POHLE (al). Der bereits vorab formulierte Pohler Protest (SW berichtete) gegen den Bau einer "Höchstspannungsleitung" nimmt konkrete Formen an. Der Rat der Gemeinde verabschiedete eine Resolution. Die Initiatorinnen Ute Hübner und Susanne Fischer stellten eine "Interessengemeinschaft contra Suedlink – Tennet" vor. In einer Bürgerversammlung am morgigen Donnerstag, 11. Dezember, um 19 Uhr im Gasthaus Homberg soll das weitere Vorgehen besprochen werden.
Bürgermeister Jörg Hupe (CDU) beklagte mit Nachdruck, dass mit den gegenwärtigen Trassenüberlegungen die den Gemeinden obliegende Planungshoheit beeinträchtige. "Wir lehnen Suedlink entschieden ab", zitierte er aus einem vorgefertigten Schreiben, weil sie Ängste schüre, Landschaftsschutzgebiete berühre und dicht besiedeltes Gebiet streife.
"Wir haben schon eine Hochspannungsleitung", beklagte Eberhard Hasler (CDU) und übte zugleich Kritik an Nachbargemeinden, von denen er mehr Unterstützung erwarte. Hupe erwiderte indes, dort sei das Thema bislang nur vertagt worden, weil der Landkreis nähere Informationen zur Verfügung stellen wolle.
Hans-Werner Kühnel (SPD) teilte die Bedenken der Bevölkerung wegen gesundheitlicher Gefahren. Allerdings sollte jeder auch mal im eigenen Schlafzimmer prüfen, welche elektronischen Geräte dort Schaden anrichten könnten: "Ich schließe mich da nicht aus."
Für die Interessengemeinschaft ergriff Sprecherin Ute Hübner das Wort und teilte den Zuhörern im bis auf den letzten Platz besetzten Klubzimmer des Dorfgasthauses ihre Sorgen mit. Sie habe Angst vor möglichen Krankheiten der Kinder und sehe einen Wertverlust der Häuser. "Jeder von uns ist betroffen", forderte sie eine breite Unterstützung ihrer Initiative: "Jeder soll seine Meinung äußern und etwas gegen das Projekt unternehmen."
Unterdessen sind bereits Flugblätter und Plakate verteilt worden, die über die bis zu 80 Meter hohen Masten und einer 70 Meter breiten Trasse informieren. Das Schreiben erinnert auch an den Koalitionsvertrag der CDU/SPD-Bundesregierung, nach der solche Leitungen "nur mit Einverständnis der Bürger gebaut werden" dürften sowie an die Festlegungen der Bundesnetzagentur, dass Stromtrassen "nicht an Schulen, Kindergärten und Kliniken vorbeiführen" dürfen. Zugleich werden "offene Fragen" gestellt zur Luftbelastung, Auswirkungen auf die Umwelt, Einflüsse auf Herzschrittmacher und Hörgeräte sowie zu gesundheitlichen Risiken und Folgen. Foto: al
