Statt wie ein erwarteter Krimi – spannend bis zur letzten Minute –, offenbart sich die Auszählung ab 18 Uhr als eine schnell zu durchschauende Geschichte. In der "Bodega" verfolgt Schmidt umzingelt von Freunden und Unterstützern an seinem Laptop die eintrudelnden Ergebnisse. Bereits nach wenigen Wahlbezirken liegt er vorn, Sandmann kann nur vereinzelt punkten. Als auch noch die seit Jahren SPD dominierte Gemeinde Suthfeld an den Christdemokraten geht, ist dieser sichtlich überrascht. "Freunde, schenkt euch langsam schon mal einen ein." Nach 15 von 25 Wahlbezirken und einem Vorsprung von rund 300 Stimmen geben sich seine Anhänger siegessicher: "Das Ding ist jetzt durch, da kann nichts mehr passieren." Der Vorsprung wächst weiter. 400 Stimmen mehr. "Das Ding ist gelaufen", ruft wider einer in die Runde. Nur von einem will die Anspannung noch nicht so recht abfallen.
Schmidt hält sich zurück und kommentiert den Verlauf bescheiden: "Ich bin zufrieden". Um 18.24 Uhr, nach dem Wahlbezirk Feuerwehrgerätehaus Waltringhausen, sind es 501 Stimmen mehr. Wenige Minuten später fehlt nur noch das Ergebnis aus dem Curanum, das im ersten Durchgang deutlich zugunsten des Christdemokraten ausgefallen ist – Vorbei ist es mit der Zurückhaltung: "Freunde, wir sind Bürgermeister", jubelt Schmidt fäusteballend.
Erst küsst er seine Ehefrau Verena, dann springt er auf. Das minutenlange Händeschütteln, Umarmen und Gratulieren nimmt seinen Lauf, die Menge feiert ihn singend. "Ich war zwar immer optimistisch, aber der Meinung, dass es knapp werden könnte", erzählt Schmidt im Freudentaumel. Dass er mit einem so deutlichen Vorsprung gewonnen hat, überwältige ihn.
"Das zeigt, dass die Bürger einen jungen, frischen Wind im Rathaus haben wollen", so der 38-Jährige. Sein Dank gelte seiner Frau; ein "ganz, ganz großes Dankeschön" geht aber auch an die Unterstützer. "Es war eine unglaublich anstrengende Zeit", ruft Schmidt in die Runde und schlägt feierlustig vor: "Wir löschen jetzt einmal die Speicher."
Kurz darauf erscheint auch Sandmann, der im Restaurant "Babas" die Auszählung verfolgt hat, und wünscht Schmidt eine erfolgreiche Amtszeit.
Das deutliche Ergebnis habe ihn überrascht, gesteht der Sozialdemokrat.
Es sei ein Zeichen dafür, dass die Bürger an der Seite der "fest etablierten Politiker mal einen ‚unverbrauchten‘ Politiker haben wollen". Foto: jl
