SAMTGEMEINDE NENNDORF (mk). Der Naturschutzbund NABU bittet alle Gartenbesitzer, sich noch mindestens zwei Wochen mit dem Hecken- und Strauchschnitt zu gedulden. Derzeit brüten viele Singvögel im Schutz des dichten Blattwerks. Sie können durch Schnittmaßnahmen so sehr gestört werden, dass sie ihre Brut aufgeben, warnen die Naturschützer. Frühestens nach dem "Johannistag" am 24. Juni sollte geschnitten werden.
"Das warme Wetter veranlasst viele Freibrüter wie Amsel, Singdrossel oder Buch- und Grünfinken schon zu einer zweiten Brut. Wer jetzt seine Sträucher schneidet, riskiert den Nachwuchs der fröhlichen Sängerschar," betont Andrea Goike vom NABU der Ortsgruppe Samtgemeinde Nenndorf, "auch finden Beutegreifer die Gelege viel einfacher, wenn schützende Zweige weggeschnitten werden." Wer erst im Juli oder später schneide, spare auch erhebliche Arbeit, so der NABU. Die Pflanzen befänden sich derzeit im zweiten Wachstumsschub des Jahres. Wer zu früh die Heckenschere auspackt müsse sie deshalb noch ein zusätzliches Mal einsetzen. Auf jeden Fall gehört für naturfreundliche Gärtner vor dem Schnitt eine intensive Suche nach belegten Nestern in den Sträuchern dazu. Denn auch im Juli findet man noch frische Dritt- oder Ersatzgelege. In den Nistkästen können alte Nester noch verbleiben und müssten nicht entfernt werden, ist von der NABU-Ortsgruppe zu erfahren. In der Regel werde von den höhlenbrütenden Meisen, Staren und Kleibern das zweite Nest einfach auf das erste gebaut. In der Natur macht auch keiner die Höhlen sauber. Das ist ein ‘besonderer Service‘ des Menschen für die Vögel. Wer sicher ist, dass der Nistkasten nicht mehr belegt ist, kann aber das alte Nest auch entfernen. Gerade für Kinder ist es sehr spannend, die oft kunstvollen Gebilde in den Händen zu halten." Die beste Zeit für die Nistkasten-Reinigung sei laut NABU jedoch der Herbst: "Dann brütet garantiert keiner mehr darin." Dabei brauche nur das Nest entnommen zu werden. Ein Ausschrubben mit Wasser oder gar Putzmitteln sei unnötiger Arbeitsaufwand. Bei besonders starkem Parasitenbefall könne ein Kasten schnell ausgebürstet oder ausgefegt werden. Aus dem Nest gefallene Jungvögel sollten übrigens auf keinen Fall mit nach Hause genommen werden. "Die verlassen wirkenden Nestlinge werden meist von den Eltern auch am Boden weiter gefüttert. Wer als Mensch versucht, Vogel-Eltern zu ersetzen, wird meistens scheitern. Schließlich fliegt ein Meisenpaar täglich über 600 Mal zum Füttern ein," informiert Andrea Goike.
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