Bad Salzuflen-Bergkirchen (pgk). Klein von der Besetzung (elf Frauen- und fünf Männerstimmen) aber groß in Ausstrahlung und Stimmkultur – so könnte man präzise die markanten Charakteristika des Bielefelder Vokalensembles beschreiben, eines konzertanten Kammerchores, der sich aus der Bielefelder Marienkantorei an der Neustädter Marienkirche entwickelt hat unter der Leitung von Stadt- und Kreiskantorin KMD Ruth M. Seiler.
Einen Konzertschwerpunkt bildeten hier zweifelsohne drei beeindruckende Werke des jungen (*1975!) Kompositionsprofessors Paul Mealor (University of Aberdeen): Das vier- bis achtstimmige "Ave maris stella", trotz seiner harmonischen Reibungsflächen reich an schönen Kantilenen, von strahlenden Sopranen und in effektvoller Dynamik vorgetragen, gefolgt vom großflächigen, stellenweise neunstimmigen "Beata es, Virgo Maria" mit wunderbar "schwarzen" Bässen und einem abschließenden vier- bis achtstimmigen "Ave Maria", das den Konzertbesucher in seiner faszinierenden harmonischen Ausstrahlung vollends in seinen Bann zog und im Pianissimo in extremer Tiefe der Bässe (d!) ausklang.
Das Bielefelder Vokalensemble hatte aber auch bei den beiden achtstimmigen Motetten SWV 281 von Heinrich Schütz ebenfalls reichlich Gelegenheit, seine professionelle Vokalkultur unter Beweis zu stellen, verbunden mit dem erfreulichen Umstand, dass Seiler in ihrem hochdynamischen Dirigat ein feines Gespür für angemessene und effektvolle Tempi vermitteln konnte und eher ein ruhiges ausgeglichenes Metrum bevorzugte, auch bei der nachfolgenden doppelchörigen Motette "Unser Leben ist ein Schatten" von Johann Bach, einem Großonkel Johann Sebastian Bachs. Höchst präzise und wirkungsvoll hier die eindrucksvollen Generalpausen jeweils hinter dem "ein Schatten" und der ausgehauchte, fast abgerissen wirkende Abschluss "müssen alle davon" in der 7. Strophe.
Die rein instrumentalen Werke des Abends gestalteten sich als höchst überzeugende Ergänzungen und Kontrastelemente zu den Vokalkompositionen: Die federnd leicht, in barocker Tradition ohne Vibrato musizierte Sonate D-Dur für Cello und Basso continuo von Georg Philipp Telemann mit Annette Fuhrmann, Violoncello, und Ruth M. Seiler am Orgelpositiv und die berühmte Orgelsonate c-Moll op. 65,2 von Felix Mendelssohn Bartholdy in einer gelungenen Interpretation durch die Kantorin Ruth M. Seiler, deren Gesamteffekt auf einem fein durchgestimmten Instrument allerdings noch steigerbar gewesen wäre.
Mit Mendelssohns vierstimmiger Motette op. 69,1 "Herr, nun lässest du deinen Diener", ausdrucksvoll in getragenem Metrum vorgetragen und vitalem "dass er ein Licht sei den Heiden" klang dieses beeindruckende Konzert aus und mündete in intensiven Beifallskundgebungen eines begeisterten Publikums und einer ehrerbietigen Verbeugung der Kantorin in Richtung ihres kompetenten Ensembles.
