1. Vom Glück der Sinne

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    LANDKREIS. "Als junger Mann war ich einmal sehr verzweifelt, ganz auf null. Ich hatte kein Geld, konnte das Hotel nicht bezahlen; ich war nicht verliebt; mit meinen Eltern war ich ganz auseinander. Meine Karriere schien am Ende. Alles ging schief. Ich war zwanzig oder einundzwanzig Jahre alt, und ich wollte mich erhängen. Aber es ging nicht. Sie sehen, ich lebe noch! Nachher, als ich auf die Straße kam, fühlte ich mich als neuer Mensch. Ich sah die Welt mit anderen Augen an. Ich sagte zu mir: "Was bist du doch für ein Dummkopf! Was macht es denn, wenn du ins Gefängnis kommst, weil du die Schulden nicht bezahlen kannst? Im Gefängnis kannst du an die Musik denken. Vielleicht bekommst du ein Buch zu lesen. Du kannst an die Liebe denken. Du kannst alles Mögliche tun. Niemand kann dir das Denken nehmen. Du kannst ein neues philosophisches System aushecken. Und so weiter." Ich dachte weiter: "Auch wenn du krank wirst und ins Spital musst, lebst du immer noch, und du kannst wieder gesund werden."

    Sehen Sie, das Leben hat so wunderbare Dinge für uns bereit: Blumen, Musik, Poesie, Bücher, Gedanken, Liebe. Das kann uns niemand wegnehmen. Ich habe eine merkwürdige Gewohnheit: Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich aufstehe, dass ich noch sehen kann, hören kann, riechen kann; dass ich noch alle Sinne besitze; dass ich noch gehen kann. Das sind doch wunderbare Geschenke! Es könnte ja auch anders sein. Gut, auch damit müsste ich mich abfinden. Aber man muss doch ein bisschen dankbar sein. Wir sind so undankbar. Wir haben alle unsere Sinne. Aber wenn einem Menschen hundert Franken fehlen, um Kaviar oder etwas anderes Unnötiges zu kaufen, dann schimpft er und findet das Leben scheußlich. Wir jammern über Kleinigkeiten und sehen nicht die großen Dinge, die uns geschenkt sind. " (Arthur Rubinstein, Konzertpianist, 1887 – 1982)

    Liebe Leserin, lieber Leser, diesen eindrucksvollen Erkenntnissen des großen Pianisten braucht eigentlich nichts hinzugefügt werden. Aber wenn wir die wunderbaren Geschenke des Lebens erkennen und dafür dankbar sind, werden wir dann nicht automatisch auch danach trachten, die Not der anderen zu lindern? So viele Menschen brauchen unsere Hilfe: Arme, Flüchtlinge, Kranke, Behinderte, Alte, Gefangene.

    Ob Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Kinderschutzbund usw. Nehmen Sie doch Kontakt zu einer zu Ihnen passenden helfenden Einrichtung auf und lindern Sie die Not der anderen, indem Sie etwas von Ihrer Zeit opfern oder etwas spenden. Es wird sie selbst bereichern!

    Martin Barwich ist Kirchenkreissozialarbeiter und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes des Ev.-luth. Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg in Rinteln

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