Uwe Märtens vom Aktionsbündnis "BüRo" in einer Pressemitteilung über das Treffen betont, baut auch das Schulsystem Hürden für eine Erfolg versprechende Schullaufbahn junger Flüchtlinge auf. Denn die Kinder würden nicht nach ihren Fähigkeiten in die Klassen eingegliedert, sondern nach dem Alter. Ein 13-Jähriger, der kein Wort Deutsch spricht, sei in einer sechsten oder siebten Klasse einfach überfordert und würde schnell "abschalten", weil die Lernerfolge ausbleiben. Aus dem Kreis heraus signalisierte ein pensionierter Lehrer die Bereitschaft, den Flüchtlingen Deutsch beibringen zu wollen. "Eventuell haben wir auch noch eine zweite Lehrkraft, die uns neben ihrer Arbeit an einer Berufsschule unterstützen möchte", so der "BüRo"-Sprecher weiter. Weitere Unterstützer, die ehrenamtlich helfen wollen, werden dringend gesucht. Ansprechpartner sind Martina Böhm, Telefon 05723/3367 und Uwe Märtens, Telefon 05723/740080, oder E-Mail U.Maertens@web.de.
Das Bündnis und der IFK bemühen sich darüber hinaus, durch Sachspenden oder über Sammlungen die Lehrkräfte mit dem notwendigen Material auszustatten. Dazu gehören Bücher, Schulhefte und Stifte. Gesucht werden auch gebrauchte und intakte Spiele, die selbsterklärend sind und kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Gut geeignet sind einfache Puzzles, Memory-Spiele oder Malbücher für die Jüngsten. Am Dienstag, 16. Dezember, trifft sich die Gruppe der Ehrenamtlichen um 16 Uhr im "Backhaus Aktiv", um die Flüchtlinge zu begrüßen. "Über den Besuch von weiteren interessierten Unterstützern, die auch als Hausaufgabenhilfe zum Einsatz kommen möchte, freuen wir uns sehr", führt Märtens weiter aus.