Was hat das Leben in Rehburg-Loccum im Jahr 2013 bestimmt? Welche Ziele sollen in 2014 verwirklicht werden? Zum Jahresende hat Bürgermeister Martin Franke dem Stadtanzeiger Rede und Antwort gestanden.
WS: Herr Franke, was wird Ihnen aus dem Jahr 2013 – aus dem ersten vollständigen Jahr, in dem Sie Bürgermeister Rehburg-Loccums sind – in Erinnerung bleiben?
Franke: Nun, das ist natürlich das Jubiläum des Klosters Loccum mit seinen vielen Veranstaltungen – und vor allem mit den vielen Gästen und Touristen, die dadurch auf unsere Stadt aufmerksam geworden sind.
Davon versprechen wir uns auch für die folgenden Jahre nachhaltige Effekte: viele weitere Menschen, die das Kloster besuchen werden, die aber ebenso auch auf andere Attraktionen in unserer Stadt und der näheren Umgebung aufmerksam geworden sind und diese entdecken können.
WS: Inwiefern bereitet sich die Stadt darauf vor, künftig im Tourismus eine größere Rolle zu spielen?
Franke: Da ist zum einen die Tourist-Info im Torhaus des Klosters. Wir haben vor wenigen Wochen beschlossen, uns weiterhin finanziell daran zu beteiligen.
Außerdem bekommen wir Anfang 2014 ein zweites Hotel in Rehburg-Loccum. Nachdem die vorbereitenden Planungen für eine Nachfolgenutzung des Gebäudes in Bad Rehburg bereits 2006 begannen, ist es nun nahezu fertig gestellt. Vor wenigen Wochen habe ich das Musterzimmer angesehen, in den oberen Stockwerken arbeiten schon die Maler – das wird nicht mehr lange dauern. Und gerade in diesem Jahr haben wir festgestellt, wie notwendig ein weiterer Hotelbetrieb ist. Viele Gäste wären gerne für zwei oder drei Tage geblieben. Die vorhandenen Kapazitäten konnten den Bedarf aber nicht decken, so dass etliche Gäste auf Nachbar-Orte ausweichen mussten oder gar früher wieder abreisen mussten, als geplant.
WS: Bad Rehburg ist ein weiteres Stichwort: die ‚Romantik Bad Rehburg’, das Kulturzentrum der Stadt, besteht nun seit zehn Jahren. Kürzlich sind Stimmen im Rat laut geworden, dass über die Dauerausstellung dort, über den Betrieb oder die Anlage nachgedacht werden müsse.
Franke: Das ist richtig. Aus diesem Grund werden wir auch einen Arbeitskreis aus Vertretern der Verwaltung, des Kulturausschusses, des Fördervereins der Anlage und anderen Beteiligten gründen. Er soll sich damit befassen, inwieweit die Dauerausstellung – unser Sorgenkind – noch aktuell ist, ob dort etwas verändert oder ganz und gar auf neue Füße gestellt werden sollte.
Ein Wunsch von mir in diesem Zusammenhang ist auch, dass das Promenieren in Bad Rehburg wieder mehr thematisiert und weniger von Zufällen abhängig wird. Viele der alten Promenaden, die in der Zeit der Romantik entstanden sind, können nur bei besserem Wetter begangen werden oder wenn die Forstwirtschaft gerade in diesem Bereich nicht gearbeitet hat. Dafür suchen wir nach Lösungen. Eines sollte bei allen Überlegungen aber klar sein: die ‚Romantik Bad Rehburg’ bedeutet einen enormen Imagegewinn für unsere Stadt und ist in touristischer und kultureller Hinsicht ein überregional beachtetes Juwel.
WS: Das Stadtbild hat sich in 2013 im wahrsten Sinn des Wortes sehr geändert und wird auch in 2014 noch mehr Veränderungen erfahren. Insbesondere in Rehburg wird an vielen Stellen umfangreich gebaut. Hinter dem ‚Uhrturm’ entsteht ein Supermarkt, dem ein landwirtschaftlicher Betrieb gewichen ist, die ‚frischli-Milchwerke’ bauen in nicht zu übersehbaren Dimensionen und Sie blicken derzeit direkt von Ihrem Arbeitszimmer auf die Abbrucharbeiten des so genannten ‚Suerschen Hauses’ im Rehburger Ortskern. Woher kommt diese Ballung von Bautätigkeit?
