LOCCUM (jan). Sonnenschein zum Loccumer Herbstmarkt ist eher untypisch. Das hat der Markt in diesem Jahr aber bekommen – und ist zu einem fröhlichen Fest geworden.
Sehr still ist es zu Beginn beim Marktempfang im Gasthof Niedersachsen geworden, als Loccums Ortsbürgermeisterin Dörte Zieseniß alle Gäste bat, sich für eine Schweigeminute zu erheben. Erst wenige Wochen zuvor war Ulrich Seele, der Wirt des Gasthofes, in dem dieser Empfang seit vielen Jahren den Beginn des Marktes darstellt, plötzlich gestorben. "Es geschehen Dinge, die wir nicht begreifen können", sagte Zieseniß – das empfanden wohl alle so in diesem Moment. Gefeiert werden solle aber dennoch, das sei gewiss auch im Sinne von Uli, meinte Zieseniß. Und so stimmte wenig später das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Loccum das erste Lied an, während in der Niedersachsenstraße und auf dem Marktplatz die Karussells sich zu drehen begannen. Der für Loccumer Herbstmarkt-Verhältnisse untypische Sonnenschein entlockte der Ortsbürgermeisterin die Frage, ob es denn nun ein Frühlings- oder ein Herbstmarkt sei.
Gäste ließen sich allerdings trotz des schönen Wetters Zeit damit, den Markt zu besuchen. Am ersten Markttag harrten die Schausteller bis zur Dämmerung aus, ehe sich die Gassen zwischen den Buden füllten.
Dieses Phänomen - dass der Herbstmarkt immer ein wenig Zeit benötigt, um in Schwung zu kommen - kennt Edelgard Brandt bereits seit rund 60 Jahren. Für die Schaustellerin gab es beim Empfang einen Blumenstrauß – weil sie eben schon so lange Jahr für Jahr ihre Buden in Loccum aufbaut. 76 Jahre zähle sie jetzt, sagte Brandt – und als sie noch als Kind mit ihren Eltern nach Loccum gereist sei, da habe sie zu manchen Zeiten dort sogar die Schule besucht. Gar so lange wie sie kennt kaum ein Loccumer den Herbstmarkt.
Auch Rehburg-Loccums Bürgermeister Martin Franke muss noch einige Jahrzehnte vergehen lassen, bis er diese Kenntnisse gesammelt hat. Beim Marktrundgang arbeitete er aber daran, überließ zwar die rasante Berg- und Talbahn einigen Loccumer Ortsratsmitglieder – von denen manche etwas blass um die Nase herum wieder ausstiegen – entschied sich dann am Kinderkarussell schnell für die ‚wilden Hähne’ – und eroberte sie lachend gemeinsam mit Zieseniß.
Auf ihre Kosten kamen unterdessen auch diejenigen, die es auf eine gemütliche Kaffeestunde – der Förderverein des Kindergartens hatte ein Café eingerichtet – oder auf Literatur für kommende lange Winterabende abgesehen hatten. In der Niedersachsenhalle hatte die Altpapiergruppe im Ruhestand erneut Tausende von Büchern aus zweiter Hand zu Mini-Preisen im Angebot. Da ließen sich die Besucher dann auch gerne an den umliegenden Ständen geistige Getränke schmecken oder versorgten sich mit Kunsthandwerk, das auch unter dem Weihnachtsbaum landen könnte.
Eine Bildergalerie zum Loccumer Herbstmarkt wird unter www.rehburg-loccum.de frei geschaltet. Foto: jan
