EXTEN (ste). Der technische Geschäftsführer der Firma "Riha-Wesergold", Franz Driessen, begrüßte jetzt den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel und MdB Sebastian Edathy in den Firmenräumen des Unternehmens. 700 Mitarbeiter hat Wesergold in Exten, 2.200 weltweit. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz erinnerte sich noch, dass er in seiner Jugend Obst zum Pressen in die Firma gebracht hat. Heute gehört Wesergold zu den größten Saftproduzenten Deutschlands. 1934 wurde das Unternehmen als Süßmosterei gegründet, 1969 wurde die "Extaler Quelle" entdeckt, die heute als Mineralwasser von hoher Qualität einen Namen hat. 1983 wurde das Werk in Öhringen in Betrieb genommen, 1990 das in Dodow und 1993 die Zurzach-Quelle in der Schweiz. Driessen erläuterte, dass der Getränkemarkt heiß umkämpft ist und sich Saft heute "...unter Wert verkauft". Viele Konsumenten meinten, dass man die Qualität der Getränke nur noch an der Anzahl der Kalorien fest machen könne: "Da spielt auch die Lebensmittel-Ampel kräftig mit", so Driessen. Plötzlich sei Apfelsaft auf der "Ampel" ungesünder als Cola-Light: "Da stimmt was nicht im System!" Während sich also der Saftumsatz verringert, steigt der Anteil der CO-2-Getränke. Damit Wesergold sich auch mengenmäßig stark am Markt etabliert, ist das Unternehmen seit 50 Jahren unter anderem bei "ALDI" gelistet. Gut informiert zeigte sich Sigmar Gabriel: "Discounter bieten zum Teil im Sommer Wässer an, die billiger sind als das Stadtwerkewasser aus dem Hahn", frotzelte er und fragte: "Macht ihnen das zu schaffen?" Zum Teil schon, so Driessen, doch mit diesen Mineralwässern könne und wolle man sich nicht vergleichen. Zu schaffen macht dagegen das Pfandsystem den Produzenten. Wesergold reagiert darauf mit einem PET-Cycle-System und Rücknahme der Einwegflaschen in Mehrwegkisten. Interessiert zeigten sich die beiden Politiker auch bei Fragen zur Ausbildung. Wesergold bietet unter anderem Ausbildungsplätze als Fruchtsafttechniker, Projektingenieur, Industriekauffrau, Elektroniker und duale Studien als "Bachelor of Arts". Vorwiegend zur Deckung des eigenen Nachwuchses bildet die Firma aus in zwölf unterschiedlichen Berufsbildern. Darunter auch als Berufskraftfahrer: "Hier haben wir massive Probleme, guten Nachwuchs zu bekommen!" Ein Stichwort, bei dem Gabriel nachhakte: "Was muss die Politik tun, um hier Abhilfe zu schaffen?" Driessen hatte eine Antwort parat: "In der Schule Deutsch und Mathe fördern, Fachhochschulen stärken und die Kombination von Industrie und Ausbildung unterstützen!" Bevor man sich auf dem ausländischen Markt nach neuen Arbeitskräften umsehen sollte, so Gabriel, sei es wichtig, die
50.000 Schulabbrecher in Deutschland für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, Jugendlichen mit Migrationshintergrund Chancen zu geben und Frauen - auch als Spätberufseinsteiger - zu fördern. Interessant fand Gabriel auch die Aussage der Firma, dass eine hohe Anzahl von älteren Mitarbeitern bis zur gesetzlichen Grenze von 65 Jahren durcharbeitet. Zweites Kernthema des Besuches waren Fragen zur energetischen Versorgung der Firma und zu den Kosten dafür. Allein 3,2 Millionen Euro mehr muss Riha-Wesergold in den letzten sechs Jahren für Energie ausgeben. Deshalb will man eine Eigenstromversorgung in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken aufbauen. Hier macht derzeit noch das EEG Probleme, denn die Umlage soll unter Umständen auch auf den Eigenstrom gezahlt werden. "Energie", so Gabriel, "ist eine der größten Herausforderungen von Politik und Wirtschaft der nächsten Jahre!" Er machte Werbung für die eigene Energiepolitik: "Mit der SPD sind sie auf der sicheren Seite!"
Dann stellten sich Gabriel und Edathy den Fragen der Auszubildenden mit der Aufforderung: "Fragen Sie jetzt; wir sind die, über die sie sich im Fernsehen vielleicht manchmal aufregen!"Foto: ste
