OBERNKIRCHEN (wa). Waren Sie beim Barbarossafest? Wenn ja, wie hat es Ihnen gefallen? Wer am vergangenen Wochenende in der Innenstadt unterwegs war, konnte zwischen den alten Fachwerkhäusern eine neu aufgekeimte Lebendigkeit spüren. Live-Musik, Aktionsprogramme, ein mittelalterlicher Markt und obendrauf Public Viewing Deutschland gegen Ghana. Wenn Obernkirchen etwas anpackt, nehmen die Besucher es gerne an. Drei Tage Barbarossafest haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Trotzdem gibt es einige Dinge, die bis zum nächsten Fest in zwei Jahren noch verbessert werden können.
Aufgeteilt war das Fest an drei Tagen in die Bereiche Bornemannplatz, Friedrich-Ebert Straße, Lange Straße, Marktplatz und Kirchplatz. Ein Rundlauf. Etwas abgeschlagen war die Campingausstellung von Uwe Büsing, der einige Oldtimer auf dem Bornemannplatz aufgebaut hatte. Durch die Haupt-Bühne auf dem Markplatz und dem reichlichen Getränke- und Snackangebot hielten sich die Besucher dort am längsten auf. Es stellt sich die Frage, ob der Bornemannplatz beim nächsten Mal miteinbezogen werden sollte. Die freien Flächen an der Langen Straße und Friedrich-Ebert Straße waren von diversen Händlern mit Billig-Ware belegt. Eine andere Aufteilung ohne das übergroße Angebot an Importartikeln, könnte das nächste Barbarossafest nutzbarer für heimische Anbieter beziehungsweise für die Vereine machen.
Für die Umsetzung hatte die Stadt eine externe Veranstaltungsgesellschaft engagiert: "Ohne die Mitarbeit, hätten wir ein Fest wie dieses nicht organisieren können", sagte Bürgermeister Oliver Schäfer beim Empfang im Ratssaal. Einige kreative Köpfe Obernkirchens dachten da im Hinblick auf die städtischen Finanzen anders. Vereine und Gruppierungen haben einige Veranstaltungen selbst erfolgreich in die Hand genommen. Beispiel: Das La Fléche-Parkfest oder der Treff am Trafohaus. Neue Impulse von außen sind immer förderlich.
Wichtig ist auch, im Hintergrund Menschen zu haben, die sich mit der Organisation von Großevents auskennen und über die nötige Technik verfügen. Aber: Wer von außen bestellt nimmt in Kauf, dass sich die Einheimischen nur halbherzig mit dem "Projekt Stadtfest" identifizieren können. Zum maßgeblichen Erfolg sollte das Wetter beitragen. Doch das war wenig sommerlich. Der Marktplatz war trotzdem voll. Über 600 Menschen verfolgten gemeinsam das WM-Spiel auf der Leinwand. Barbarossafest muss aber auch ohne Fußball funktionieren.
Gähnend langweilig ist der Internetauftritt zum Barbarossafest. Das Programm wirkt lieblos hinunter geschrieben. Keine sichtbaren Highlights, keine Vorstellung der auftretenden Bands, einige Programmpunkte nur schemenhaft umrissen und nur wenig Infos zum Mittelalterlichen Markt – und der dortigen dritten Bühne. "Buntes Markttreiben mit historischem Hintergrund". Was der Internetseite fehlt, sind Persönlichkeit und ansprechende Fotos. Eine historische Stadt wie Obernkirchen hat Identität – warum wird sie nicht gezeigt?
"Die Stadt ist toll und der Kirchplatz wunderschön für das Thema Mittelalter. Aber hätte ich gewusst, dass zeitgleich Landpartie ist, wäre ich nicht gekommen", sagte ein Händler auf dem Kirchplatz. Er war extra aus Hamburg angereist.
In den kommenden zwei Jahren hat Obernkirchen genug Zeit, einige Ecken und Kanten noch richtig rund zu bekommen. Engagierte Bürger gibt es genug: Das Barbarossafest kann mit ihrer Hilfe ein neues kulturelles Highlight in Schaumburg werden. Die Stadt Obernkirchen hat es verdient. Foto: wa
