BAD NENNDORF (wa). Ein herrlicher Erdbeerduft kommt mir entgegen, als ich mein Auto am Straßenrand parke und aussteige. Einen ganzen Kübel von den leckeren Früchten könnte ich jetzt verdrücken. Doch keine Macht der Völlerei. Ich belasse es bei einer kleinen Schale und zücke mein Portmonee. Hinter dem hölzernen Verkaufstresen steht Lisa Bohne. Die blonde Bad Nenndorferin hat vor kurzem ihr Abitur am Ratsgymnasium gemacht. Seit Anfang Juni arbeitet sie für die Familie Brunkhorst. "Zu Beginn der Saison verkaufen wir die Sorte ‚Sonata‘. Jetzt gibt es ‚Salsa‘ und ‚Polka‘", erklärt sie mir. Da kennt sich jemand aus.
Jeden Morgen fährt die 18-Jährige um halb acht mit einem kleinen Transporter zum Hof des landwirtschaftlichen Betriebes in Lüdersfeld, holt kistenweise süße Früchte ab und bringt sie zum Verkaufsstand. Bis um 18 Uhr abends bleibt sie dort. Bis die letzten eifrigen Erdbeerpflücker mit vollen Eimern vom Feld kommen. Und immer, wenn gerade alle Kunden versorgt sind, packt sie ein Buch aus oder liest im Studienführer. Naturwissenschaften sind ihr Ding. Sie möchte Lebensmitteltechnologie studieren. Auch Medizin findet sie interessant. Allerdings sei ihr da der Numerus Clausus zu hoch, sagt die ehemalige Ratsgymnasiastin. Lisa Bohne ist in einer landwirtschaftlich-geprägten Familie aufgewachsen. Ihr Vater vertreibt Landmaschinen. Doch bevor es ins Studium geht, möchte die Nenndorferin ein Jahr in Irland leben und dort als Au-Pair arbeiten. Derzeit steht sie via Skype mit mehreren Familien in Kontakt. Bis jetzt hat die 18-Jährige jedoch keine geeignete Stelle gefunden. "Viele Familien sagen nach mehreren Telefonaten einfach plötzlich ab", erzählt sie.
Noch eine Woche lang wird Lisa Bohne in dem kleinen Holzhäuschen vor dem großen Erdbeerfeld stehen. "Das ist ja keine schwere Arbeit, es macht Spaß", sagt sie. Das glaube ich, mit so einem tollen Erdbeerduft in der Nase. Hier wachsen nicht nur rote Früchte, sondern auch Wünsche und Träume einer jungen Frau. Foto: wa
