Kreis Lippe/Detmold (nok). ABS, ASR, DCC, ESP, PTS, RWD, SUV oder ZV – nicht nur die zahlreichen Abkürzungen für technische Finessen eines Fahrzeugs, auch so manche Verkehrssituation oder neue Vorschriften bringen viele Autofahrer ins Grübeln. Grund genug für die Polizei in Lippe, interessierte Verkehrsteilnehmer zu einem Seminar auf das Gelände am Waldweg (Johannettental) einzuladen. "Wir wollen über neue oder geänderte Vorschriften in der Straßenverkehrsordnung informieren, Sicherheitslücken aufzeigen, technisches Grundwissen auffrischen, individuelle Fragen um den Verkehrsalltag beantworten, Reaktionsfähigkeit überprüfen oder auch das Verhalten in Gefahrensituationen testen", sagt Thomas Behrendt, Verkehrssicherheitsberater der Polizei in Detmold. Im Fokus des jüngsten Seminars stand die Zielgruppe der Senioren. Über 20 Personen aus ganz Lippe hatten sich diesem Kurs angemeldet. Die Erwartungen, Wünsche und Fragen der Kursteilnehmer waren vielfältig und sehr unterschiedlich. Standen für einige vor allem Neuerungen und Änderungen in der Straßenverkehrsordnung im Mittelpunkt des Interesses, waren es bei anderen Sicherheitsfragen oder situationsbezogene Verständnisfragen.
Gibt es in Deutschland eine Winterreifenpflicht? Darf ich bei stockendem Verkehr auf der Autobahn rechts überholen oder in dieser Situation sogar den Seitenstreifen zum Abfahren von der Autobahn benutzen? Wo ist eine Rettungsgasse zu bilden? Gilt auf einem Kaufhausparkplatz die "Rechts vor links-Vorfahrtregel"? Darf man bei einem eingehenden Anruf auf dem Seitenstreifen der Autobahn halten, um zu telefonieren? Darf man einen an der Bushaltestelle anhaltenden Bus grundsätzlich nicht passieren? Muss man aus einer Straße mit abgesenkten Bordstein kommend, bei fehlender Beschilderung "Vorfahrt gewähren"? Diese und andere Fragen, bei deren Beantwortung sich nicht wenige Verkehrsteilnehmer vermutlich zögernd verhalten hätten, durften die Polizeibeamten des Verkehrsdienstes den Teilnehmern beantworten.
Nach einem einführenden Video arbeiteten sich die lippischen Senioren in drei Gruppen durch das dreistündige Programm. Thomas Behrendt erklärte den Teilnehmern am eigenen Fahrzeug technische Begriffe und gab Tipps zur Ladungssicherung. Heinz-Josef Fischer und Klaus Kandale beantworteten in einer Diskussionsrunde Fragen zur Verkehrssicherheit. Bei Tanja Menze konnten die Teilnehmer ihre Reaktionsfähigkeit überprüfen. "Der Fahrsimulator stand aufgrund eines Defekts bei diesem Seminar leider nicht zur Verfügung", bedauerte Thomas Behrendt. Dennoch war es für die Teilnehmer ein lehrreicher Vormittag.
"Manchmal verlässt man sich im Straßenverkehr nicht auf sein Wissen, sondern auf seinen Glauben. Das wollte ich durch die Teilnahme am Seminar ändern. Die Tipps der Polizei haben mir definitiv weitergeholfen", erklärte einer der Teilnehmer im Gespräch mit dieser Zeitung. Und auch die Teilnehmerin, die ihre Sicherheitsweste künftig nicht mehr unter der Abdeckung des Kofferraums, sondern schnell greifbar im Handschuhfach verstaut hat, dürfte das Seminar in Detmold als eine sinnvolle Investition und als nachahmenswert für andere Autofahrer verstanden haben.
