Augustdorf (rto). Exakt sechs Monate nach seinem Sommerkonzert hat sich der Gemischte Chor "Erika” am Samstag von der Bühne der heimischen Chöre verabschiedet. "126 Jahre nach seiner Gründung gibt es für den Chor keine Zukunft mehr", sagt der letzte Vorsitzende des Chors Arnold Horning. Er war jetzt 11 Jahre Vorsitzender der Chorgemeinschaft.
Noch im Sommer zum traditionellen Sommerkonzert war Arnold Horning eher optimistisch. Doch jetzt, zum Jahresende, ziehen er und sein Verein den Schlussstrich. Von den rund 35 Mitgliedern des Chores sind nur noch 17 aktiv.
Davon werden zum Jahresende weitere den Chor aus Altersgründen verlassen. "Der rapide Mitgliederschwund der vergangenen Jahre durch Wegzug, gesundheitliche Probleme und nicht zuletzt den Tod einiger Vereinsmitglieder haben uns dazu bewogen, den Schritt zur Auflösung zu gehen", sagt der Vorsitzende. Nach Rücksprache mit dem Präsidenten des Lippischen Sängerbundes löst sich der Verein zum Jahresende auf. Die Mitgliedschaft dort ist bereits gekündigt, der Austrag aus dem Vereinsregister für den Jahresanfang geplant.
Doch zunächst stand das Adventskonzert der Chorgemeinschaft in der Alten Dorfkirche auf dem Programm, zu dem Hartmut Roestel, als Vertreter aus dem Vorstand des Sängerbundes gekommen war. Unterstützt von Larissa Heidebrecht am Klavier und der Sopranistin Anna Katarina Tilch, erwartete auf die Gäste in der vollbesetzten Kirche ein rund zweistündiges Weihnachtskonzert.
Mit einem umfangreichen Repertoire kirchlicher Lieder, die im Wechsel zwischen dem Chor und den beiden Sopranistinnen die Kirche musikalisch füllten, erfreuten die Gastgeber zum letzen Mal ihre Zuhörer. Besonders die Sopran-Stimmen von Anna Katarina Tilch und Erika Brause sorgten dabei für einen würdigen Abschluss und durchdrangen hell und klar den Veranstaltungsort. Ihr vorgetragener "Psalm 95” von Friedrich Mendelssohn Bartholdy oder das "Ave Maria” von Johann Sebastian Bach ließen eine festliche, aber auch traurige Stimmung aufkommen.
Diese hatte der Vorsitzende zu Beginn mit seiner Begrüßung versucht zu unterdrücken. Freundlich ja, locker begrüßte er die zahlreichen Gäste. Nur einmal vernahm man in seinen Worten doch ein bisschen Wehmut, denn hat mit dem letzten Adventkonzert hat die Chorgemeinschaft "Erika” ihren Singbetrieb eingestellt und ein Stück gelebte Gemeinschaft und Kultur in Augustdorf sein Ende gefunden. Das restliche Vereinsvermögen soll nach dem Willen der Mitglieder an gemeinnützige Einrichtungen in Augustdorf gehen.
Die Chorgemeinschaft wird sich bei einem gemeinsamen Fest am 15. Dezember zum letzten Mal in dieser Form treffen. Dann geht für so manches Mitglied eine vierzig- oder sogar fünfzigjährige Gemeinschaft zu Ende. Elisabeth und Horst Drescher aus Schlagen müssen sich dann ebenfalls für ihren Montagabend etwas Neues einfallen lassen. "Sie waren seit 15 Jahren jeden Montag bei Wind und Wetter zum Proben gekommen", sagt Arnold Horning. "Vielleicht", so überlegt er abschließend: "Vielleicht treffen sich ja später noch die Einen oder Anderen zum gemütlichen Beisammensein und trällern ein Liedchen." So ganz ohne Singen kann er sich das Leben nicht vorstellen.
