Horn-Bad Meinberg (cp). Seit der vergangenen Woche liegt der Masterplan für Bad Meinberg auf dem Tisch – mehr als 100 Seiten mit konkreten Ansätzen, wie das Staatsbad wieder in die Erfolgsspur gebracht werden kann. Für Investitionen und laufende Kosten ist jedoch Kapital in Millionenhöhe nötig. Damit der Masterplan künftig nicht als Staubfänger in der Schublade verschwindet, sucht die Stadt nun erneut nach einem privaten Investor, der den Kurbetrieb übernimmt.
Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat am vergangenen Donnerstagabend dem Vorstoß von Bürgermeister Eberhard Block zugestimmt, das Umsetzungsmanagement für den Masterplan und das Kurortmanagement auszuschreiben – und das, obwohl die bereits erfolgte gemeinsame Ausschreibung mit dem Landesverband Lippe (LVL) erfolglos verlaufen war. Es habe durchaus Interessenten gegeben; gescheitert sei die Suche dann aber an der Forderung des Landesverbandes, seine Immobilien mitzuveräußern, zeigte sich Block überzeugt. Die neue Ausschreibung erfolgt jetzt unabhängig von den Immobilien, deren Vermarktung der LVL derzeit intensiv vorantreibt. Für das Ballhaus ist bereits eine Nutzung in Aussicht. "Wir wollen keine Chance vertun, Bad Meinberg nicht nur als Kurort zu erhalten, sondern weiterzuentwickeln", appellierte Block an die Ratsmitglieder. Finanziert wird die Ausschreibung mit Restmitteln der vorherigen Ausschreibung. Mit Ergebnissen der Investor-Suche rechnet Block etwa Ende Januar. "Falls wir nicht erfolgreich sind, haben wir wenigstens nichts unversucht gelassen", erklärte er.
Der Fortbestand des Kurortes wird in jedem Fall durch die Stadt abgesichert. Ihre Tochtergesellschaft "Neue Staatsbad GmbH" übernimmt die Gästebetreuung sowie die Ausgabe eines Heilmittels, um den Status als Kurort beizubehalten. Die Verhandlungen mit dem Landesverband zu einem Grundlagenvertrag laufen.
Die traditionellen Meinberger Heilmittel wie das Moor und die Kohlensäure- und Mineralquellen spielen künftig nur eine untergeordnete Rolle, verdeutlichte "Project M"-Geschäftsführer Andreas Lorenz bei der Vorstellung der Masterplan-Ergebnisse im Kurgastzentrum. Die Zeiten der klassischen Badekur sind vorüber. Stattdessen soll Bad Meinberg auf Gesundheitstourismus setzen und Potenziale wie Landschaft und medizinische Angebote nutzen.
Als Zielgruppe peilt das Konzept vor allem Best Ager und Senioren an, die etwas für ihr Wohlbefinden tun wollen und dafür selbst zahlen. Auch Patienten mit Diagnose bleiben im Fokus. Zunächst muss das Staatsbad aber etwas für sein Image tun. Noch könne der Gast wenig mit Bad Meinberg anfangen, dem Ort mangele es an Profil und Bekanntheit. Künftig soll sich Meinberg als Ort der Harmonie und Lebensfreude platzieren und auf die Erlebniswelten Entspannung, Bewegung und Orientierung setzen. Veränderungen sind laut Lorenz aber auch bei der Infrastruktur unerlässlich. "Project M" schlägt unter anderem vor, die Kurverwaltung zur zentralen Anlauf- und Servicestelle umzubauen, das Kurgastzentrum als multifunktionales Veranstaltungszentrum zu nutzen, Wanderwege instandzusetzen und die Qualität der Beherbergungsbetriebe zu verbessern.
"Ich halte den Masterplan für schlüssig. Er hätte nur eher kommen müssen. Wir haben zu lange auf das falsche Pferd gesetzt", kommentierte Block die Ergebnisse. "Jetzt haben wir eine theoretische Grundlage, die umgesetzt werden muss." Berater Lorenz plädierte dabei ebenfalls für ein Umsetzungsmangement: "Es gibt viel zu tun. Das kann man nicht mal eben ‚nebenbei‘ machen."
