"Seit Jahrzehnten übernehmen wir als Tierschutzverein auch mit der Tierauffangstation öffentliche Aufgaben. Wir leisten das mit großem Engagement. Doch langsam kommen wir an unsere Grenzen", konstatierte Schneider. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 232 Tiere plus neun Pensionstiere in der Auffangstation an der Kläranlage Bad Nenndorf aufgenommen. Zu den Fundtieren kommt noch die stetig wachsende Zahl von Abgabetieren sowie Tiere, die aus verwahrloster Haltung durch die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt dem Verein zugeführt werden. "Viele Tierhalter, die aus einer Notsituation heraus ihre Tiere abgeben, können oft weder die Kosten für die Unterbringung noch für die notwendige Untersuchung tragen", berichtete Schneider weiter. Die kleine Auffangstation, die 2005 eröffnet wurde, stelle für den kleinen Verein eine sehr große Herausforderung dar.
Die Katzenpopulation bereitet nach ihren Worten weiter große Probleme. Hier seien nach wie vor Bundesregierung, Länder und Kommunen gefordert, endlich rechtlich einheitliche Regelungen in Bezug auf eine Kastrationspflicht auf den Weg zu bringen. Unkontrollierte Vermehrung von Katzen bedeutet für das Tier oft Leid und Elend. Schneider berichtete über einen Einsatz in Ottensen, wo der Verein 18 unkastrierte Katzen aus einem Haushalt geholt hat. 77 Katzen sind 2013 aufgefunden worden, 36 von ihren Besitzern abgegeben worden. 28 Fundhunde sind in die Station gekommen, 19 Hunde sind aus verschiedensten Gründen in die Obhut des Vereins genommen worden.
"Auch das stille Leiden der Kleintiere geht uns sehr zu Herzen", bestätigte die Vorsitzende. Katastrophal sei es, ein einsames Kaninchen im Winter in einem Außenstall ohne Einstreu, Futter und Wasser vorzufinden.
Oder Frettchen, denen man einfach eine Dose Katzenfutter, die wenigstens geöffnet war, in den viel zu kleinen Käfig geworfen hat. Meerschweinchen, die der Mieter in seiner verwahrlosten Wohnung zurück gelassen hat. Ohne Futter – da kam jede Hilfe zu spät. Dr.Ulf Güber vom zuständigen Veterinäramt zeigte Bilder von einer Wohnung, in der unzählige Fische in mehreren total verdreckten Aquarien dahinvegetierten.
Besondere Auswüchse von Tierquälerei sind längst keine Ausnahme mehr, erfuhren die Mitglieder. Schneider informierte über einen besonders krassen Fall, in dem eine Katze von Jugendlichen in einen Wäschetrockner gesteckt wurde. Das Tier hat überlebt, aber der Schwanz musste amputiert werden. "Die Härte nimmt zu", ist Schneider überzeugt. Und sie ergänzte: "Da wir mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert werden, auch in Bezug auf Tierschutzgesetze und in Bezug auf Bürokratie, kommen wir heute ohne Rechtsbeistand nicht mehr aus".
Der Verein, der mittlerweile 60 Jahre besteht, möchte dieses Jubiläum im Herbst mit einem "Tag der offenen Tür" in der Tierauffangstation feiern.