1. Die Flagge für Demokratie hochhalten

    Infoveranstaltung über Neonaziaufmarsch / Mehr Protest-Beteiligung gewünscht / "An Recht und Gesetz halten"

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    BAD NENNDORF (jl). Kreativität sei der Erfolgsfaktor gegen den Neonaziaufmarsch, der Bad Nenndorf in diesem Jahr am 2. August heimsucht. Mit diesen Worten formulierte Stadtdirektor Bernd Reese beim jüngsten Vorbereitungstreffen im Vereinsheim das Ziel der Protestaktionen. "Wir müssen uns aktiv dagegenstellen und Flagge zeigen, dass wir hier die Demokratie vertreten."

    Eine Prognose, welche rechten Gruppen in der Kurstadt zu erwarten sind, gab Gerhard Bücker vom Landespräventionsrat ab. Während zumindest in Niedersachsen die NPD ihre Deutungshoheit in der rechten Szene verliere und die Partei "Die Rechte" ebenfalls mit keiner hohen Mitgliederzahl vertreten sei, erlange die sogenannte "Identitäre Bewegung" zunehmende Bedeutung. Die islamfeindlich eingestellten Anhänger agierten vor allem im Internet und sprächen ein eher jüngeres durchaus gebildetes Klientel wie Gymnasiasten an. "Damit müssen wir uns verstärkt beschäftigen als mit den Rechten von gestern", betonte Bücker. Für eine seriöse Prognose hinsichtlich der Teilnehmerzahl am diesjährigen "Trauermarsch", die sich im "starken Sinkflug" befinde, sei es zwar noch zu früh. Sie sollte aber "zumindest nicht höher sein als im vergangenen August", so Bücker, tendenziell sogar eher weniger. Demgegenüber steht eine ständig gewachsene Beteiligung bei den Gegendemonstrationen mit allein im vergangenen Jahr mehr als 1200 Teilnehmern, die auf nur noch 280 Neonazis trafen. Dies berichtete Frank Kreykenbohm, Chef der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg. Gleichzeitig warb er aber auch für mehr Verständnis gegenüber der Polizeiarbeit bei den Aufmärschen. "Wir haben natürlich Spielräume, müssen uns aber schlichtweg an Recht und Gesetz halten", erinnerte der designierte Einsatzleiter auch mit Blick auf die Räumung der Blockade im vergangenen Jahr. Er bat darum, Handlungen, gegen die die Polizei vorgehen müsse, zu unterlassen und gab zu bedenken: Blockaden würden die Rechtsextremen auch aus anderen Städten kennen, eine bunte Partymeile aber sei einzigartig.

    Das war das Stichwort für die anwesenden Vertreter von Vereinen, Verbänden, Kirchen und politischen Fraktionen ihre Aktionen vorzustellen – Von der Anwesenheit zeigten sich einige Teilnehmer allerdings enttäuscht. "Ich hätte mir gewünscht, dass heute mehr da wären", sagte etwa der "Bad Nenndorf ist bunt"-Vorsitzende Jürgen Uebel. Ziel müsse es sein alle Gruppen stärker mit einzubeziehen. Bisher sind unter anderem wieder ein ökumenischer Gottesdienst im Kurpark vor den Protesten sowie ein Familienfest im Kleinen Gymnasium geplant. Bereits am Freitagabend soll erneut eine Menschenkette zwischen Winckler-Bad und Bahnhof gebildet werden. Einig war man sich auch, dass es die "ungeheure Provokation" eines Aufzuges der Rechtsextremen vorbei an der Jüdischen Gemeinde nicht noch einmal geben dürfe. Foto: jl

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