SAMTGEMEINDE NENNDORF. Am Sonntag, dem 15. Juni entscheiden die Nenndorfer Bürger, wer die politischen Geschicke ihrer Samtgemeinde leiten soll. Sie wählen in einer Stichwahl ihren neuen Samtgemeindebürgermeister. Dieser wird Mike Schmidt (CDU) oder Sigmar Sandmann (SPD) heißen. Schmidt erreichte im ersten Wahldurchgang am 25. Mai, in dem insgesamt fünf Kandidaten angetreten waren, 37,8 Prozent, Sigmar Sandmann 33,2 Prozent. In einem getrennt geführten Interview beantworteten der Christdemokrat und der Sozialdemokrat jeweils die gleichen politischen und persönlichen Fragen.
Schaumburger Wochenblatt (SW): Was bedeutet Ihnen persönlich die Samtgemeinde?
Text/Interview/Foto: jl
Mike Schmidt: Ich arbeite hier bei der Polizei in Bad Nenndorf und bewege mich somit natürlich fast täglich in der Samtgemeinde. Wir haben hier auch mal gewohnt und haben hier unglaublich viele Freunde und Bekannte, die wir regelmäßig besuchen. Wir selbst nehmen auch viel an kulturellen Veranstaltungen teil oder gehen gerne im Kurpark spazieren. Das heißt: Die Samtgemeinde ist ein Stück Heimat und liegt mir sehr am Herzen.
Sigmar Sandmann: Sie ist von einer Vielfalt geprägt. Wir haben die Kurstadt, die Kernstadt der Stadt Bad Nenndorf mit etwa 8.500 Einwohnern, mit einem für die Größe guten kulturellen Angebot, was weiter gepflegt werden muss. Auf der anderen Seite haben wir die dörflichen Siedlungsstrukturen, in denen sich entsprechend der Größe und den Eigenheiten auch ein gutes bürgerliches Vereinsleben entwickelt hat. Das macht für mich den Reiz dieser Samtgemeinde aus und das macht für mich auch den Reiz aus, mich hier zu engagieren.
SW: Wie würden Sie die Samtgemeinde in drei Worten beschreiben?
Mike Schmidt: Charmant. Natürlich. Bodenständig.
Sigmar Sandmann: Deister. Kurstadt. Ländliche Region.
SW: Wo würden Sie als Samtgemeindebürgermeister die Schwerpunkte Ihrer politischen Arbeit sehen?
Mike Schmidt: In der Moderation. Das heißt, ich würde als Vermittler auftreten, um die Leute der verschiedenen politischen Standpunkte an einen Tisch zu holen und gemeinsam in guten Gesprächen gute Ergebnisse für die Bürger zu erzielen. Zudem gilt es eine Verwaltung vertrauensvoll zu führen. Ich möchte in der Samtgemeinde die Bedingungen für eine gute Lebensqualität ausbauen.
Sigmar Sandmann: Die Schwerpunkte habe ich bereits in meinem Wahlprogramm bekannt gemacht. Im Wesentlichen geht es mir um die Vielfalt, die Menschen und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen in der Samtgemeinde. Das sind die drei Hauptpunkte und denen habe ich entsprechende Ziele zugeordnet.
SW: Wo liegen für Sie die Stärken des "Konzeptes für die zukünftige Ausrichtung der Kindertagesstätten in der Samtgemeinde Nenndorf"?
Mike Schmidt: Es ist erkannt worden, dass wir die Betreuungszeiten ausbauen müssen, sowohl nach vorne als auch nach hinten. Somit ist es natürlich ein Gewinn für die Eltern, die gerne arbeiten möchten, aber nicht wussten wohin mit ihren Kinder. Ob das die Grenze ist oder wir sie noch weiter ausbauen müssen, das werden wir sehen. Es ist ein dynamischer Prozess, mit dem wir uns die nächste Zeit beschäftigen müssen und in dem es wichtig sein wird, die Bedürfnisse der Eltern zu erfragen.
Sigmar Sandmann: Es gibt noch kein Konzept, wo man von einer klar erkennbaren Stärke sprechen kann. Das Ziel des Konzeptes muss es sein, dass die Menschen, die arbeiten wollen, ihre Kinder gut betreut wissen für die Zeit, wo sie nicht Zuhause sind und sich selbst um die Kinder kümmern können.