Franke: So viel wird hier gebaut? (Lacht.) Das erscheint im Moment schon gewaltig – und ist sicherlich auch ein gutes Zeichen. Aber fangen wir doch einfach mit dem ‚Suerschen Haus’ an. Das Gebäude liegt, wie Sie schon sagten, direkt dem Rathaus gegenüber, hat also eine sehr exponierte Lage im Ortskern mit Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Hallenbad, Kirche, Ärzten und anderem, die fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen sind. Wir haben versucht das Haus zu vermarkten und stellen uns vor, dass eine kombinierte Wohn- und Geschäftsnutzung optimal ist. Bisher hat das leider nicht geklappt, aber bisher hatten wir auch immer im Blick, dass das Wohnhaus noch genutzt werden kann. Nach einigen Jahren Leerstand ist es aber nun so marode, dass es nicht mehr sanierungsfähig ist und wir es abreißen müssen. Mit dem aufgeräumten Grundstück sind wir dann sehr optimistisch, auch einen Nutzer zu finden, der ein tragfähiges Konzept hat, das gut in diesen Ortskern passt.
Dass die Milchwerke in nicht zu übersehenden Dimensionen bauen, ist sicherlich richtig, obwohl die Halle, die momentan direkt an der Durchgangsstraße durch Rehburg entsteht, nur ein Bauabschnitt ist. Im kommenden Jahr wird schließlich noch die Trocknungsanlage gebaut, die mit einer Höhe von 45 Metern den bisher höchsten Punkt des Unternehmens um gute 20 Meter überragen wird. Das wird die Silhouette von Rehburg nachhaltig verändern. Diese Entscheidung des Rates für die Genehmigung der Anlagen ist auch eine Standortentscheidung. Mehr Arbeitsplätze entstehen durch die Erweiterung des Werkes und die vorhandenen Arbeitsplätze werden gesichert. Das stärkt Rehburg-Loccum als Wirtschaftsstandort.
In Kombination mit dem Abbruch des Bauernhofs hinter dem Uhrturm fallen die Baumaßnahmen in Rehburg sicherlich sehr ins Auge. Aber auch an diesem Standort wurde bereits seit vielen Jahren darüber nachgedacht, den landwirtschaftlichen Betrieb in den Außenbereich zu verlegen und ihm dort eine Entwicklungsperspektive zu verschaffen, denn der mit der Zeit gewachsene Betrieb lag mitten im Ort und war von daher städtebaulich auch nicht unproblematisch. Das Ansinnen, das Grundstück stattdessen mit einem Einzelhandelsmarkt zu bebauen passte gut dazu und kommt nun endlich in die Realisierung. Dass nun drei Baustellen quasi ‚in Reihe’ in der Ortsdurchfahrt Rehburg sind, ist mehr ein Zufall.
WS: Der Straßenausbau von drei Straßen in Loccum hat zu erheblichen Diskussionen mit den Anliegern geführt. Wie beurteilen Sie im nach hinein diese Maßnahme?
Franke: In Anbetracht der Kürze der Zeit – wir wollten etwas überraschend doch noch bewilligte Dorferneuerungsmittel sichern– meinten wir Anfang 2013, dass wir in den Gremien ein verkürztes Verfahren durchführen könnten. Bei anderen ähnlichen Straßenausbauten hatten wir stets ein zweistufiges Verfahren praktiziert, bei dem nach einer ersten grundsätzlichen Befassung durch den Rat vor dessen abschließender Beschlussfassung eine detaillierte Anliegerbeteiligung stattfand. Durch das vor dem Hintergrund des seinerzeit anzunehmenden Zeitdruckes (der sich im Nachgang abwenden ließ) gestraffte Verfahren gewannen die Anwohner allerdings den Eindruck, dass sie bei den Planungen übergangen werden. Das hat zu vielerlei Diskussionen geführt, wir haben intensiv miteinander geredet und auch an verschiedenen Stellen einvernehmliche Lösungen gefunden. Viele der Anwohner sind mittlerweile mit dem Ausbau zufrieden und bestätigen uns das auch. Zuletzt ist noch über unsere Straßenausbaubeitragssatzung geredet worden, da an den betroffenen Straßen viele Eckgrundstücke mit doppelter Veranlagung liegen. Vermutlich werden wir im kommenden Jahr in den politischen Gremien noch einmal verschiedene Möglichkeiten zu diesem Thema durchgehen.
WS: Eingangs haben Sie das Kloster-Jubiläum als das zentrale Ereignis genannt, das Ihnen aus 2013 in Erinnerung bleiben wird. Fallen Ihnen noch andere Dinge ein?
