Leopoldshöhe (kd). Bereits 1879, vor 135 Jahren, hat sich der Männergesangverein (MGV) Leopoldshöhe gegründet. Aus diesem Anlass hatte der Chor unter der Leitung von Carola Müller-Schmidt zu einem Jubiläumskonzert eingeladen. Die 250 Zuhörer in der voll besetzten evangelisch-reformierten Kirche waren von den Darbietungen des MGV und seiner Gäste begeistert. Der MGV-Vorsitzende Ernst-Udo Blöbaum und Pastorin Kornelia Schauf begrüßten die Anwesenden zu dem Konzert, das unter dem Motto stand "Musik öffnet die Seelen".
Für den Beginn hatten die 32 Sänger einen Chorsatz neu einstudiert, der Freude und Optimismus verbreitete: "Weihe des Gesanges" aus der "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart. Die auch unter dem Namen "Priesterchor" bekannte Komposition ist eigens für besondere Anlässe gedacht. "Besser kann es doch nicht gehen", meinte der Ehrenvorsitzende Klaus-Walter Genett, der als Moderator durch das zweistündige Programm führte.
Mit dem "Schifferlied", einem französischen Volkslied aus der Provence, dem "Chor der Gefangenen" von Guiseppe Verdi und dem populären Schlager "Rivers of Babylon" belegten die Leopoldshöher Sänger ihre große musikalische Bandbreite. Erstmalig trug der MGV das Stück "Gwahhodiad" aus Wales vor. Diese "Einladung" am Ende einer Predigt wurde in der Zeit komponiert, als sich der Chor bildete. Da es in Gälisch verfasst ist, sangen es die Sänger in Lautsprache. "Ich höre deine Stimme, sie fordert mich Herr zu Dir", heißt der Text in der Übersetzung. Ebenfalls gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Russland das Volkslied "Kalinka". Mit seiner typischen Temposteigerung ist es weltweit bekannt geworden. Der Vortrag des MGV konnte zugleich als Gruß an einen Gast aus dem Osten verstanden werden, der bereits zum dritten Mal in Leopoldshöhe zu Gast war.
Roman Antonyk, Opernsänger von der Staatsoper Lwiw (Lemberg) in der Ukraine, trat als Solist auf und begleitete sich selbst auf der Bandura. Mit dieser "ukrainischen Lautenzither" können auf den 62 Saiten Töne erzeugt werden, die an eine Harfe oder ein Spinett erinnern. Daraus ergab sich ein interessanter Gegensatz zwischen der volltönenden, den ganzen Kirchenraum erfüllende Baritonstimme und dem zarten Saiteninstrument.
Mit seinem Gesang überzeugte Antonyuk in jeder Hinsicht. Meisterhaft trug er schwermütige Stücke, das anrührende "Ave Maria" und heitere Volkslieder aus seiner Heimat vor. Als Verbeugung vor dem Publikum stimmte er das Vokslied "Der Mond ist aufgegangen" in Deutsch an. Es habe sich bewusst für eines der bekanntesten Lieder entschieden, sagte er und forderte die Anwesenden auf: "Es ist doch viel besser, wenn wir zusammen singen. Den Text können Sie alle und ich auch."
Einen weiteren musikalischen Akzent setzte der Posaunenchor Wülfer/Heipke unter der Leitung von Dirk Hillebrenner. Die Instrumentalisten präsentierten eine Auswahl von getragenen Stücken wie "Majesty" bis hin zu heiteren Kompositionen wie "Herz und Herz und vereint zusammen". Den Abschluss des Liedvortrags bildete der markante "Altirische Reisesegen".
Zum Ausklang trugen der Männergesangverein und Roman Antonyuk gemeinsam das "Lied der Verbannten" von Otto Groll vor. Der ukrainische Opernsänger sei inzwischen zu einem Freund geworden, meinte Klaus-Walter Genett. "Für das nächste Mal werden wir ein ukrainisches Lied einstudieren", versprach er. Und der Gast erwiderte mit ebenso höflichen Worten: "Zwischen uns gibt es keine Mauern, denn Musik, Liebe und Freundschaft hat keine Grenzen."