SW: Und wo sehen Sie hier auch Schwächen?
Mike Schmidt: Ich habe aus vielen Gesprächen gehört, dass es unter anderem noch mit dem Freitagnachmittag und der Ferienbetreuung für die Grundschüler Probleme gibt. Das ist eine Schwäche, die wir definitiv noch anpacken müssen und die werde ich auch gerne anpacken. Sonst ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Und es geht zunächst in erster Linie nur um die Ausgestaltung der Betreuungszeiten und nicht um Qualität. Das heißt: Dort ist noch keine Änderung angestrebt. Auch diesen Punkt werden wir noch aktiv gestalten müssen.
Sigmar Sandmann: Die Schwächen liegen darin, dass die Zeiten zu schlecht kommuniziert werden, dass es für die Eltern zu spät erkennbar ist, welche Zeiten der Betreuung in der Samtgemeinde angeboten werden. Hier müssen die Eltern frühzeitig informiert werden, welche Einrichtung welche Betreuungszeiten anbietet.
SW: Der derzeit gelebte kreative Protest der Bürgerinitiative "Pro Dorf" zeigt, dass das sensible Thema möglicher zusätzlicher Konzentrationsflächen für Windenergieanlagen die Nenndorfer beschäftigt. Was sagen Sie Bürgern, die eine "Verspargelung" der Landschaft durch weitere Windräder in ihrer Nachbarschaft befürchten und die damit argumentieren, dass die Ziele der Bundesregierung zur Energiewende in der Samtgemeinde bereits erfüllt seien?
Mike Schmidt: Es ist ein notwendiges Ziel der Bundesregierung ab 2020 die Atomkraftwerke abzuschalten und auf regenerative Energien zu setzen. Das ist ein breiter Konsens in der Gesellschaft. Dabei ist es wichtig, dass wir Vorranggebiete festlegen, in denen Windkraftanlagen entstehen können. Sonst ist es unter anderen Voraussetzungen möglich, dass sie überall gebaut werden. Nach den Berechnungen des Landkreises stehen nur zwei Prozent der kreisweiten Fläche für Windkraftanlagen zur Verfügung. Nun ist es für die Bürger hier sicherlich kein angenehmer Zufall, dass sich eine zusätzliche Fläche auch in ihrer Samtgemeinde befindet. Wenn wir gemeinsam das Ziel erreichen wollen, müssen wir uns mit dem Thema beschäftigen und einen vernünftigen Mittelweg finden. Vielleicht muss es nicht das 190 Meter hohe Windrad sein, vielleicht reichen auch 150 Meter aus. Wichtig ist dabei nur, die Bürger nicht erst später an dem Prozess zu beteiligen, sondern sie von Vorneherein mitzunehmen und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Dazu gehört auch auf die Menschen zu zugehen und mit ihnen zu sprechen. Der Samtgemeindebürgermeister sollte dabei ein Vermittler sein zwischen der Verwaltung, der Politik und den Menschen vor Ort. So kann er zeigen, dass ihm alle Belange wichtig sind – sowohl der Ausbau regenerativer Energien als auch die Sorgen seiner Bürger.
Sigmar Sandmann: Bürgerschaftliches Engagement und Bürgermitwirkung sind wichtige Elemente; stärken die lokale Gemeinschaft und fördern auch die Lebensqualität der Menschen. Von daher ist es ganz wichtig, dass sich die Menschen, so wie jetzt die Bürgerinitiative "Pro Dorf", in die Diskussion aktiv mit einbringen. Das Problem, was ich da sehe, ist, dass die Windkraftgegner, die zurecht einen Wertverlust ihrer Grundstücke befürchten und die zurecht davor warnen, dass Schlagschatten ihre Gebäude erreichen können, zu spät in den Prozess mit eingebunden wurden – zwar entsprechend den Vorgaben des Baugesetzbuches rechtmäßig eingebunden wurden, aber meines Erachtens zu spät. Hier gibt es einen deutlich geänderten Anspruch der Bürgerinformation und dem muss man nachkommen. Das heißt: Man muss bereits vor den offiziellen Verfahren gemäß Baugesetzbuch die Leute informieren durch gezieltes Ansprechen, entweder schriftlich per Briefpost oder persönlich, indem man auf die Leute zugeht und sagt: Da passiert etwas, ihr müsst hier gucken, damit ihr eure Rechte wahrnehmen könnt. Das wäre der richtige Weg, um die Leute mitzunehmen. Die Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergie-Anlagen dient eigentlich dazu, der "Verspargelung" der Flächen im Samtgemeindegebiet entgegenzuwirken. Nach der Energiewende der Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode haben sich gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung zugunsten der Windenergie verändert.
