Kreis Lippe/Detmold. Experten schlagen Alarm: In Deutschland befinden sich zahlreiche Flüsse aufgrund des starken Gewässerausbaus in unbefriedigendem Zustand. Vor diesem Hintergrund und der Umsetzung vorgegebener Wasserrahmmenrichtlinien hatte die Bezirksregierung in Detmold jetzt zu einer Gewässerkonferenz eingeladen. Dort standen positive Renaturierungsmaßnahmen und andere Projekte auf der Tagesordnung. Unter dem Motto "Lebendige Gewässer in Ostwestfalen-Lippe" wurden den rund 180 interessierten Teilnehmern unterschiedliche Maßnahmen vorgestellt, die zur Verbesserung der heimischen Gewässer geführt haben oder och führen sollen.
Die Veranstaltung richtete sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Kreisen, Verbänden und Interessensgruppen. Die Vorträge zeigten gelungene Beispiele in der Region an Emmer, Lippe und Bega. Erstmals gelang auch ein Blick auf den Stand der Maßnahmenumsetzung der anderen europäischen Mitgliedsstaaten.
Neben den Fachvorträgen präsentierte die Geschäftsstelle Weser-NRW den Gästen eine Ausstellung der Grünen Liga mit Steckbriefen zu Themen wie "Schonende Gewässerunterhaltung", "Urbane Gewässer" und "Auendynamisierung". Darüber hinaus wurde eine Ausstellung und die Broschüre des Wasserverbands Obere Lippe zu der Lippe-Renaturierung am Tallehof präsentiert.
Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl eröffnete die Veranstaltung und freute sich über die gute Resonanz. Das Interesse an der Gewässerentwicklung in Ostwestfalen-Lippe werde auch durch die konsequent hohe Nachfrage an Fördermitteln gezeigt. Sie lobte insbesondere die Beschäftigungsprojekte, die mit vielen kleinen Maßnahmen eindrucksvoll zeigen, wie aus eingezwängten oder verrohrten Wasserläufen wieder lebendige Gewässer werden. Besonderer Dank galt auch den Referenten für deren Engagement. Abteilungsleiter Lutz Kunz führte durch die Veranstaltung.
Die Emmer um den Schiederstausee zu führen, ist in Ostwestfalen-Lippe die bisher größte Maßnahme zur Herstellung der Gewässerdurchgängigkeit. Rüdiger Kuhlemann (Kreis Lippe) stellte die Maßnahme und den aktuellen Stand der Umsetzung vor. Nach Fertigstellung ist die Emmer in ihrem nordrhein-westfälischen Abschnitt dann frei von Wanderhindernissen für Fische und Kleinstlebewesen.
Dr. Günter Bockwinkel (NZO Bielefeld) informierte über die Entwicklungen an der Lippe im Bereich Tallehof. Die umfangreichen Maßnahmen zur Renaturierung und zum Hochwasserschutz wurden dort bereits vor einiger Zeit durchgeführt.
Immo Henneberg (Stadt Lemgo) führte aus, dass bei Verbesserungen der Gewässerökologie gleichzeitig deutliche Verbesserungen für den Hochwasserschutz zu erreichen sind. An der Bega im Bereich der Stadt Lemgo wird eine umfangreiche Gewässerausbaumaßnahme umgesetzt. Diese Maßnahme, die er anhand von Plänen und Fotos präsentierte, wird vermutlich im Jahr 2019 abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten betragen etwa 8,5 Millionen Euro.
Den Überblick über die Maßnahmenprogramme und den Stand der Umsetzung in Europa zeigte Dr. Sandra Richter vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Demnach sind die Gewässerbelastungen in Europa vielfältig, der Anteil der Flüsse in gutem Zustand ist unterschiedlich hoch. Deutschland hat, unter anderem aufgrund des starken Gewässerausbaus, einen sehr hohen Anteil an Gewässern in unbefriedigendem Zustand. Im Dezember 2015 soll es einen vorläufigen Bericht der EU-Kommission zum Fortschritt der Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung geben, wie Dr. Richter ankündigte.
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gibt es seit dem Jahr 2000. Sie fordert den guten Zustand für alle Gewässer, einschließlich des Grundwassers. Um den Gewässerzustand zu überprüfen und Veränderungen festzustellen erfolgt in regelmäßigen Abständen vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz eine Überwachung (so genanntes Monitoring) der Gewässer.
Im Jahr 2014 wurden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit für alle Gewässer in Ostwestfalen "Runde Tische" veranstaltet. Ziel dieser Veranstaltungen war die Abstimmung von notwendigen Maßnahmen für die Flüsse und Bäche auf Grundlage der aktuellen Gewässerdefizite. Birgit Rehsies, Dezernentin für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung Detmold, stellte die Ergebnisse in Form des Entwurfs des Bewirtschaftungsplanes vor. Dieser wird Ende 2014 veröffentlicht. ch.
Die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie müssen bis spätestens 2027 erreicht sein. Um das zu erreichen müssen Renaturierungsmaßnahmen so früh wie möglich umgesetzt werden. Maßnahmen, mit denen der gute Gewässerzustand erreicht werden kann, werden derzeit mit einer bis zu 80‑prozentigen Förderung durch das Land NRW unterstützt.