Franke: Aber sicher doch! Eine sehr positive Erfahrung in 2013 war für mich die Arbeit im REM, dem Regionalen Entwicklungs-Management Mitte Niedersachsen. Obwohl wir dort eigentlich in einer Randlage der beteiligten Kommunen liegen, haben wir eine Menge erreichen können. Ich erinnere nur an die Konzepte zu mehr Mobilität in unseren ländlichen Räumen. Mit unserem Schwimmbadbus, der aus ehrenamtlichem Engagement und mit der Nutzung von Fahrzeugen der Feuerwehr und des ASB Rehburg gefahren ist, haben wir einen Versuch gestartet. Darauf wird aufgebaut – und wir haben noch eine Menge Ideen dazu für 2014. Ich denke, wir werden nicht umhinkommen, die in Folge der eingetretenen oder aber absehbaren demografischen Entwicklungen zu erwartenden Veränderungen in unserer infrastrukturellen Ausstattung zunehmend im Zusammenwirken mit unseren Nachbarn anzugehen, also interkommunal zu denken. Und das anfangs etwas fremde REM, welches sich ja bis in die Landkreise Diepholz und Verden hinein erstreckt, hat sich als arbeitsfähig und ergebnisorientiert erwiesen. Das wird uns auch durch die landes- und bundesweite Resonanz bestätigt.
Und was noch aus 2013 hängen bleibt – man ist versucht zu sagen, wie eigentlich jedes Jahr, ist das große ehrenamtliche Engagement der Menschen in Rehburg-Loccum! Ganz vieles von dem, was unsere Stadt lebens- und liebenswert macht, ist nur deshalb möglich, weil Menschen sich einer Aufgabe annehmen, ein Problem aufgreifen und helfen, wo Hilfe benötigt wird. Diese Menschen rufen nicht nach Stadt oder Staat, sondern sie schreiten selbst zur Tat und tun Gutes! Das kann man nicht oft genug betonen und man kann nicht oft genug dafür danken. Jetzt will ich der Versuchung widerstehen, Einzelne beispielhaft zu nennen, denn das würde vielleicht eine "Rangfolge" vermuten lassen. Die gibt es aber nicht und alle an dieser Stelle zu nennen, ist auch nicht möglich. Daher mein etwas pauschaler Dank an alle, die Kraft, Zeit und oft auch finanzielle Mittel aufgebracht haben, um ehrenamtlich in unserer Stadt tätig zu sein.
WS: Haben Sie noch weitere vorrangige Ziele für 2014?
Franke: Ja. Wir wollen in 2014 den Bürgerbeteiligungsprozess fortsetzen, den wir 2008 unter dem Titel ‚Rehburg-Loccum 2030’ gestartet haben. 2.0 sozusagen. Mit dem Rat und der Evangelischen Akademie Loccum, die seinerzeit den Prozess begleitet hat, haben wir uns schon verabredet, um zu überlegen, wie es an dieser Stelle weitergehen könnte.
Nicht zu vergessen natürlich auch die Ortskernsanierung in Rehburg. Wir suchen gerade nach Lösungen, wie wir die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt, für die es bereits einen Bürgerbeteiligungsprozess gab, günstiger – also für uns finanzierbar – gestalten können. Und ein weiteres Projekt ist der so genannte ‚Burgpark’ auf dem Festplatz hinter dem Rathaus, für den wir aktuell in den Beratungen sind.
WS: Und wenn Sie nun eine Wunschliste für 2014 aufstellen könnten? Was wünscht sich der Bürgermeister Rehburg-Loccums für das neue Jahr?
Franke: Drei Wünsche würde ich auf den Zettel setzen. Wichtig ist mir ein fairer Umgang von Verwaltung, Rat und Bürgern miteinander. Das ist bei mir Programm, nur würde ich mir auch wünschen, dass bei allem Verständnis für ein engagiertes Eintreten für die eigenen Interessen auch zugestanden wird, dass der Maßstab des kommunalen Handelns nicht nur kraft Gesetz, sondern auch, weil ein gedeihliches gesellschaftliches Zusammenleben es erfordert auch und zuvorderst das Allgemeinwohl, und damit des Wohl aller Einwohnerinnen und Einwohner sein muss. Dann hätte ich gerne von Bund, Land und Landkreis eine bessere - den uns übertragenden Aufgaben angemessene - finanzielle Ausstattung der Gemeinden. Und außerdem würde ich mir wünschen, dass die Rehburg-Loccumer sich nach wie vor so gerne und in so vielen Bereichen ehrenamtlich engagieren. Alle drei Wünsche können unsere Stadt nur voran bringen.
Das Interview mit Martin Franke führte Beate Ney-Janßen.
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