SW: Wie wollen Sie die Wähler, die ihre Stimme im ersten Wahlgang dem Amtsinhaber Bernd Reese gegeben haben, mobilisieren jetzt bei Ihrem Namen das Kreuz zu machen?
Mike Schmidt: Es geht darum alle Wähler noch einmal zu motivieren, nicht nur die von Herrn Reese. Viele werden Herrn Reese aufgrund seiner Parteilosigkeit gewählt haben. Hier verfolge ich mit meinem offenen parteiübergreifenden Ansatz dieselben Interessen. Ich bin der einzige Kandidat, der bereits vor der Wahl mit allen Fraktionen, die keinen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, Gespräche gesucht hat und immer noch sachorientiert führt. Diese Art der Amtsführung wird der Samtgemeinde und somit auch den Bürgern zugutekommen.
Sigmar Sandmann: Ich bin sicher, dass die Wähler, die bei Bernd Reese ihr Kreuz gemacht haben, wissen, dass ihre Stimme bei mir gut aufgehoben ist, dass ich auch Nenndorfer Interessen gut vertrete und im Blick habe. Das habe ich auch in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, als ich mit meiner Stimme im Samtgemeinderat dazu beigetragen habe, dass beispielsweise die Grundschule Bad Nenndorf energetisch saniert wurde und Investitionen im Rahmen der Innenstadtsanierung durch die Samtgemeinde, die hierbei für die Abwasseranlagen zuständig ist, getätigt wurden. Ich war da überaus konstruktiv und die Nenndorfer, die Bernd Reese gewählt haben, wissen das und werden das erkennen.
SW: Zum Abschluss noch etwas Persönliches: Wenn Sie drei Wochen auf einer einsamen Insel bleiben müssten, welche drei Gegenstände würde Sie mitnehmen?
Mike Schmidt: Mein Smartphone wegen der e-Books, der Musik und des Kontakts zur Außenwelt, Pfeil und Bogen zum Jagen und Streichhölzer.
Sigmar Sandmann: Ein 2000 Seiten dickes Buch, meine Brille und etwas zu schreiben.
SW: Wo trifft man Sie am ehesten zum Feierabend an?
Mike Schmidt: Mit meiner Familie im Garten.
Sigmar Sandmann: In Sitzungen.
SW: Wohin würde Sie Ihr Traumurlaub führen?
Mike Schmidt: Auf die Malediven.
Sigmar Sandmann: Auf ein Segelboot in Holland.
SW: Wer war Ihr Vorbild in Kindheitstagen?
Mike Schmidt: Meine Eltern, weil ich es toll fand, wie sie es neben der Selbstständigkeit geschafft haben ihre Familie mit drei Kindern zu managen.
Sigmar Sandmann: Der Cowboy Andy aus den Bessy-Heften.
SW: Wo ist Ihr Lieblingsort oder -platz?
Mike Schmidt: In unserem Strandkorb im Garten.
Sigmar Sandmann: Auf meiner Terrasse.
SW: Ihr Lebensmotto lautet?
Mike Schmidt: Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag.
Sigmar Sandmann: Ich möchte die Dinge ändern, die ich ändern kann; Gelassenheit wahren bei den Dingen, die ich nicht ändern kann; und würde mich freuen, wenn es mir gelingt, das eine von dem anderen zu trennen.
SW: Die Samtgemeinde braucht Sie und keinen anderen als Bürgermeister, weil...
Mike Schmidt: ... ein Miteinander wieder Alltag werden soll und ich für eine gute Zukunft einstehe!
Sigmar Sandmann: ... ich gut zuhören kann und die als richtig eingeschätzten Ziele beharrlich verfolge!
