1. Zwiespalt der deutschen Seele

    Kluger, anregender und unterhaltender Abend mit Thea Dorn

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    BAD REHBURG (jan). Zu schwer wiege ihr Buch ‚Die deutsche Seele’ mit seinen 1,7 Kilogramm, hat Thea Dorn zu Beginn ihrer Lesung in der ‚Romantik Bad Rehburg’ bekannt. Mit dem reinen Gewicht mag sie Recht haben – dessen Inhalt entschädigt aber die Mühe, die es den Händen beim Lesen verursacht.

    "Die Zeit der Romantik hat die deutsche Seele in vielfacher Hinsicht geprägt." Was Dieter Hüsemann, Vorsitzender des Fördervereins der ‚Romantik Bad Rehburg’ und in dieser Funktion Einladender zu der Lesung, zu Beginn sagte, stellte die Schriftstellerin, Philosophin und ehemalige Fernsehmoderatorin nicht in Abrede. Ganz im Gegenteil konzentrierte sie sich zunächst auf die Einflüsse aus jener Zeit – zur Freude des Fördervereins, der seine Reihe ‚Bad Rehburger Winterforum’ schließlich so konzipiert hat, dass Themen, die im Zusammenhang mit der Kuranlage aus der Zeit der Romantik stehen, in den Mittelpunkt gerückt werden.

    Was Dorn daraus machte, war eine ausgezeichnet vorgetragene und kluge Mischung aus Erzählungen zu sich selbst, ihrer Veranlassung, dieses Buch zu schreiben – das immerhin ein halbes Jahr in den Bestseller-Listen stand – und aus Vorgelesenem.

    Die Fahrt über Stadthagen durch den nächtlichen Wald nach Bad Rehburg muss sie dabei wohl unter anderem inspiriert haben, sich ausgiebig dem Kapitel ‚Waldeinsamkeit’ zu widmen. Lust auf das Lesen des Buches machte das auf jeden Fall – ein Feuerwerk an literarischen und auch anderen Bezügen zum Wald, der die deutsche Seele in so vielerlei Hinsicht zu prägen scheint, breitete sie aus. Vom gespenstisch-unheimlichen Wald aus den deutschen Märchen über die Deutschen als Erfinder der nachhaltigen Forstwirtschaft bis zu Vergleichen, in denen der Schriftsteller Canetti das Heer als den marschierenden Wald beschreibt, reiche dieses Verhältnis zum Wald, meinte Dorn.

    Martin Luther in seiner Trotzköpfigkeit ist für sie ein Prä-Romantiker – wie überhaupt alle Deutschen seit den Germanen in ihrem Verhältnis zur Natur in diese Kategorie der Romantiker einzuordnen seien. Die Antwort auf die Frage nach einer Quintessenz zur deutschen Seele, nach einem einzigen Satz, der sie beschreibe, blieb Thea Dorn schuldig – die Zeit in der darauf einfache Antworten in Hauptsätzen gegeben wurden, gehöre zu einem Kapitel der deutschen Geschichte, dass Gott sei Dank vorüber sei. Im positivsten Sinne produktiv seien die Deutschen aber immer dann gewesen, gab Dorn als Einschätzung ab, wenn sie sich als hochzwiespältiges Volk präsentierten: mit dem wehmütigen rückwärts gerichteten Blick der Romantiker einerseits und dem geraden Blick des Ingenieurs nach vorn, der die Lösung schon im Blick hat.

    Mit einem Versprechen verabschiedete Hüsemann die Autorin: wenn ihr nächstes Buch fertig gestellt sei, dann werde er sie gerne ein weiteres Mal zu einer Lesung in die ‚Romantik Bad Rehburg’ bitten.

    Das Thema des irgendwann folgenden Abends verriet Thea Dorn gerne. Ihr neuestes Projekt sei der Faust – 60 Jahre nach Thomas Mann könne dieser Stoff wohl ein weiteres Mal aufgearbeitet werden. Foto: jan

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an