REHBURG-LOCCUM (jan). "Vorrang für Ernährung!" – Immer wieder haben Landwirte aus dem Südkreis Nienburgs dieses vor dem Rehburg-Loccumer Rathaus skandiert. In erster Linie entzündet sich ihr Zorn an der Ausweisung geschützter Flächen durch den Landkreis.
"Die kommen fast alle aus dem Südkreis", sagt Eberhard Mysegades mit Blick auf rund 110 Landwirte vor dem Rathaus der Stadt Rehburg-Loccum. Er, als stellvertretender Vorsitzender des Landvolkes Mittelweser, hat eben noch zu ihnen gesprochen, hat die Probleme der Landwirte geschildert, hat einen Forderungskatalog verlesen – und immer wieder dazu aufgefordert, dass das "Vorrang für Ernährung" über den Platz schallt.
Zusammengefasst meint Mysegades zum Schluss: "Ich habe das Gefühl, auch wir Bauern brauchen einen Artenschutz." Eigentlich war vom Landkreis nur ein Beratungstermin im Rathaus anberaumt, um den Landwirten zu erklären, was umgesetzt werden soll, was sie künftig noch mit ihren Flächen machen dürfen und wie es weitergehen soll. Das haben die Landwirte zum Anlass für ihre Demonstration genommen.
Friedlich stehen alle in der Runde, aus der Verwaltung lässt sich niemand blicken, obgleich bestimmt der eine oder andere Mitarbeiter von seinem Arbeitsplatz aus mithört, was die Menge vor der Tür zu bemängeln hat.
So ruhig sie dort aber alle auch stehen und ihrem Ärger lediglich durch Trillerpfeifen und Rufe Luft machen, so deutlich sind doch die Worte, die die Sprecher von sich geben. Christian Lohmeyer aus Hoya ist derjenige, der die Situation der Landwirte am eigenen Beispiel schildert und mit starken Ausdrücken untermalt.
Er, der Schafe hält und sie auf Weserdeichen hält, versteht die Welt nicht mehr. Von einem Skandal redet er im Bezug darauf, dass die Landwirte kein Klagerecht gegen das Landesraumordnungsprogramm haben, und wenn der Landkreis sage, dass dieses keine Auswirkungen auf die Landwirtschaft habe, so sei das schlicht die Unwahrheit.
Sarkastisch schließt er seine Rede mit dem Abstellen eines kleinen Blumentopfes auf dem Platz.
Darin steckt ein Büschel Gras – nach langem Suchen sei es ihm gelungen, noch ein wenig Grünland zu finden, sagt Lohmeier und fordert die Teilnehmer auf, dieses letzte Stück gebührend zu beachten, indem sie ihre mitgebrachten Kerzen drum herum stellen.
Hans Holtorf sieht die Diskussion von einer anderen Warte aus – er ist einer der Geschäftsführer der Rehburger frischli-Milchwerke. "Eigentlich", sagt er und betont dieses Wort, "eigentlich haben wir Vertrauen in die Zukunft."
Das zeige sich derzeit ganz deutlich an dem Milchwerk, wo umfangreiche Bauarbeiten getätigt würden. Aber wenn die Landesregierung einerseits wolle, dass Tiere möglichst durchgehend auf der Weide stehen sollten und sie andererseits die Weiden abschaffe, dann gehe das doch nicht zusammen.
Ein Stück Zuverlässigkeit will er aus der Landeshauptstadt bekommen und das, sagt er, sei bei Landwirtschaftsminister Christian Meyer nicht immer gegeben.
Applaus gibt es für alle Redner, nach gut einer Stunde ziehen die Landwirte wieder ab und widmen sich ihren Höfen.
Das Ende der Fahnenstange ihres Protests soll das aber noch nicht gewesen sein.
Foto: jan
