1. Mehr als nur ein musikalischer Funke

    Bundesjugendorchester verzaubert mit romantischer Musikliteratur

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    Detmold (nr). Es war ein geradezu sinnliches Eintauchen in romantische Gedanken- und Gefühlswelten. Die Unbeschwertheit bei Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Ouvertüre zu "Ein Sommernachtstraum", die tragenden Lieder von Alma Mahler und die gewaltige Sinfonie Nr. 4 von Anton Bruckner schufen Bilder von romantischer Verklärtheit und überschäumenden Lebens. Sanfte Wogen leichter Muse und Raum füllende, leidenschaftliche Klänge zogen sich wie Perlen auf einer Schnur durch einen wunderschönen Abend. Das Bundesjugendorchester brillierte unter der Leitung von Markus Stenz dabei ebenso, wie auch die großartige Sopranistin Stella Doufexis.

    Betörend schön und ästhetisch anmutend zeigt sich die Ouvertüre zu Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", die Mendelssohn mit nur 17 Jahren komponiert hatte. Er, der das Glück hatte, unbeschwert und mit direktem Kontakt zur Kunst aufzuwachsen, vermochte die romantische Komödie mit seiner Musik mit einer besonderen Form des Lebens zu erfüllen. Diese Leichtigkeit, die Reinheit und das Märchenhafte formten die jungen Musiker nun unter der vorsichtigen, aber präsenten Leitung ihres Dirigenten, Markus Stenz.

    Als ein homogener Klangkörper mit vollen, warmen Tönen schaffte es dieses an Alter so junge Orchester, die manipulierbare Liebe als zentrales Thema der Komödie, mit ihrem flatterhaften und süßen Aufwallen von Gefühlen atmosphärisch mit ihrer Musik einzufangen und ganz wunderbar zu interpretieren. Da beschrieben die Streicher und Holzbläser sanft und einschmeichelnd die Liebe, die Natur und das Märchenhafte, während das Blech immer wieder Akzente setzte, beinahe majestätisch wiederkehrte. Es war, wie im Stück selbst, ein Auf und Ab der Gefühle und dies alles in herrliche Klangfarben getauchte, traumhaft interpretierte Musik.

    Zwischen Mendelssohn und Bruckner dann Lieder von Alma Mahler. Gesang und Dichtkunst ineinander und miteinander verwoben durch die Mezzosopranistin Stella Doufexis. Samten, akzentuiert und im Einklang mit dem Orchester erfüllte sie die bildhaften Wortmalereien intensiv mit Leben und berührte dabei ihr Publikum. Vorsichtig begleitend und zu keiner Zeit dominant, zerfloss die Musik des Orchesters und intensivierte dabei den facettenreichen Gesang von Stella Doufexis. Dabei haben die Lieder von Alma Mahler nicht unbedingt ein gleichsam einheitliches, melodiöses und in sich abgerundetes Wesen. Umso inniger und einfühlsamer die Art und Weise, wie die Stimme und die Artikulation von Doufexis immer wieder eine unterschwellige Spannung aufzubauen vermochte und den Saal geradezu mitriss. Großer Applaus für eine großartige Vorstellung.

    Dann hieß es für Orchester und Publikum in der Pause Luft holen. Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 , "die Romantische" stand im Raum. Gewaltig, anstrengend, großartig, hochdramatisch und aufwühlend schien sie Musiker und Konzertsaal gemeinsam in ihren Bann zu ziehen. Diese Sinfonie, die Bruckner nach der Erstaufführung überarbeitet und mit einem neuen Scherzo und Finalsatz versehen hatte, brach dann ähnlich einem Wirbelsturm los. Mitreißend die verschiedenen Instrumentengruppen, die teils miteinander, teils solistisch große Virtuosität zeigten. Da brillierte zum einen die Leichtigkeit der Streicher, obgleich beim langen Tremolieren die Arme schwer geworden sein dürften. Einfühlsam und leise und dann wieder wild und leidenschaftlich stachen sie hervor, berührend und aufwühlend. Dann die Bläser, allen voran die wirklich großartigen Hörner und Trompeten, die von den Hornrufen zu Beginn, bis zu dem schon majestätisch vollen Blech, das das Hauptthema des ersten Satzes wieder aufnimmt, geradezu atemlos machten. Müßig, alle Instrumentengruppen aufzuzeigen. Herausragend gut waren sie alle, diese unglaublich talentierten jungen Musiker.

    Dieses so junge Orchester brachte Bruckners Sinfonie zum Leuchten, überzeugte mit seiner ungeheuren Energie. Dabei sind diese jungen Künstler im Alter von 14 bis 19 Jahren alle noch Schüler. Es ist diese Begeisterung mit der sie spielen, die so ansteckend ist und das Publikum zu jeder Zeit mitnimmt. Stürmischer Beifall zollte ihnen und ihrer Musikalität größten Respekt. Bereits zum zweiten Mal gastierte das Bundesjugendorchester während der Sommerakademie in Detmold. Dieses Jahr, zum zehnjährigen Bestehen der Sommerakademie spielten sie unter den Augen von Kurt Masur, der gleichzeitig Schirmherr der Akademie ist. Bereits vor dem Konzert fasste er seine Wünsche für die Jungmusiker in sorgfältig gewählten Worten zusammen. "Ich wünsche ihnen, diese Liebe zur Musik zu behalten. Wenn man Berufsmusiker wird, verliert man schnell diese Begeisterung und Spontanität."

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