1. Ein Mindestlohn und die Frauenquote kein Thema

    CDU, FDP und die Piraten diskutieren mit Bürgern

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    RINTELN (km). Organisatorisch top, inhaltlich naja - so ließe sich die Podiumsdiskussion verbuchen, zu der die Schaumburger Sektion der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) jetzt alle Direktkandidaten des Wahlkreises 40 (Nienburg/Schaumburg) für die in diesem Jahr anstehende Bundestagswahl eingeladen hatte. Schade, dass bei tropischen Außenbedingungen im Publikum nur eine Handvoll Interessenten mit von der Partie war - denn in der Ernestinum-Aula erwiesen sich die Temperaturen eigentlich als recht akzeptabel.

    Zu der Diskussion auf der Bühne konnte Moderator Christoph Ochs Sebastian Edathy (SPD), Katja Keul (Die Grünen), Maik Beermann (CDU), Bernd Rinsch (Piraten) und Ralf Kirstan von der FDP begrüßen. Allein die Linken waren nicht dabei, weil die Partei bis dato noch keinen Kandidaten aufgestellt hat. Die ersten Punkte in der Runde konnten zunächst die Organisatoren selbst für sich verbuchen. Die Ernestinum-Schüler sorgten souverän für Licht und Ton, einer von ihnen stellte mit fünf Notebooks gleichzeitig den unmittelbaren Kontakt zu Twitter und Facebook her, und eine junge Dame signalisierte den Diskussionsteilnehmern, wann ihre Redezeit abgelaufen war: Nach 90 Sekunden gab es die gelbe, nach zwei Minuten die rote Karte. Die musste zwar mehrfach gezeigt werden, war jedoch nicht mit einem "Platzverweis" verbunden - nicht zuletzt weil sich alle Kandidaten ja auch lobenswert diszipliniert zeigtem. So konnte der Kakophonie-Effekt vermieden werden, der zahllose Zuschauer von TV-Polit-Talkshows regelmäßig zum Ausschalten nötigt: Wenn alle Kombattanten beginnen, zügellos durcheinander zu schwadronieren. Schade indessen: Nach der Vorstellungsrunde erwiesen sich die vorab von Schülern formulierten Fragen an die Kandidaten als nicht besonders substanziell. So verwunderte es kaum jemanden, dass SPD und Grüne ihre Bestrebungen in Sachen Mindestlohn affirmierten. Ein wenig überraschend erwies sich in dem Zusammenhang die Tatsache, dass FDP, CDU und die Piraten mehrfach auf einer Wellenlänge zu liegen schienen: Einem "flächendeckender" Mindestlohn befanden alle drei Kandidaten nicht als besonders sinnvoll.

    Auch die Forderung "40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten" wurde allein von Katja Keul und Sebatsian Edathy unterstützt, Bernd Rinsch von den Piraten dagegen plädierte eher für eine regionale "Selbstorganisation". Und während sich besonders Maik Beermann und Ralf Kirstan für eine Entlastung der Industrie in Sachen Energiekosten aussprachen, bekräftigte Kathrin Keul die Forderung ihrer Partei nach "moderaten" Steuererhöhungen für Besserverdienende.

    Weitgehende Einigkeit herrschte bei einem besonders aktuellen Thema: Den EU-Beitritt der Türkei sahen alle Kandidaten in der gegenwärtigen Situation in weiter Ferne. "Momentan fast undenkbar", befand Sebastian Edathy - man dürfe den Türken aber auch nicht "die Tür zu machen", gaben Katja Keul und Bernd Rinsch unisono zu bedenken. Die eindeutigste Position vertrat der FDP-Kandidat, Gymnasiallehrer Ralf Kirstan, der dem Ministerpräsidenten Erdogan "sultanhafte Attitüden" vorwarf - und, ebenso wie CDU-Kandidat Maik Beermann, vor dem Hintergrund zunehmender Isalamisierung den vieldiskutierten EU-Beitritt der Türkei praktisch ausschloss. Foto: km

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