Die Ansprache zur Feierstunde hielt Pastorin Anke Orths. Sie dankte ausdrücklich Christel Homburg, die seit vielen, vielen Jahren schon hier in Mesmerode das gemeinschaftliche Betrauern des Todes von Menschen lebendig zu halten sucht, indem sie ganz maßgeblich zu dieser Feierstunde einlädt, sie aktiv ausgestaltet und sich um einen entsprechend würdevollen Rahmen kümmert. "Wie soll ein ganzes Volk gemeinsam trauern, wenn an zentralen Orten nur noch große Zahlen genannt werden können, aber die Geschichte der Menschen, der Familien, die das Schicksal erlitten, dahinter verblasst", fragte Orths. Es sei gut, die Kreise nicht zu groß werden zu lassen. Würdig sei es, gemeinsam nicht zu vergessen, sondern zu erinnern und wo möglich dem Nachzuspüren, was es heißt, ausgeliefert, ausgegrenzt, verfolgt, geschunden, gefoltert und gemordet zu werden. Es gehe heute aber neben diesem mehr und mehr auch darum, dass die Menschen immer noch und immer wieder neu traurig werden, wenn wir hören, sehen und erleben wie Menschen heute zu Tode kommen. So der Faschismus beispielsweise, wenn wie in Hannover, Hooligans und Neonazis in einer zum Glück noch überschaubaren Menge, ihre Macht nutzen wollen zu demonstrieren und Feindschaft zu säen zwischen Menschen verschiedenster Prägung. "Lasst uns nicht bei der Traurigkeit stehen bleiben, sondern gemeinsam aufstehen gegen die braunen Socken und ihnen unsere bunte Vielfalt zeigen, die Gott lob einen anderen Geist atmet", so die Pastorin. Jeder müsse überall in seiner Würde geschätzt und geachtet werden. "Und wenn ein Yezide in Mesmerode oder Idensen durch die Straßen geht, dann soll er erfahren: Hier bist du Mensch, hier kannst du leben mitten unter uns auch als Fremde oder Fremder. Gerade die Gastfreundschaft Fremden gegenüber ist groß in der christlich-jüdischen Tradition, die uns alle prägt, ob wir nun Kirchenmitglieder sind, waren oder nicht", berichtete Orths. Sie schloss ihre Ansprache mit den Worten aus dem Buch der Offenbarung 4,11 beim Trauern und Klagen, beim mourning anknüpfen und getrost beten: "Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen." Foto: gi
-
Feierstunde zum Volkstrauertag
Orths: "Niemand ist mehr wert als ein anderer nirgendwo"
Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum
